st.Gallen
Gaspreis sinkt auch dank Corona – im Zuge der Energiewende erwarten die Stadtwerke aber höhere Preise im Winter

Die St.Galler Stadtwerke senken auf das kommende Jahr hin die Gaspreise im Schnitt um sieben Prozent. Sie können damit Einsparungen bei der Beschaffung an die Verbraucher weitergeben. Weil einheimisches Biogas aber eine immer grössere Rolle spielen soll, dürften die Preise mittelfristig steigen.

Johannes Wey-Eberle
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In der Stadt St.Gallen ist Gas der am weitesten verbreitete Energieträger fürs Heizen. 42 Prozent der Gebäude werden mit Gas beheizt.

In der Stadt St.Gallen ist Gas der am weitesten verbreitete Energieträger fürs Heizen. 42 Prozent der Gebäude werden mit Gas beheizt.

Ralph Ribi

Bei der letzten Preisanpassung sind die Tarife für die Gaskundinnen und Gaskunden der St.Galler Stadtwerke (SGSW) im Durchschnitt gestiegen. Das lag daran, dass der Anteil von Biogas erhöht worden ist – ein Schritt zur Erreichung der Energieziele 2050, die den Umstieg von Erdgas auf erneuerbare Quellen vorsehen.

Preis für Standardgas fällt unter Stand von 2018

Die Preiserhöhung machte beim Standardprodukt 0.5 Rappen aus. Die Preissenkung, die auf 2021 für alle Produkte und Mengenstufen bevorsteht, macht dies wieder wett: Die SGSW senken den Gaspreis um 0.7 Rappen oder um durchschnittlich sieben Prozent. Dazu sagt Peter Graf, Bereichsleiter Energie, Verkauf und Marketing:

Peter Graf, Bereichsleiter Energie, Verkauf und Marketing Stadtwerke St.Gallen.

Peter Graf, Bereichsleiter Energie, Verkauf und Marketing Stadtwerke St.Gallen.

PD
«Wir haben tiefere Kosten in der Beschaffung, die wir an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergeben können.»

Tiefere Nachfrage aus der Industrie

Laut Graf ist es wahrscheinlich, dass die tieferen Kosten mit der Coronapandemie zusammenhängen. Die europäischen Gaspreise, die für die Beschaffung massgeblich sind, hängen vom Wirtschaftsgang ab, der im Zuge der Pandemie gebremst wurde.

In der Stadt St.Gallen ist Gas der am weitesten verbreitete Energieträger fürs Heizen. 42 Prozent der Gebäude werden mit Gas beheizt, 35 mit Öl. Der Rest entfällt auf Fernwärme, Wärmepumpen, Elektrizität und Holz.

Biogasanteil soll weiter steigen

Der Anteil von Biogas beträgt seit dem vergangenen Jahr selbst im günstigsten Produkt fünf Prozent. Im Standardprodukt wurde der Anteil von fünf auf 20 Prozent vervierfacht. Zudem wurde ein neues Produkt eingeführt, dass sich je hälftig aus erneuerbarem und fossilem Gas zusammensetzt. Schon länger konnten Kundinnen und Kunden auch ausschliesslich Biogas beziehen.

Mit diesen Änderungen ist der Anteil von Biogas bei den Tarifkunden von 13 auf 65 Gigawattstunden oder 13 Prozent gestiegen. Auf das kommende Jahr hin wird der Biogasanteil laut Graf aber nicht erhöht:

«Wir wollen zuerst den Anteil von inländischem Gas an der aktuellen Biogasmenge erhöhen. Die Produktion muss im Zuge der gesteigerten Nachfrage zulegen.»

Ein Drittel soll aus der Schweiz kommen

Bis 2019 sei ein Drittel des Biogases aus einheimischer Produktion gekommen, beispielsweise vom Axpo-Kompogas-Werk in Uzwil, wo das organische Material aus der St.Galler Grüngutabfuhr vergärt wird. Das entspreche auch dem mittelfristigen Ziel. Weil die Menge des verkauften Biogases vergangenes Jahr sprunghaft gesteigert wurde, ist der Anteil aus der Schweiz auf einen Zehntel geschrumpft.

Die Kompogas Uzwil AG.

Die Kompogas Uzwil AG.

Sam Thomas (16. April 2008)

Graf legt Wert auf die Feststellung, dass das importierte Biogas den Grundsätzen der Schweizer Gasindustrie entspricht. Das heisst unter anderem, dass nicht Energiepflanzen eigens für die Vergärung zu Biogas angebaut, sondern Rest- und Abfallstoffe verwendet werden.

Einheimische Produktion soll steigen, Verbrauch sinken

Graf nennt Studien, wonach in der Schweiz das Potenzial besteht, bis 2050 jährlich vier Terawattstunden Biogas zu produzieren, das diesen Grundsätzen entspricht. Weitere fünf Terawattstunden könnten synthetische Gase ausmachen. Dafür wird Strom – beispielsweise überschüssige Solarenergie in den Mittagsstunden – erst zu Wasserstoff umgewandelt und je nach Verwendung in einem zweiten Schritt methanisiert.

Heute beträgt der gesamte jährliche Gasverbrauch der Schweiz laut Graf rund 33 Terawattstunden. Die Energiestrategie des Bundes geht aber davon aus, dass dieser Verbrauch bis 2050 um mindestens 40 Prozent sinkt – womit in der Theorie knapp die Hälfte des schweizerischen Gasbedarfs aus inländischem erneuerbarem Gas gedeckt werden könnte.

Preis steigt, vor allem im Winter

Wenn der Anteil an Biogas, insbesondere aus Schweizer Produktion, künftig erhöht wird, steigt dadurch zwangsläufig auch der Preis. Graf geht allerdings davon aus, dass der Energieträger Gas gegenüber Strom dadurch nicht ins Hintertreffen gerät: «Mittelfristig werden europaweit Kern- und Kohlekraftwerke wegfallen. Dadurch fehlt im Winter Bandenergie, die anderweitig zur Verfügung gestellt werden muss.» Dadurch werde im Winter auch der Strom teurer.

Strompreis bleibt gleich

Die Strompreise der St.Galler Stadtwerke bleiben 2021 in allen Kundensegmenten und Produkten gleich. Laut Peter Graf, Bereichsleiter Energie, Verkauf und Marketing, werden die Tarife nach einem schweizweit gültigen Schlüssel berechnet, der es erlaubt, kleinere Schwankungen auszugleichen. Sollten die wirtschaftlichen Folgen der Coronapandemie auf den Strompreis drücken, werde sich das für Verbraucherinnen und Verbraucher in der Stadt erst auf 2022 bemerkbar machen. (jw)