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St.Gallen im süssen Nebel: Shisha-Bars boomen in der Stadt – Experte warnt vor Gefahren

In St.Gallen eröffnet seit einigen Jahren eine Shisha-Bar nach der anderen. Nicht nur bei jungen Erwachsenen kommt der fruchtige Tabak aus der Wasserpfeife an. Das Genussmittel ist auch in gehobeneren Lokalen en vogue.
Seraina Hess
Der 24-jährige Armin Adrovic hat vor eineinhalb Jahren die Shisha-Bar Dreams eröffnet. (Bild: Hanspeter Schiess)

Der 24-jährige Armin Adrovic hat vor eineinhalb Jahren die Shisha-Bar Dreams eröffnet. (Bild: Hanspeter Schiess)

Wie ein Schaufenster ragt das Fumoir der Bar an der Linsebühlstrasse 10 auf das Trottoir. Auf 22 Quadratmetern sitzen die jungen Frauen und Männer schon am frühen Abend dicht an dicht auf den Sitzpolstern. Das Licht ist schummrig, gedämpft durch die Rauchschwaden, die den Raum in einen permanenten Nebel hüllen und süsslich parfümieren. Wie jeden Abend sitzt auch Joshua im Lokal, vor sich eine Shisha, die er mit niemandem teilt, den Kopf der Wasserpfeife gefüllt mit seinem mentholigen Lieblingstabak Swiss Bonbon. Im «Dreams», so heisst sein Stammlokal, neben Apfel und Traube der Renner unter den Gästen. Joshua ist 22, trainiert fünf- bis sechsmal die Woche im Fitnessstudio und trinkt drei bis viermal pro Jahr Alkohol. Er raucht keine Zigaretten, dafür jeden Tag eine Shisha.

Teurer Tabak wegen hoher Steuer

Das «Dreams» lebt von Stammgästen wie Joshua, die einerseits die Sucht, andererseits die Atmosphäre ins Lokal treibt. Spontan kehrt hier fast niemand ein, die Gäste kennen sich, der Umgang ist familiär. Und das sei gut so, sagt Wirt Armin Adrovic. Der 24-jährige ehemalige Bauarbeiter hat das Lokal im Linsebühl vor eineinhalb Jahren eröffnet, obwohl es in der Stadt schon damals ein grosses Angebot an entsprechenden Bars gab; inzwischen sogar in ländlichen Gebieten. Adrovic, der selbst über ein Jahrzehnt täglich mehrmals Shisha raucht, bemängelte schon lange die Tabakqualität, die vielerorts angeboten wurde. Während das Geschäft für Shisha-Bar-Betreiber vor der Tabaksteuererhöhung 2015 besonders lukrativ gewesen sei und ein Kilogramm Tabak im Einkauf zwischen 20 und 50 Franken kostete, liege der Preis heute bei etwa 130 Franken.

«Auf dem Schwarzmarkt boomt deshalb günstiger Tabak, der einen höheren Anteil des gesundheitsschädlichen Glycerins enthält, als erlaubt.»

Adrovic kritisiert diesen Umstand. Hinter seiner Bar lagert er Dutzende Tabak-Boxen; auf legalem Weg erworben, wie er betont, obschon entsprechende Verkäufer immer wieder versuchen würden, ihre Ware abzusetzen.

Es sind vor allem Nichtraucher, die sich hin und wieder eine Shisha gönnen - auch in der Shisha-Bar "Dreams" im Linsebühl. (Bilder: Hanspeter Schiess)
In einem Ofen, der bis zu 1200 Grad heiss wird, erhitzt Geschäftsführer Armin Adrovic die Kohlestückchen für die Wasserpfeifen. (Bilder: Hanspeter Schiess)
Diese werden schliesslich auf einen regulierbaren Rost auf den Kopf der Wasserpfeife gelegt, damit der darunterliegende Tabak verschwelt. (Bilder: Hanspeter Schiess)
Adrovics Tabak stammt aus der Schweiz - er führt Dutzende Sorten. (Bilder: Hanspeter Schiess)
Geraucht wird nur im Fumoir, das orientalisches Flair versprüht. (Bilder: Hanspeter Schiess)
Fruchtiger Tabak kommt gut an, zum Beispiel Apfel und Traube. (Bilder: Hanspeter Schiess)
Die Schläuche, die zum Mundstück führen, werden hier befestigt. (Bilder: Hanspeter Schiess)
"Das Aggressionspotenzial in Shisha-Bars ist sehr viel tiefer als in irgendeinem Club." Das sagt ein "Dreams"-Stammgast. (Bilder: Hanspeter Schiess)
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Im süssen Nebel

Die Erhöhung der Tabaksteuern hält Neo-Gastronomen nicht davon ab, in der Stadt weitere Shisha-Lounges zu eröffnen. In den letzten zwei Jahren haben Lokale dieser Art deutlich zugenommen, sagt Dionys Widmer, Mediensprecher der Stadtpolizei. Auf exakte Angaben kann die Polizei allerdings nicht zurückgreifen. Um Wasserpfeifen anzubieten, bedarf es keiner speziellen Bewilligung – lediglich ein baurechtlich bewilligtes Fumoir mit Lüftung, wie es auch fürs Zigaretten- und Zigarrenrauchen nötig ist. Widmer schätzt dennoch: «Bis vor zehn Jahren gab es etwa drei Lokale in St. Gallen, jetzt sind es um die zehn.» Google Maps kommt auf ein ähnliches Ergebnis, einige Shisha-Bar-Betreiber sprechen sogar von bis zu 15 Lounges auf städtischem Boden. Demnächst eröffnet in der ehemaligen «Box» an der Brühlgasse ein weiteres Lokal, in dem Wasserpfeife geraucht werden kann.

