St.Galler Busvorlage: Mit ernsthafter Opposition ist nicht mehr zu rechnen

Im Juni hat das Stadtparlament das 37,5-Millionen-Vorhaben der Verkehrsbetriebe St.Gallen mehr als deutlich gutgeheissen. Widerstand der Parteien, die demnächst ihre Parolen fassen, ist nicht zu erwarten.

Seraina Hess
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Das St.Galler Stadtparlament hat an seiner Sitzung vom Juni der Erneuerungsvorlage für die VBSG grossmehrheitlich zugestimmt. (Bild: Benjamin Manser - 28. März 2018)

Das St.Galler Stadtparlament hat an seiner Sitzung vom Juni der Erneuerungsvorlage für die VBSG grossmehrheitlich zugestimmt. (Bild: Benjamin Manser - 28. März 2018)

Das 63-köpfige Parlament stimmte der Vorlage des Stadtrates bei nur einer Gegenstimme und drei Enthaltungen grossmehrheitlich zu. Dass das ein Anzeichen dafür ist, dass im Abstimmungskampf seitens der Parteien nicht mehr mit viel Opposition zu rechnen ist, bestätigen sowohl Parlamentarier als auch Stadtrat Peter Jans, der als Direktor der Technischen Betriebe für das Vorhaben zuständig ist.

Jans sagt: «Dass mit der Umstellung einiger fahrgaststarken Linien auf den umweltfreundlichen elektrischen Antrieb die Lebensqualität in der Stadt und die ökologische Situation verbessert werden, ist offensichtlich.» Er gehe daher von einer grossen Akzeptanz der Vorlage aus.

Ein Diskussionspunkt bei der Busvorlage, über die am 25. November ub der Stadt St.Gallen entschieden wird, sind die neuen Oberleitungen. Etliche Politiker und Quartiere wünschen sich eine Lösung mit weniger Drähten über dem Strassenraum. (Bild: Tagblatt-Archiv)

Ein Diskussionspunkt bei der Busvorlage, über die am 25. November ub der Stadt St.Gallen entschieden wird, sind die neuen Oberleitungen. Etliche Politiker und Quartiere wünschen sich eine Lösung mit weniger Drähten über dem Strassenraum. (Bild: Tagblatt-Archiv)

Kritik oder zumindest Einwände gab es im Parlament trotzdem, und zwar aus allen politischen Lagern. Clemens Müller, Fraktionspräsident Grüne/Junge Grüne, bemängelt in Zusammenhang mit der Vorlage die Wegwerfmentalität, weil die Dieselbusse bereits nach zwölf Jahren als ausrangiert gelten. «Daran haben wir uns gestossen, obwohl uns der Stadtrat glaubhaft darlegen konnte, dass sich der technische Aufwand zur Aufrechterhaltung alter Fahrzeuge nicht mehr lohne.»

Auch eine Imagefrage

Peter Jans sagt zu Müllers Einwand: «Es geht auch um eine Komfort- und Imagefrage, zumal die Stadt vor Jahren schon einmal mit teilweise sehr ausgefahrenen Bussen bedient wurde.» Sobald die Fahrzeuge ein gewisses Alter erreicht hätten, würden erfahrungsgemäss nicht nur die Reparaturen, sondern auch die Ausfälle stark zunehmen. Die alten Busse sind gemäss Vorgaben des Bundesamtes für Verkehr nach zwölf Betriebsjahren abgeschrieben.

Mit Widerstand ist im Abstimmungskampf um die Busvorlage auch vonseiten der Bürgerlichen nicht zu rechnen. Stadtparlamentarier Donat Kuratli bestätigt dies für die SVP-Fraktion. Allerdings wünschte sich Kuratli, die 17 Elektro-Trolleybusse würden nicht hauptsächlich in der Agglomeration eingesetzt.

«Vor allem das Zentrum soll von der Investition profitieren, nicht nur Abtwil oder Wittenbach.»
Donat Kuratli, SVP-Stadtparlamentarier

Daniel Stauffacher, Präsident der CVP/EVP-Fraktion, begrüsst den Umstieg auf Elektrobusse ebenfalls. Die Vorlage sei definitiv unumstritten. Allerdings empfindet er die Fahrleitungen nach wie vor nicht als «das Gelbe vom Ei». Stauffacher wünscht sich, diese künftig zu «etappieren».

Das heisst: Die Busse sollen ihre autonomen Strecken, also Abschnitte ohne Anbindung an die Fahrleitung, nicht nur in der Agglomeration zurücklegen, sondern auch im Zentrum. Dem Stadtbild käme das nur zugute, findet Stauffacher.

Auf die Fahrleitungen hatte bereits Barbara Hächler (CVP) in der Parlamentssitzung im Juni kritisch Bezug genommen. Die Fraktion war der Ansicht, ein Teil der Leitungen könnte nach der Umstellung der VBSG-Busflotte auf vollständigen Batteriebetrieb abgebaut werden.

Jans: «Technisch die beste Lösung»

Stadtrat Peter Jans ist politischer Chef der Technischen Betriebe der Stadt St.Gallen. (Bild: Urs Jaudas)

Stadtrat Peter Jans ist politischer Chef der Technischen Betriebe der Stadt St.Gallen. (Bild: Urs Jaudas)

Peter Jans gibt zu bedenken: «Der Batteriebus muss geladen werden, und wir tun das während der Fahrt via Fahrleitung. Einen Teil der Strecke können die neuen Busse dann ohne Ladung fahren.» Alle Varianten, die auf ein anderes Ladesystem setzten, wären viel teurer. «Und Doppelgelenk-Batteriebusse, die ein ganzes Tagespensum ohne Nachladen absolvieren können, gibt es nicht auf dem Markt.»