Gänse müssen den St.Galler Moosweier verlassen

Der Einwohnerverein Bruggen hat den Moosweier der Stadt geschenkt. Diese will den Weiher naturnah belassen. Wildvögel sind willkommen, für die heute auf dem Areal lebenden Gänse ist kein Platz mehr.

Roger Berhalter
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Neugierige Vögel: Der Einwohnerverein Bruggen sucht für die Gänse am Moosweier ein neues Plätzchen. (Bild: Sabrina Stübi, 5. Dezember 2017)

Neugierige Vögel: Der Einwohnerverein Bruggen sucht für die Gänse am Moosweier ein neues Plätzchen. (Bild: Sabrina Stübi, 5. Dezember 2017)

Viel scheint sich am Moosweier bisher nicht verändert zu haben. Die Gänse jedenfalls begrüssen die Spaziergänger so lautstark wie eh und je. Doch im Hintergrund hat sich einiges getan. Anfang Jahr hat das Gewässer den Eigentümer gewechselt: Der Einwohnerverein Bruggen (EVB) hat den Weiher der Stadt geschenkt.

Dem Quartierverein über den Kopf gewachsen

Dieser Schritt hatte sich schon länger abgezeichnet. Der Weiher an der Ecke Fürstenland- und Haggen­strasse war mit ehrenamtlichem Engagement allein kaum mehr zu bewirtschaften. Es sei unmöglich, genügend Leute zu finden, die ihre Freizeit für den Weiher opferten, sagte der damalige EVB-Präsident Raphael Frick an der letztjährigen Hauptversammlung. Zudem wuchsen die Kosten für Strom, Wasser und Unterhalt dem Verein über den Kopf. Daher beschlossen die EVB-Mitglieder an der vergangenen Hauptversammlung ohne Diskussion, den Weiher der Stadt zu übergeben.

Rückbau ist nicht Aufgabe der Stadt

Noch hat sich der Einwohnerverein aber nicht zurückgezogen.  Marcel Stadler vom EVB-Vorstand und weitere Quartierbewohner schauen nach wie vor zum Rechten und kümmern sich um die Gänse auf dem Areal. «Wir hoffen, bis Frühling alle Arbeiten erledigt zu haben», sagt Stadler. Er meint damit vor allem den Abbruch der Holzhütte für die Gänse und der künstlichen Insel. Der Einwohnerverein hat sich vertraglich verpflichtet, diese Arbeiten zu übernehmen.

Künftig soll der Weiher möglichst naturnah belassen werden und natürlich vorkommenden Wildtieren Platz bieten. Für die Gänse am Moosweier fehlt die fachliche Betreuung. «Wir sind noch auf der Suche nach Abnehmern», sagt Marcel Stadler vom Einwohnerverein. 

Marcel Spielmann von der Abteilung Wasserbau im städtischen Tiefbauamt sagt:

«Die Stadt wird keine Futterplätze bereitstellen können.»

Einen städtischen «Entenwart» gebe es nicht, die wild lebenden Tiere am Moosweier sollen ganz ohne Betreuung auskommen. «Dies ist nur schon wegen der Wasserqualität wünschenswert», sagt Spielmann. Wenn sich zu viele Tiere im und am Weiher aufhielten, leide die Wasserqualität.

Gut für diese ist hingegen der Springbrunnen. Ihn werde es weiterhin brauchen, sagt Spielmann. Das Plätschern reichere das Wasser mit Sauerstoff an, was in den Sommermonaten für die Fische lebensnotwendig sei. Von ihnen gibt es im Moosweier laut EVB mehr als genug – inklusive solche, die nicht dorthin gehören. Wie in vielen städtischen Gewässern tummeln sich auch im Moosweier ausgesetzte Goldfische.

Stadt und Quartierverein spannen zusammen

Einen eigentlichen Regimewechsel vom Einwohnerverein zur Stadt wird es am Moosweier nicht geben. Schon in der Vergangenheit haben der Verein und die Stadt Hand in Hand gearbeitet, wenn es um den Unterhalt des Areals ging. Beispielsweise war der Einwohnerverein bisher für den Weiher und das Areal innerhalb des Zauns zuständig, während sich die Dienststelle Stadtgrün (ehemals Gartenbauamt) um die Pflege der Umgebung kümmerte. Es war ebenfalls die Stadt, die am Weiher neue Bäume pflanzen liess, während der Spielplatz wiederum auf eine Ini­tiative des Einwohnervereins zurückgeht.

Als nächsten Schritt wird Marcel Spielmann vom Tiefbauamt die Stromzufuhr des Springbrunnens anpassen lassen. Derzeit geht die Stromleitung noch über die Gänsehütte zu seiner Pumpe. Sind die Stromleitungen weg, kann das Hüttli abgebrochen werden.

ENTEN: Quartierverein verschenkt Weiher

An seiner 99. Hauptversammlung hat der Einwohnerverein Bruggen ein Grundstück abgestossen: Der Moosweier gehört per Anfang 2019 neu der Stadt. Die Kosten sind dem Verein über den Kopf gewachsen.
Roger Berhalter