Manche Wirte spüren die Konkurrenz

Neben dem «Alhambra» war die «Pasha»-Bar an der Glockengasse eine der ersten mit den kohlebetriebenen Pfeifen im Angebot. 2006 eröffnete der Familienbetrieb, damals ohne Fumoir. Heute nimmt ein Glaskasten mehr als die Hälfte des Raumes in Beschlag – hierhin kommt nur, wer raucht, Alkohol wird nicht übermässig konsumiert.«Unser Geschäft lief in den Anfängen sicher besser. Auch, weil das Fumoir noch nicht Pflicht war», sagt Wirt Kaveh Rashidi, und ergänzt:

«Die wachsende Konkurrenz ist spürbar. An jeder Ecke der Stadt versucht sich jemand in diesem Business.»

Das trifft zwar zu, doch die entsprechenden Gastro-Betriebe in der Stadt unterscheiden sich dennoch stark voneinander. Zumindest, was ihre Zielgruppe angeht.

Armin Adrovic führt nicht nur die Bar im Linsebühl. Er hat sich vor kurzem am Shisha-Angebot im «Neugässli» beteiligt. Mit einem völlig anderen Konzept als im «Dreams», wo sich vorwiegend junge Erwachsene zwischen 20 und 30 ungezwungen treffen, als wäre es ihre Stube. «Das Ambiente an der Neugasse ist edel: Dort rauchen auch Banker und Anwälte eine Shisha.» Die Wasserpfeife sei in der Stadt angekommen, sagt Adrovic. In jeder Altersgruppe und in jeder sozialen Schicht.

Wie 100 Zigaretten aufs Mal

Auf den Tag genau vor einem Jahr ist eine 17-Jährige in die nationalen Schlagzeilen geraten. Die junge Frau verbrachte einen Abend in einer Shisha-Bar in Rorschach – und musste nach einem Zusammenbruch vom Rettungsdienst ins Spital gebracht werden. Grund dafür war eine erhöhte Konzentration des ­farb-, geschmack- und geruchlosen Gases Kohlenmonoxid in der Bar. Dem sogenannten «stillen Tod» durch die blockierte Sauerstoffaufnahme ist die Jugendliche zwar entkommen; dieser hätte bei einer Vergiftung aber durchaus eintreten können. Fälle wie der oben geschilderte sind zwar selten – gemäss Tox Info Suisse konnte letztes Jahr von sechs gemeldeten Kohlenmonoxid-Vergiftungen im Kanton St. Gallen gerade einmal eine auf das Shisha-Rauchen zurückgeführt werden. Die Fachstellen warnen dennoch vor der Wasserpfeife.

«Der Wasserfilter ist ein Irrglaube»

Vor allem, weil sich die aus dem Orient stammende Shisha inzwischen auch in der Schweiz etabliert hat, sagt Maurus Pfister, Präsident der Lungenliga St. Gallen-Appenzell. «Hübsche Lokale mit gedimmtem Licht, gemütlichen Polstern und Musik, gepaart mit dem süsslich-fruchtigen Duft des Tabaks: All das verharmlost diese Einstiegsdroge.» Vor allem Jugendliche liessen sich täuschen. Ein verbreiteter Irrglaube sei, das Wasser in der Pfeife befreie den Rauch von Schadstoffen. «Das stimmt nicht», sagt Pfister. Neben den von anderen Rauchwaren bekannten Schadstoffen enthält der Wasserpfeifen-Tabak zusätzlich Feuchthaltemittel und dementsprechend einen hohen Glyzerinanteil. Pfisters Zahlenbeispiel gibt weiter Aufschluss: In einer Shisha-Session von etwa 60 Minuten zieht jede teilnehmende Person etwa 100-mal an der Shisha. Pro Zug würden gut 500 Milliliter Rauch inhaliert – eine beträchtliche Menge verglichen mit einer Zigarette, an der man etwa zwölfmal zieht und dabei jeweils 50 Milliliter Rauch inhaliert. Dennoch stellt sich die Frage, ob es sich bei einem kontrollierten Konsum um ein ernst zu nehmendes Risiko oder um blosse Angstmacherei handelt. Immerhin wird in der Regel nur zu besonderen Gelegenheiten geraucht – keineswegs so häufig, wie es bei Zigaretten der Fall ist. «Diese Annahme trägt zur Verharmlosung bei», sagt Maurus Pfister. Rauche eine Person in einem Vierergrüppchen eine Shisha, entspreche das ungefähr dem Rauchvolumen von 100 Zigaretten.

Wenn Kinder Eltern hinters Licht führen

«Selbst wenn nur einmal pro Woche Wasserpfeife geraucht wird, hat das erhebliche Auswirkungen», sagt der Lungenspezialist. Der im Urin feststellbare Cotiningehalt, der als Masseinheit zum Nachweis von Tabakkonsum dient, sei bei einer Wasserpfeife pro Tag bereits so hoch wie bei einem Raucher, der sich täglich zehn Zigaretten anzündet.
Zwar weise die Lungenliga in ihren Workshops an Schulen auf die Risiken hin – «die Aufklärung über den Wasserpfeifenkonsum könnte aber besser sein», sagt Pfister. Auch die St. Galler Stiftung Suchthilfe legt kein besonderes Augenmerk auf die Shisha-Prävention. «Das Thema ist zu wenig akut», sagt Leiter Jürg Niggli. Allerdings würden sich immer öfter besorgte Eltern melden. «Dann geben wir natürlich Auskunft. Jugendliche führen die Eltern oft in die Irre und verschweigen, dass auch das Rauchen von Shisha-Tabak schadet.» (seh)

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