St.Gallen schafft Platz fürs Trogenerbähnli: Aufhebung von 27 Parkplätzen und ein Halteverbot an der Bahnhofstrasse

Die Stadt St.Gallen kann an der Bahnhofstrasse 27 Parkplätze aufheben und ein Halteverbot verfügen. Einsprachen dagegen sind erledigt. Die Massnahme wird per 4. Januar umgesetzt. Das sei aus Sicherheitsgründen nötig, argumentiert die Stadt.

Reto Voneschen
Drucken
Teilen
Die Platzverhältnisse an der Bahnhofstrasse sind eng. Das bekommen die Appenzeller Bahnen immer wieder zu spüren, wenn nicht ganz sauber parkierte Autos ihre Züge blockieren.

Die Platzverhältnisse an der Bahnhofstrasse sind eng. Das bekommen die Appenzeller Bahnen immer wieder zu spüren, wenn nicht ganz sauber parkierte Autos ihre Züge blockieren.

Bild: Ralph Ribi
(28.12.2020)

Überraschung zum Wochenanfang: Die Stadt St.Gallen hebt aufs neue Jahr hin 27 Parkplätze entlang der Bahnhofstrasse auf. Das wurde am Montagmorgen auf Plakaten vor Ort bekanntgegeben und am Nachmittag auch noch in einer Medienmitteilung begründet.

Rechtsverfahren sind beendet

Beschlossen hat der Stadtrat die Aufhebung der oberirdischen Parkplätze an der Bahnhofstrasse schon im Oktober 2018. Dies aus Sicherheitsgründen und weil nicht korrekt parkierte Autos immer wieder dem ÖV in den Weg kommen. So melden die Appenzeller Bahnen immer wieder Verspätungen von Zügen von und nach Trogen, weil parkierte Autos die Durchfahrt behindern.

Dass es über zwei Jahre dauerte, bis die 27 Parkplätze jetzt aufgehoben werden können, hängt damit zusammen, dass gegen den Stadtratsbeschluss Einsprachen beim Kanton eingingen, die ans Verwaltungsgericht weitergezogen wurden. Diese Eingaben wurden gemäss Mitteilung der Stadt inzwischen abgewiesen, sind also erledigt.

Plätze für Warenumschlag und Taxis bleiben bestehen

Die Parkplätze an der Bahnhofstrasse zwischen Schibenertor und Einfahrt in die Rathausparkgarage werden auf 4. Januar 2021 aufgehoben. Sie sollen in rund zwei Jahren im Parkhaus UG25 kompensiert werden, das gerade gebaut wird.

Die Parkplätze direkt vor den Geschäften an der Bahnhofstrasse sind bei vielen Autofahrerinnen und Autofahrern beliebt.

Die Parkplätze direkt vor den Geschäften an der Bahnhofstrasse sind bei vielen Autofahrerinnen und Autofahrern beliebt.

Bild: Ralph Ribi
(28.12.2020)

Um zu verhindern, dass Autofahrer aus lauter Gewohnheit illegal parkieren, wird für die Bahnhofstrasse neu ein Halteverbot signalisiert. Ein Parkplatz für den Warenumschlag und drei Taxistandplätze beim Haus Bahnhofstrasse 8 bleiben bestehen. Das ist gemäss Mitteilung möglich, weil es hier genügend Platz zwischen Trottoir und Gleis hat.

Kritik ist programmiert

Die Parkplatzaufhebung an der Bahnhofstrasse dürfte, ähnlich wie seinerzeit jene auf dem Marktplatz, zu Kritik aus Gewerbekreisen und aus bürgerlichen Parteien führen. So schrieb das gewerbenahe Online-Portal «stgallen24» bereits am Montag unter dem Titel «Autobremser geben Vollgas», dass die Stadt dem durch Corona gebeutelten Detailhandel, aber auch seinen Bürgern das Leben durch die Aufhebung der Parkplätze schwermache.

Stadträtin Sonja Lüthi weist Kritik an der Aufhebung der Parkplätze an der Bahnhofstrasse zurück.

Stadträtin Sonja Lüthi weist Kritik an der Aufhebung der Parkplätze an der Bahnhofstrasse zurück.

Bild: Tobias Garcia (7.9.2020)

Stadträtin Sonja Lüthi kontert. Mit der Aufhebung der Parkplätze entlang der Bahnhofstrasse habe man nicht bis zur Eröffnung des UG25 zuwarten können. Die Verhältnisse zwischen Bahngleisen und Autoparkplätzen seien hier so eng, dass es immer wieder zu gefährlichen Situationen komme. Weiter werde die Bahn auch immer wieder durch nicht korrekt parkierte Autos behindert, so dass der Fahrplan nicht mehr eingehalten werden könne.

Aus diesen Gründen habe man sofort handeln müssen. Das sei im Verfahren zur Parkplatzaufhebung auch immer so kommuniziert worden, hält Sonja Lüthi im Gespräch fest. Wäre die Situation anders, hätte man wie bei anderen aufzuhebenden oberirdischen Parkplätzen in der Innenstadt selbstverständlich auf die Inbetriebnahme des UG25 gewartet.

Schönheitsfehler: Ein Teil der Parkfelder wurde erst kürzlich neu gemalt

Die Parkplätze an der St.Galler Bahnhofstrasse werden Anfang 2021 aufgehoben. Der Fahrplan hat einen kleinen Schönheitsfehler: Die Parkfelder in der westlichen Hälfte der Strasse wurden erst vor gut anderthalb Monaten neu gemalt. Mitte November waren Arbeiter vor den dortigen Geschäften mit Malmaschine und Pinsel am Werk.

Erst Mitte November wurden die Parkfelder im westlichen Teil der Bahnhofstrasse neu gemalt.

Erst Mitte November wurden die Parkfelder im westlichen Teil der Bahnhofstrasse neu gemalt.

Bild: Marcel Baur
(13.11.2020)

Über die Malaktion schreibt etwa der grünliberale Stadtparlamentarier Marcel Baur auf «kurzverbloggt.ch». Für ihn ist der Vorgang schlicht und ergreifend ein Schildbürgerstreich erster Güte. Wenn man so vorgehe, könne man die Linien der Parkfelder ja gleich mit Geld auskleben, schlägt er in seinem Blog dem städtischen Tiefbauamt vor.

Auch vor dem Restaurant Brauwerk sind die Platzverhältnisse mit parkierten Autos, Trogenerbähnli und anderem ÖV sehr beengt.

Auch vor dem Restaurant Brauwerk sind die Platzverhältnisse mit parkierten Autos, Trogenerbähnli und anderem ÖV sehr beengt.

Bild: Ralph Ribi
(28.12.2020)

Neu gemalt worden seien die Parkfelder an der Bahnhofstrasse im Rahmen ordentlicher Instandstellungsarbeiten, sagt Stadträtin Sonja Lüthi. Die Felder seien schlecht sichtbar gewesen. Die Zuständigen seien davon ausgegangen, dass die Parkfelder erst mit Inbetriebnahme des UG25 aufgehoben würden. Da habe, so bedauert die Vorsteherin der Direktion Soziales und Sicherheit, die interne Kommunikation offensichtlich nicht richtig gespielt.