St.Gallen wächst wieder - und hat so viele Einwohner wie seit fast 50 Jahren nicht mehr

Nach zwei Jahren mit leichtem Bevölkerungsrückgang ist St.Gallen 2018 wieder gewachsen. Ende Dezember lebten 79551 Personen in der Gallusstadt. Das ist der höchste Wert seit 1970. Bald könnte eine historische Marke fallen.

David Gadze
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Die Stadt St.Gallen mit Blick in Richtung Bodensee. (Bild: Benjamin Manser und Ralph Ribi/11. Januar 2016)

Die Stadt St.Gallen mit Blick in Richtung Bodensee. (Bild: Benjamin Manser und Ralph Ribi/11. Januar 2016)

Die Stadt St.Gallen ist im vergangenen Jahr erstmals seit 2015 wieder gewachsen. Ende Dezember lebten 79551 Personen in der Gallusstadt. Das sind 397 oder 0,5 Prozent mehr als Ende 2017. Damit ist die negative Entwicklung zwischen 2015 und 2017, als die Bevölkerungszahl nach Jahren konstanten Wachstums zum ersten Mal seit 2005 rückläufig war, vorerst gebremst. Die 79551 Einwohnerinnen und Einwohner sind gleichzeitig der höchste Wert seit fast 50 Jahren: 1970 wohnten gemäss Stephan Wenger, Leiter der städtischen Bevölkerungsdienste, 80852 Personen in St.Gallen. Das ist der höchste je erreichte Wert und der letzte über der 80000-Grenze.

Ständige Wohnbevölkerung knackt 75000-Marke

Auch die ständige Wohnbevölkerung hat nach zwei Jahren leichten Rückgangs (von 74834 Einwohnerinnen und Einwohnern Ende 2015 auf 74771 Personen Ende 2017) wieder zugenommen. Mehr noch: Sie hat erstmals seit Jahrzehnten die Marke von 75000 überschritten. Sie liegt nun bei 75108 Personen. Das sind 337 mehr als im Vorjahr. Zum Vergleich: 2006 betrug die ständige Wohnbevölkerung 69855 Einwohner.

Zur weiteren Wohnbevölkerung gehören 3390 Personen mit Nebenwohnsitz, grösstenteils Wochenaufenthalter, sowie 1053 Personen der nicht-ständigen Wohnbevölkerung, also solche ohne dauerhafte Aufenthaltsbewilligung.

St.Gallen als Lokomotive der ganzen Region

Stadtpräsident Thomas Scheitlin wertet das Wachstum St.Gallens in erster Linie als «positives Zeichen nach aussen».

«Das zeigt, dass St.Gallen eine attraktive Stadt mit guten Arbeitsplätzen ist.»

Von einer Trendwende will er jedoch nicht sprechen. Zum einen seien die Schwankungen in den vergangenen Jahren sehr gering gewesen, zum anderen spiele bei der Bestimmung der Bevölkerungszahl per Stichtag 31. Dezember auch der Faktor der Zufälligkeit eine Rolle. Deswegen will der Stadtpräsident auch den leichten Rückgang zwischen 2015 und 2017 nicht überbewerten. «Man muss den langfristigen Trend anschauen», sagt Scheitlin. Und dieser zeige, dass die Gesamtbevölkerung von St.Gallen in den vergangenen zehn Jahren um knapp 4000 Einwohnerinnen und Einwohner gewachsen ist. Insofern könne man nun von einer «Fortsetzung dieser positiven Entwicklung» sprechen. Denn trotz der leichten Schwankungen zuletzt habe «der Trend zur Urbanisierung und zur Stärkung der Agglomerationen» nicht nachgelassen, ist Scheitlin überzeugt.

Das Wachstum sei für die Stadt ebenso wichtig wie für die Ostschweiz als Ganzes. Als grösste Schweizer Stadt östlich von Winterthur sei St. Gallen «die Lokomotive der ganzen Region», sagt Scheitlin. Wenn sich die Stadt gut entwickle, sei das für die ganze Agglomeration positiv. Auch deshalb ist es ein erklärtes Ziel des Stadtrats, dass St. Gallen weiter wachsen soll – nicht nur bei der Bevölkerung, sondern auch bei den Beschäftigten. In der Vision 2030 des Stadtrats heisst es entsprechend: «In St. Gallen wächst die Zahl der Einwohnerinnen und Einwohner und der Arbeitsplätze stärker als in der Region.» Auch aus diesem Grund erarbeite die Stadt derzeit eine Wohnraumstrategie, sagt Scheitlin. Diese soll aufzeigen, welcher Wohnraum derzeit am meisten gesucht wird beziehungsweise noch am stärksten fehlt. Ausserdem führt die Stadt eine qualitative Analyse der Gründe von Zu- und Wegzügen durch. Die Ergebnisse sollen noch im Verlauf dieses Jahres vorliegen.

Zuwanderung aus dem Ausland

Erfreulich sei jedenfalls, dass parallel zum Bevölkerungswachstum die Zahl der Arbeitsplätze ebenfalls konstant zugenommen habe, sagt Thomas Scheitlin. Dies gelte es, weiterhin fortzusetzen. Denn die Arbeitsplätze beeinflussen die Bevölkerungsentwicklung massgeblich.

Der Wanderungssaldo – also die Differenz zwischen Zuzügen und Wegzügen – lag 2018 mit 177 Mehrzuzügen im positiven Bereich. Dies aufgrund einer verstärkten Zuwanderung aus dem Ausland und einer sich abschwächenden Abwanderung in Schweizer Städte und Gemeinden, wie die Stadt am Montag mitteilte. Schon in den vergangenen Jahren, in denen die Stadtbevölkerung zunahm, waren es grösstenteils die Zuzüger aus dem Ausland, die das Wachstum von St.Gallen förderten.