Kommentar

St.Gallen verliert die Anerkennung als Talentschulstandort – das ist eine unnötige Machtdemonstration aus dem Regierungsgebäude

Das kantonale Bildungsdepartement entzieht der Stadt die Anerkennung als Standort einer Talentschule. Das Vorpreschen ist schleierhaft und erweckt den Eindruck einer Retourkutsche.

Daniel Wirth
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Daniel Wirth

Daniel Wirth

Bild: Ralph Ribi

Es ist seit längerem offensichtlich: Der kantonale Bildungschef Stefan Kölliker (SVP) und der parteilose städtische Bildungsdirektor Markus Buschor haben das Heu nicht auf der gleichen Bühne. Die Dissonanzen sind zahlreich.

Als es darum ging, die Coronapandemiemassnahmen zu lockern und vom Homeschooling zum Klassenunterricht zurückzukehren, war Buschor einer der schärfsten Kritiker Köllikers. Der Unterricht in Halbklassen, wie ihn Köllikers Departement verfügte, bringe Lehrern, Kindern und Eltern bloss Nachteile. Buschor kritisierte, die phasenweise Lockerung sei zwar gut gemeint, aber nicht gut überlegt. Der organisatorische Aufwand sei für alle Beteiligten enorm.

Möglicherweise geriet Kölliker die Kritik Buschors in den falschen Hals. Die Mitteilung aus dem kantonalen Bildungsdepartement, der Stadt St.Gallen mittels Verfügung die Talentschulanerkennung zu streichen, erweckt den jedenfalls Eindruck, als handle es sich um eine persönliche Retourkutsche. Das Vorpreschen des Kantons ist nämlich schleierhaft; die Verfügung der Regierung ist nicht einmal rechtskräftig, und im Kantonsrat ist eine Interpellation zu den Talentschulen und deren Finanzierung erst Anfang nächster Woche traktandiert. Im CVP-Vorstoss wird dem Kanton beliebt gemacht, die Talentschulträger mit einem höheren Schulgeld oder Kantonsbeiträgen zu entlasten.

Zur Erinnerung: Das Bundesgericht hat der Kantonsregierung recht gegeben und die Stadt ist vor den höchsten Richtern abgeblitzt. Diese liessen im Urteil dem Kanton aber den Spielraum, die Finanzierung der Talentschulen neu und kostendeckend zu regeln.

Dass die Kantonshauptstadt angesichts ihrer Zentrumslasten nicht gewillt ist, einen Teil des Schulgelds auswärtiger Talentschüler den eigenen Steuerzahlern zu übertragen, ist nachvollziehbar. Klar ist: Der Hahnenkampf der zwei wichtigsten Bildungspolitiker im Kanton ist unfruchtbar. Eine Aussprache tut not. Im Interesse der Bevölkerung von Stadt und Kanton St.Gallen.

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