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So viele leere Wohnungen in der Stadt St.Gallen wie seit 20 Jahren nicht mehr

In der Stadt St.Gallen stehen so viele Wohnungen leer wie letztmals 1998. Kein Problem, meint der Stadtpräsident. Handeln will er trotzdem.
Sandro Büchler
Der prozentuale Anteil leer stehender Wohnungen am Gesamtwohnungsbestand liegt in der Stadt St.Gallen bei 2,5 Prozent. Im ganzen Kanton ist der Anteil bei 2,2 Prozent, schweizweit bei 1,7 Prozent. (Bild: KEYSTONE/Martin Ruetschi)

Der prozentuale Anteil leer stehender Wohnungen am Gesamtwohnungsbestand liegt in der Stadt St.Gallen bei 2,5 Prozent. Im ganzen Kanton ist der Anteil bei 2,2 Prozent, schweizweit bei 1,7 Prozent. (Bild: KEYSTONE/Martin Ruetschi)

1067 Wohnungen stehen in der Stadt St.Gallen leer. Von insgesamt 43309 Wohnungen auf Stadtgebiet warten also 2,5 Prozent auf einen Mieter oder eine Mieterin. Die neuste Leerwohnungszählung des Bundesamts für Statistik zeigt, dass in St.Gallen am Stichtag 1. Juni 2019 wieder mehr Wohnungen leer standen als im Vorjahr. Mehr noch: In der Stadt stehen so viele Wohnungen leer wie letztmals im Jahr 1998 (siehe Grafik). Zuvor, in den 1980er- bis in die 1990er-Jahre hinein, hatte in der Stadt Wohnungsnot geherrscht.

Auf dem St.Galler Wohnungsmarkt werden also verhältnismässig viele Wohnungen angeboten. Mehr als im gesamten Kanton St.Gallen (2,2 Prozent) und auch mehr als im schweizweiten Durchschnitt (1,7 Prozent). «Auch im Vergleich zu den grössten Schweizer Städten ist die Leerwohnungsziffer in St.Gallen hoch», sagt Robert Weinert vom Beratungsbüro Wüest Partner. In Biel beispielsweise liegen die Leerstände bei 2,26 Prozent, in Luzern bei 1,29 Prozent und in Winterthur bei 0,75 Prozent. Nur in Lugano (2,66 Prozent) stehen prozentual noch mehr Wohnungen leer als in St.Gallen.

Appell an die Hauseigentümer

Weinert beurteilt die Lage in St.Gallen jedoch nicht als dramatisch. «Die Stadt hatte schon immer einen höheren Leerwohnungsbestand.» Grund dafür sei das verhältnismässig schwache Bevölkerungswachstum in St.Gallen. Gleichzeitig aber sei wie in der gesamten Schweiz auch in St.Gallen rege gebaut worden. «Deshalb stehen relativ viele Objekte leer.»

Robert Weiner, Immobilienexperte beim Beratungsbüro Wüest Partner (Bild: PD)

Robert Weiner, Immobilienexperte beim Beratungsbüro Wüest Partner (Bild: PD)

Aus Sicht der Mieterinnen und Mieter sei dies eine gute Konstellation. «So dauert es in der Regel nicht lang, bis eine passende Wohnung gefunden ist.» Wer in St.Gallen eine Familie gründe, sei im Vorteil, denn die Auswahl an Wohnungen sei besser als andernorts. Weinert nennt aber noch weitere Gründe für die hohe Leerwohnungsziffer in St.Gallen. Denn zum einen wurde in den beiden Gemeinden Gaiserwald und Wittenbach viel gebaut.

«Dort entsteht viel neuer Wohnraum, der meist gut an den öffentlichen Verkehr angebunden ist.» Die Agglomeration konkurrenziere folglich direkt mit dem städtischen Wohnangebot.

Zum anderen aber stünden in St.Gallen laut dem Immobilienexperten Wohnungen aus «qualitativen Gründen» leer. Will heissen: Sie sind alt. Dies ist auch dem St.Galler Stadtpräsidenten Thomas Scheitlin nicht entgangen.

«Rund 40 Prozent der Altbauwohnungen wurden vor 1945 gebaut.»

Frisch renovierte Altbauwohnungen fänden nach wie vor guten Absatz. Vermieter, die nicht sanieren würden, fänden auch keine Mieter, sagt Scheitlin. Er appelliert deshalb an die Hauseigentümer, die Wohnungen fit zu machen. «Wenn investiert wird und der Charme einer Wohnung intakt bleibt, kann das sehr attraktiv werden.» Dies sei eine Chance für die Stadt.

Den Wink mit dem Zaunpfahl erwidert Ivo Hangartner von der HEV Verwaltungs AG. Eigentümer, die viele leere Wohnungen in ihren Reihen haben, müssten sich fragen, warum. «Sind sie zu teuer oder entsprechen sie nicht mehr den heutigen Wohnbedürfnissen.» Einerseits brauche St.Gallen Neubauten, sagt der Stadtpräsident. Andererseits sollten Altbauten, auch geschützte, bedürfnisgerecht saniert werden.

«Wir sind kein Museum.»

Stadtpräsident Thomas Scheitlin, Direktion Inneres und Finanzen (Bild: PD)

Stadtpräsident Thomas Scheitlin, Direktion Inneres und Finanzen (Bild: PD)

Den hohen Leerwohnungsstand in St.Gallen deutet Scheitlin als Vorteil. Eine gewisse Anzahl leerer Wohnungen sei wichtig, damit die Mieten tief bleiben, sagte er schon 2017. «Diese Aussage stimmt noch immer.» Dadurch spiele der Markt und jedermann finde in St.Gallen eine gute Wohnung zu einem guten Preis. «Nicht wie in anderen Städten, wo hundert Personen für eine 2,5-Zimmer-Wohnung anstehen.»

Kein Paradies für Mieter

Einen gewissen Leerstand findet auch Hangartner sinnvoll. Das belebe den Markt und führe zu Investitionen, die nach den Bedürfnissen der Mieter ausgerichtet werden, sagt Hangartner.

Ein grosses Angebot und verhältnismässig tiefe Mieten: Paradiesische Verhältnisse also für St.Galler Mieterinnen und Mieter? Dem widerspricht Thomas Schwager vom Ostschweizer Mieterverband. «Gutverdiener profitieren davon, aber bei einer alleinerziehenden Mutter ist die Ausgangslage völlig anders.» Er kennt Fälle von Mietern, die für eine bezahlbare Wohnung bis nach St.Margrethen gehen mussten. Es werde auf Vorrat gebaut, aber die Mieten sänken dadurch nicht.

Für den Stadtrat sind die Zahlen Anlass, die Wohnattraktivität genauer unter die Lupe nehmen. Er hat vor einem Jahr eine Wohnraumstrategie auf den Weg geschickt. Sie soll aufzeigen, welcher Wohnraum in Zukunft in der Stadt gefragt ist. «Das ist ein wesentlicher Schritt», sagt Scheitlin. Denn die Zahl der leeren Wohnungen soll nicht weiter steigen.

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