St.Gallen
Seniorinnen entdecken die Telefonkette für sich neu

Zweimal wöchentlich erkundigen sich Seniorinnen und Senioren gegenseitig nach ihrem Wohlbefinden. Die Telefonkette nennt sich «Benephone» und bringt neben regelmässigen Gesprächen auch viel Sicherheit.

Yvonne Aldrovandi-Schläpfer
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Men Spadin, Benevol-Öffentlichkeitsbeauftragter und zuständig für Benephone – sowie die Benephone-Mitinitiantinnen Claire Erne aus Muolen sowie Elisabeth Cavegn und Anita Buchs aus St.Gallen.

Men Spadin, Benevol-Öffentlichkeitsbeauftragter und zuständig für Benephone – sowie die Benephone-Mitinitiantinnen Claire Erne aus Muolen sowie Elisabeth Cavegn und Anita Buchs aus St.Gallen.

Yvonne Aldrovandi-Schläpfer

«‹Guete Obig Rosi› – so tönt es, wenn ich regelmässig am Montag- und Donnerstagabend den Anruf starte, um die Telefonkette zu eröffnen», erzählt Elisabeth Cavegn und fährt fort:

«Schon bei der Begrüssung merke ich die Freude bei Rosi. Mein Anruf wurde erwartet. Ich brauche nicht wie üblich bei einem Telefongespräch zu fragen, ob ich störe.»

Elisabeth Cavegn aus St.Gallen ist Mitinitiantin und eine der Kontaktpersonen der Telefonkette Benephone, die sich an ältere und alleinlebende Menschen richtet. Die regelmässigen Anrufe vermitteln den Teilnehmenden ein sicheres Gefühl und ermöglichen den Kontakt untereinander.

Kurzerhand selber gegründet

Die Idee für die Telefonkette sei aus einem Gespräch mit einer älteren, alleinlebenden Frau entstanden. «Diese erzählte mir, dass eine Bekannte sie täglich anrufe, um sich nach ihrem Befinden zu erkundigen», erklärt Elisabeth Cavegn. «Ich dachte mir, so etwas könnte auch weitere Personen ansprechen.»

Elisabeth Cavegn hat sich daraufhin mit langjährigen Bekannten – Claire Erne aus Muolen sowie Anita Buchs und Urs Lanz aus St.Gallen – ausgetauscht, und gemeinsam gründeten sie die Organisation Benephone.

Vier Telefonketten mit insgesamt 20 Teilnehmenden

Vermittlungsplattform für die Benephone-Telefonkette ist die Stiftung Benevol St.Gallen, die sich als Fachstelle für Freiwilligenarbeit versteht. Gestartet wurde am 1. April 2019 mit zwei Telefonketten, die aus gesamthaft neun Personen bestanden. Inzwischen sind es vier Telefonketten mit insgesamt 20 Teilnehmenden. Sie leben in der Stadt St.Gallen und Umgebung, aber auch im Thurgau und dem Appenzellerland.

Zweimal in der Woche rufen sich die Mitglieder einer Telefonkette der Reihe nach an. Dabei erkundigen sie sich nach dem gegenseitigen Wohlbefinden und tauschen zugleich Neuigkeiten aus. Eine Telefonkette besteht aus vier bis sechs Personen, die sich selber organisieren. Der Rhythmus und die Tageszeit der Anrufe werden in den Gruppen festgelegt. In jeder Gruppe wird eine Kontaktperson bestimmt, welche die Telefonkette startet und grundsätzlich auch beendet.

Sicherheit und regelmässige Gespräche

«Mitmachen können ältere und allein lebende Frauen und Männer aus der ganzen Ostschweiz. Das Angebot ist kostenlos», sagt Men Spadin, Benevol-Öffentlichkeitsbeauftragter und zuständig für Benephone. Ausser einem Telefon oder einem Handy brauche es nur Zeit und Lust, die Anrufe zum vereinbarten Termin zu tätigen.

Nebst der Sicherheit schätzen die Teilnehmenden auch, dass sie regelmässige Gesprächspartner haben und jemand an sie denkt. Besonders in diesem Jahr der Coronakrise, wo zwischenmenschliche und persönliche Begegnungen eingeschränkt sind, seien solche Kontakte sehr wertvoll.

Benephone soll nicht nur zu Coronazeiten funktionieren

Men Spadin berichtet, dass Benevol während des Lockdowns im Frühjahr Benephone-Flyer an sämtliche Gemeinden in den Kantonen St.Gallen und Thurgau verschickt hat.

«Wir waren gerüstet für den grossen Ansturm, der allerdings ausgeblieben ist.»

Letztlich solle Benephone aber nicht nur zu Coronazeiten funktionieren, sondern langfristig. «Wir sind stetig am Wachsen, und die Rückmeldungen sind ausschliesslich positiv», sagt Spadin erfreut.

Zwischen den Mitgliedern der Ketten sei eine herzliche Verbundenheit entstanden. Die Gespräche würden sich von selbst ergeben, da alle in derselben Lebensphase sind. «Wir haben immer ein Gesprächsthema», erzählt Claire Erne und lacht.

Angebot besteht in der ganzen Ostschweiz

Benevol St.Gallen ist die Fachstelle für Freiwilligenarbeit für die Region St.Gallen und Vermittlungsplattform für die Benephone-Telefonkette. Alleinlebende Seniorinnen und Senioren aus der ganzen Ostschweiz, die Interesse an der kostenlosen Teilnahme bei einer Telefonkette haben, melden sich bei unter 071 227 07 60 oder info@benevol-sg.ch. Gemäss Men Spadin von Benevol werden aber auch Anfragen von jüngeren Menschen nicht abgelehnt. Die Kontaktpersonen von Benephone organisieren in Zusammenarbeit mit Benevol einmal monatlich einen Stammtisch als Vernetzungsanlass für die Mitglieder. Die Teilnahme ist freiwillig. Weitere Informationen sind unter www.benephone.ch zu finden. (yal)

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