St.Gallen
«Mit Corona macht es keinen Spass mehr»: Monti Bar schliesst wegen der Pandemie früher als geplant

In der legendären Monti Bar hinter dem St.Galler Bahnhof werden im nächsten März die Lichter gelöscht. Die Barkeeperin und Inhaberin Edith Rigamonti geht nach 36 Jahren in Pension, aufgrund der Pandemie etwas früher als ursprünglich geplant.

Sarah Lippuner/FM1Today
Drucken
Teilen
Lichter löschen in der Monti Bar.

Lichter löschen in der Monti Bar.

Bild: Hannes Thalmann

Sie ist wohl eine der unscheinbarsten Rekordhalterinnen: die kultige Monti Bar hinter dem St.Galler Bahnhof, welche es 1996 mit ihrer Cocktailkarte mit über 1000 Drinks ins Guinness-Buch der Rekorde schaffte. Am 1. Juli 1985 eröffnete die American Bar, im kommenden März wird sie sie für immer schliessen. «Ich hätte sowieso in ein bis zwei Jahren aufgehört, aber jetzt mit Corona macht es keinen Spass mehr», sagt die Barkeeperin und Inhaberin Edith Rigamonti gegenüber FM1Today. Am letzten Märzwochenende 2022 wird sie die letzten Cocktails mixen und mit 64 Jahren in Pension gehen.

Wer in den letzten 36 Jahren gerne in der Monti Bar ein- und ausging, weiss, dass sich hinter dem Eingang mit dem runden Vordach eine Oase wie aus vergangener Zeit befindet. Den Eintritt in die schummrige, kleine Bar mit roten Sitzpolstern und Barhockern gibt einem stets das Gefühl einer Zeitreise, welche mit Musik aus den 60er- oder 70er-Jahren untermalt wird.

Bis man sich für einen Cocktail aus der glitzernden Karte entschieden hat, vergeht gerne mal eine halbe Stunde, aber das Warten lohnt sich auf jeden Fall. Sobald Edith Rigamonti die grossen Gläser, garniert mit üppigem Fruchtbouquet, serviert, muss viel Platz auf dem kleinen Tischchen (und im Bauch) gemacht werden. Und wer nach dem Verspeisen der Früchte immer noch hungrig ist, kann jederzeit einen Schicken-Käse-Toast oder ein Pizzabaguette bestellen.

Programm mit Rezepten hält seit 1991

Obschon sie mit ihren Cocktails Rekordhalterin ist, hat Edith Rigamonti nie ein Geheimnis aus ihren Rezepten gemacht. Die genaue Zusammensetzung des Drinks steht auf dem Kassenbon. «Das ist auch gleichzeitig mein Rezept, ich kann nur die beliebtesten Drinks auswendig mixen», sagt Rigamonti.

«Mein Mann hat das Programm, in dem alle Rezepte stehen, im Jahr 1991 selbst geschrieben, ich bin froh, dass das bis heute hält.»

Ihr Mann, Nano Rigamonti, war es auch, der die Bar damals eröffnete. Da er jedoch nur wenige Jahre später nach einem Unfall verstarb, übernahm Edith Rigamonti den Platz hinter der Bar.

Wer das Rezept seines Lieblingsdrinks gerne haben möchte, hat noch bis Ende März Zeit dazu. Und für jene, die den Kult der Monti Bar nach Hause nehmen möchten, wird es Anfang April einen grossen Ausverkauf geben. Von Getränkekarten, Gläsern und Sitzecken, Edith Rigamonti bietet alles zum Verkauf an. Trotz Originalgläsern und Rezepten ist dennoch zu bezweifeln, dass die Cocktails zu Hause gleich gut schmecken, wie wenn sie in der wunderbaren Monti Bar gemixt werden.

Aktuelle Nachrichten