St.Gallen
Kirchen feiern Weihnachten trotz der Coronamassnahmen und organisieren eine ganze Liste an Aktivitäten

Weihnachten fällt dieses Jahr nicht aus, kann aber nicht gefeiert werden wie gewohnt. Das trifft auch die katholischen Kirchen in der Stadt St.Gallen. Im Rahmen einer nationalen Kampagne haben sie nun eine ganze Liste an Aktivitäten organisiert: vom Krimidinner bis zum interaktiven Krippenweg.

Marlen Hämmerli
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Ein Banner, das unter anderem an der Kathedrale hängt, macht auf die Kampagne der Kirchen aufmerksam.

Ein Banner, das unter anderem an der Kathedrale hängt, macht auf die Kampagne der Kirchen aufmerksam.

Bild: PD

Weihnachten dieses Jahr wird anders. Gefeiert wird auf Distanz statt nah zusammen, zu zweit statt zu zwanzigst, still statt laut. Ist das überhaupt noch ein Weihnachtsfest, kann man sich fragen. Ohne Familientreffen, ohne Geselligkeit, ohne Nähe? Die Kirchen in der Stadt verkünden derzeit jedenfalls: «Trotzdem Licht – Weihnachten findet statt.» So steht es auf Bannern, die an allen katholischen und an einigen evangelischen Kirchen in St.Gallen, Abtwil und Engelburg hängen. Und sie sind mit ihrer Botschaft nicht alleine.

«Trotzdem Licht» ist eine nationale Kampagne. Die Idee entstand an einer Tagung dazu, was das Coronavirus für die Kirche und Weihnachten bedeutet. Derzeit werden online und über die ganze Schweiz verstreut Anlässe und Projekte durchgeführt, mit dem Ziel, Weihnachten zu feiern, trotz Corona.

Roman Rieger, Leiter der pastoralen Arbeitsstelle und der Cityseelsorge St.Gallen, war an der Tagung dabei. Er sagt: «Das Licht soll stärker sein als die Dunkelheit. Die Botschaft von Weihnachten verspricht gerade in dieser schwierigen Zeit Hoffnung und Kraft, wie sie auch Maria und Josef damals in ihrer schwierigen Situation erlebt haben.»

Roman Rieger, Leiter der pastoralen Arbeitsstelle und der Cityseelsorge St.Gallen.

Roman Rieger, Leiter der pastoralen Arbeitsstelle und der Cityseelsorge St.Gallen.

Bild: Michel Canonica

Weihnachten selber gestalten und feiern oder an Aktivitäten teilnehmen

In St.Gallen haben sich die Pfarreien, die Jugendarbeit, der katholische Sozialdienst und die Cityseelsorge gemeinsam überlegt, wie sie diese spezielle Weihnachtszeit gestalten könnten. Das Resultat ist eine lange Liste mit ganz unterschiedlichen Aktivitäten. Sie ist hier abrufbar. Darunter gibt es einerseits Anregungen, wie man selber Weihnachten feiern und gestalten kann. Andererseits gibt es Aktivitäten in Gemeinschaft und mit Begegnungen, digital oder analog. Sie sind alle trotz der aktuellsten Coronamassnahmen möglich.

In manchen Haushalten liegt zum Beispiel bereits ein Flyer, der zum «#Balkonsingen» lädt. Die Idee: Familien und Einzelpersonen, Jung und Alt öffnen am 23., 24. und 25. Dezember, jeweils um 20 Uhr, die Fenster, treten auf den Balkon oder den Sitzplatz – und singen. Online kann man sich dazu ein Liederblatt herunterladen und zum Üben die Weihnachtslieder anhören. «Wir hoffen, dass sich die Quartiere selbst organisieren», sagt Rieger. «Dass man zum Beispiel dem Nachbarn ein Liederblatt ausdruckt und in den Briefkasten wirft.»

Seelsorgerinnen und Seelsorger haben zudem Rituale für Familien zusammengestellt. Wer raus möchte an die frische Winterluft, kann sich auf die St.Galler Krippenwege begeben. «Für Kinder ist es eine interaktive Schnitzeljagd, für Erwachsene ein musikalisch-besinnlicher Spaziergang», sagt Rieger. Es gibt vier Routen, die von Kirche zu Kirche führen und bei denen man jeweils vier Krippen besucht. Um die Schnitzeljagd zu starten, muss man die App Actionbound laden und damit online den QR-Code der gewünschten Route scannen.

Ein Krimidinner vor dem Bildschirm

Zu den Anlässen, die die Kirche veranstaltet, zählt etwa das Krimidinner. Bei solchen Abendessen trifft man sich normalerweise physisch. Jemandem wird die Rolle des Mörders zugewiesen und die Teilnehmer lösen gemeinsam den Fall. In dieser Version treffen sich die Teilnehmer am 28. Dezember um 18 Uhr online, und jeder kocht für sich.

Vom 19. bis 24. Dezember werden in der Stadt sogenannte Friedenslichter verteilt. Das ursprüngliche Licht wird in Bethlehem entzündet und dann in über 30 Länder gebracht. Das Licht soll Wärme und Zuversicht verbreiten, Freude und Herzlichkeit schenken. Eine Übersicht, wo die Friedenslichter verteilt werden, gibt es unter online unter dem Punkt «Friendenslicht abholen».

Weihnachtsgottesdienste finden statt

Und was ist mit den klassischen Weihnachtsgottesdiensten? Diese finden statt, als Livestream im Internet und physisch in den Kirchen. Jedoch gilt aktuell die Regel, dass pro Gottesdienst höchstens 50 Personen mitfeiern dürfen. Deshalb muss man sich aktuell online für die Gottesdienste anmelden. Laut Roman Rieger sind manche Gottesdienste bereits nach zwei, drei Stunden ausgebucht. Er sagt:

«Teilweise ist es wie am Open Air.»

Für Gottesdienste am 24. Dezember hat es derzeit aber noch freie Plätze.

Laut Rieger besuchen in der Regel rund 10'000 Personen an Heiligabend und am Weihnachtstag einen Gottesdienst in St.Gallen. Aufgrund der Coronamassnahmen des Bundes werden dieses Jahr laut Rieger über 8000 Personen auf das Mitfeiern in der Kirche verzichten müssen. «Besucherinnen und Besucher abzuweisen fällt uns schwer. Das war auch ein Grund, warum wir nun die ‹Trotzdem Licht›-Aktivitäten organisiert haben.»