18 Prozent über Durchschnitt: St.Gallen zahlt mehr für den Verkehr als vergleichbare Städte

St.Gallen lässt sich den ÖV, die öffentliche Beleuchtung und das Gemeindestrassennetz deutlich mehr kosten als andere Schweizer Städte gleicher Grösse. Das zeigt ein Vergleich. Vielerorts greift die Stadt aber weniger tief ins Portemonnaie.

Seraina Hess
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Der Verkehr hat die Stadt 2017 über 33 Millionen Franken gekostet. (Bild: Urs Bucher)

Der Verkehr hat die Stadt 2017 über 33 Millionen Franken gekostet. (Bild: Urs Bucher)

St.Gallen gibt mehr Geld für den Verkehr aus als manch andere Schweizer Stadt: Die Ausgaben liegen 18 Prozent über Durchschnitt, wie eine Auswertung von SRF zeigt. Verglichen wird St. Gallen nicht mit allen, sondern mit 21 Schweizer Städten ähnlicher Grösse und ähnlicher Ausgabenstruktur. Zu dieser Gruppe gehören Winterthur, Biel, Thun, Luzern, Zug, Fribourg, Olten, Solothurn, Schaffhausen, Wil, Chur, Aarau, Baden, Bellinzona, Locarno, Lugano, Montreux, Vevey, Sion, La Chaux-de-Fonds und Neuchâtel.

Der SRF-Beitrag hält fest, wie viel Geld Städte in den sieben grössten Bereichen der funktionalen Gliederung ausgeben – und vor allem, wie stark sie vom Mittelwert der Vergleichsstädte abweichen. Berücksichtigt wurden hierbei nicht nur die Gemeindeausgaben, sondern auch jene des Kantons. Weil im Vergleich vom Nettoaufwand ausgegangen wird – also von den Ausgaben nach Abzug von Gebühren oder Rückerstattungen – lässt sich ablesen, wofür die Steuermittel letztlich eingesetzt werden. Dabei stellte sich heraus: Im Zeitraum von 2010 bis 2016 haben beim Verkehr und der Nachrichtenübermittlung nur Aarau mit 22 Prozent und Chur mit ganzen 42 Prozent über dem Mittelwert mehr Geld ausgegeben als St.Gallen. Unterdurchschnittlich fallen die St. Galler Ausgaben hingegen bei der Öffentlichen Ordnung und Sicherheit aus. Sie sind 14 Prozent tiefer, genauso jene bei der Gesundheit, die rund zwölf Prozent unter dem Mittelwert liegen. Punktlandungen erreicht St. Gallen in der öffentlichen Verwaltung und bei der Bildung: Die Ausgaben entsprechen ziemlich genau dem Durchschnitt.

Die Schule kostet die Stadt am meisten

Dennoch beansprucht die Bildung in der Stadt am meisten Geld, wie der Rechnungsbericht zeigt: 134,22 Millionen Franken betrug der Aufwand im Jahr 2017. Das sind 37,6 Prozent des St.Galler Nettoaufwandes. Zum zweitgrössten Ausgabenposten gehört die Soziale Wohlfahrt mit 55,15 Millionen Franken, was 15,4 Prozent des Aufwandes entspricht.
Der Verkehr, der neben Beiträgen für den ÖV und die öffentliche Beleuchtung Ausgaben für Gemeindestrassen enthält, kostete die Stadt 33,13 Millionen Franken (9,3 Prozent). Das Aufgabengebiet Gesundheit lässt sich die Stadt 19,9 Millionen Franken kosten (5,6 Prozent), die Öffentliche Ordnung und Sicherheit 17,4 Millionen (4,9 Prozent). Dieser Ausgabenposten enthält Stadtpolizei, Zivilschutz, Grundbuch- und Vermessungsamt. Die Verwaltung kostet St.Gallen 51,37 Millionen (14,4 Prozent). Wie sich die Ausgabenposten im letzten Jahr entwickelt haben, zeigt sich am Montag, 11. März, wenn die Stadt die Rechnung 2018 vorlegt.

Stadtpräsident zweifelt an der Aussagekraft

Stadtpräsident Thomas Scheitlin. (Bild: Daniel Ammann)

Stadtpräsident Thomas Scheitlin. (Bild: Daniel Ammann)

Die Stadt vergleiche ihre Ausgaben indes nicht «in dieser sehr allgemeinen Form» mit anderen Städten, sagt Stadtpräsident Thomas Scheitlin: «Die Abweichungen vom Mittelwert der Vergleichsstädte sind ohne Detailkenntnisse über die Aufgaben und deren Finanzierung kaum interpretierbar.» Verglichen würden hingegen spezifische Finanzkennzahlen wie Haushaltsgleichgewicht oder Verschuldung.

So bleibt es denn auch bei Mutmassungen, wie es zu den Ergebnissen kam – etwa beim Verkehr. «Mögliche Differenzen im Vergleich mit anderen Städten entstehen durch unterschiedliche Verteilschlüssel der ÖV-Kosten, durch höhere Zentrumslasten als Folge der Funktion als Zentrumsstadt und durch den unterschiedlichen Angebotsmix im ÖV», sagt Scheitlin. Simpler ist die Erklärung, weshalb die Stadt für Ordnung und Sicherheit weniger ausgibt:

«St.Gallen ist sicherer als andere Städte und bedarf deshalb weniger Polizisten.»

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Seraina Hess