St.Gallen
Nach der Kündigung den Gottesdienst in der Kathedrale gestört: Entlassener Seelsorger blitzt vor Kantonsgericht ab

Ein Pastoralassistent hat während Gottesdiensten in der Kathedrale St.Gallen mehrfach gegen seine Entlassung protestiert. Vor Kantonsgericht wollte er nun erwirken, dass sich die Verantwortlichen des Bistums mit ihm zusammensetzen – ohne Erfolg.

Claudia Schmid
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Der Beschuldigte hat mehrfach gegen seine Entlassung protestiert.

Der Beschuldigte hat mehrfach gegen seine Entlassung protestiert.

Bild: Michel Canonica

Dem 56-jährigen Pastoralassistenten wurde vorgeworfen, er habe mehrfach Gottesdienste gestört. Dafür wurde er vom Kreisgericht St.Gallen im Mai dieses Jahres der mehrfachen Nötigung, der mehrfachen Störung der Glaubens- und Kultusfreiheit und des mehrfachen Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen schuldig erklärt.

Er erhielt eine bedingte Geldstrafe von 120 Tagessätzen à 30 Franken und eine Busse von 300 Franken. Gegen dieses Urteil legte er Berufung ein. Nun wurde der Fall vor dem Kantonsgericht St.Gallen verhandelt.

Von der Kirchgemeinde entlassen

Der Beschuldigte wurde Mitte 2013 vom Verwaltungsrat einer St.Galler Kirchgemeinde als Pastoralassistent gewählt. Dies befristet bis Mitte 2015. Bereits im März 2014 beantragte der Kirchenverwaltungsrat beim Bischof «die Aufhebung vom Schutz der Missio», um das Arbeitsverhältnis vorzeitig zu beenden.

Die Zusammenarbeit habe sich nicht so positiv entfaltet wie erwartet, lautete die Begründung. Mit der Entlassung konnte sich der Pastoralassistent nicht abfinden. Weil er mit dem Verhalten der Kirchenführung nicht einverstanden war, begann er mit Protestaktionen.

An Weihnachten, Pfingsten und Ostern stumm protestiert

Anfang 2015 fing er an, vor allem in der Kathedrale Gottesdienste zu stören. Vorwiegend samstags und sonntags, an Weihnachten, an Pfingsten, an Ostern, an Firmungen und an weiteren kirchlichen Feiertagen stand er jeweils von seinem Banksitzplatz auf, schritt demonstrativ im Mittelgang der Kirche nach vorne Richtung Altar, postierte sich und verweilte dort während der Zeremonien. Zeitweise ging er bis in den Altarraum hinein und stellte sich direkt gegenüber der predigenden Person vor dem Rednerpult auf.

Übergesetzlichen Notstand geltend gemacht

Nachdem er die Ermahnungen des Bistums, die Störungen zu unterlassen, ignorierte, kam es zunächst zu einem Strafbefehl und später zur erstinstanzlichen Gerichtsverhandlung. Ihm wurde die Weisung erteilt, sich während der Dauer von kirchlichen Messen und Feiern nicht in der Kathedrale aufzuhalten.

An der Berufungsverhandlung am Kantonsgericht machte der Beschuldigte wie bereits bei der Vorinstanz einen «übergesetzlichen Notstand» geltend. Sein Protest sei ein Weckruf und ein Warnsignal dafür, dass im Bistum verschwiegene Probleme existierten, erklärte er. Es brauche dringend mehr Transparenz in der Personalführung.

Für seine Entlassung existiere kein Sachgrund, der «sich von menschlich normalen Schwächen und Fehlleistungen unterscheidet». Die Kündigung und das faktische Berufsverbot seien widerrechtlich erfolgt. Durch die Anrufung des sogenannten Missio-Schutzes hätte der Bischof die Kündigung durch die Kirchgemeinde zu Fall bringen können.

Ohne Aussprache keine Garantie, dass weitere Störungen ausbleiben

Er wolle vom Kantonsgericht nicht einfach nur einen Freispruch, sondern verlange «Faktensicherung». Sein Ziel sei, dass sich die Kirchenverantwortlichen mit ihm zusammensetzten, um seine berufliche Situation zu besprechen. Solange dies nicht geschehe, könne er nicht dafür garantieren, dass er seine Protestaktionen künftig unterlasse. Sein guter Ruf als Seelsorger sei in den vergangenen Jahren systematisch zerstört worden.

Der Rechtsvertreter des Bistums erklärte, die Kirchenverantwortlichen hätten schon oft das Gespräch gesucht. Unter anderem seien ihm auch Vorschläge unterbreitet worden, wie er in einem anderen Beruf Fuss fassen könnte. Er habe sämtliche Angebote abgelehnt. Der Beschuldigte habe schon mehrfach das Bundesgericht bemüht, akzeptiere aber keinerlei gerichtlichen Entscheide, sondern zeige sich weiterhin uneinsichtig.

Urteil der Vorinstanz bestätigt

Das Kantonsgericht ging auf die Begehren des Beschuldigten nicht ein und bestätigte das vorinstanzliche Urteil in den wesentlichsten Punkten. Der Beschuldigte muss rund 5000 Franken an die Kosten der Untersuchungs- und Gerichtsverfahren sowie der Rechtsvertretung der Gegenpartei bezahlen.