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Kinder lernen spielend Deutsch: Deshalb soll Sprachförderung in der Stadt St.Gallen möglichst früh stattfinden

Der Stadtrat will das Konzept zur Frühförderung momentan nicht erweitern. Was nicht heisst, dass das Thema vom Tisch ist. Im Stadtparlament sind zwei Vorstösse hängig.
Daniel Wirth
In den St.Galler SpiKi-Spielgruppen werden Schweizer und ausländische Kinder ein- oder zweimal in der Woche miteinander gefördert. Bild: Westend61/Keystone

In den St.Galler SpiKi-Spielgruppen werden Schweizer und ausländische Kinder ein- oder zweimal in der Woche miteinander gefördert. Bild: Westend61/Keystone

Wer kein Deutsch spricht, hat kaum Chancen. Dieser Satz ist leicht zugespitzt, aber nahe an der Realität, die sich in den Schulen und an der Lehrstellenbörse in der Stadt St.Gallen abspielt. Das Ziel der Frühförderung fremdsprachiger Kinder liegt denn auch in einer Erhöhung der Chancengerechtigkeit.

«Kinder haben deutliche bessere Chancen, einen altersgemässen sprachlichen und kognitiven Entwicklungsstand zu erreichen, wenn sie bereits im Vorkindergartenalter gefördert werden»: So formuliert’s der Stadtrat in der Antwort auf eine Interpellation, die von der SVP-Fraktion eingereicht wurde.

«Bei der Förderung trifft's zu: Je früher, desto besser.»

Stadträtin Sonja Lüthi, Vorsteherin der Direktion Soziales und Sicherheit, wird im Gespräch mit dem «Tagblatt» etwas deutlicher: «Je früher wir fremdsprachige Mitbewohner bei der Sprachförderung abholen, desto besser ist es.»

Das Angebot ist vielfältig

Insgesamt sei die Stadt St.Gallen mit ihrem Frühförderungskonzept breit aufgestellt, sagt die GLP-Politikerin. Das Konzept umfasse verschiedene aufeinander abgestimmte Angebote und Massnahmen, insbesondere die SpiKi-Angebote (von der Spielgruppe in den Kindergärten), die Mütter- und Väterberatung und das Angebot «Parents as Teachers PAT – mit Eltern lernen».

Sonja Lüthi, Stadträtin, Soziales und Sicherheit

Sonja Lüthi, Stadträtin, Soziales und Sicherheit

Mit «Deutsch für Mütter» und der Frauensprachschule AIDA unterstützt die Stadt weitere Angebote, bei denen zwar nicht die Frühförderung im Zentrum steht, Kinder im Vorschulalter aber im Sinne eines Nebeneffekts beim Erlernen der deutschen Sprache unterstützt und gefördert werden, wie es der Stadtrat in seiner Antwort auf den SVP-Vorstoss formuliert.

Die SVP-Fraktion ist alles andere als eine Verfechterin des Integrationsvorrangs, der den Schulen vom Gesetzgeber vorgeschrieben wird. Wenn integrative Regelklassen die Rechte und Chancen von Kindern beschnitten und Potenzial verhinderten, könne nicht mehr von einem Erfolgsmodell gesprochen werden, schreibt die SVP. Frühe Sprachförderung diene auch dazu, Auffälligkeiten zu reduzieren und sei deshalb der erste Schritt erfolgreicher Integration.

Frühförderungsdebatte im Stadtparlament

Das Stadtparlament befasst sich voraussichtlich am 29. Oktober mit der Antwort des Stadtrats auf den SVP-Vorstoss. Und nicht nur mit diesem. Auch Stefan Grob und Gisela Keller (beide CVP) reichten eine Interpellation zum Thema Frühförderung ein. Die Behandlung dieses Vorstosses ist ebenfalls für die Sitzung Ende Oktober traktandiert. Es zeichnet sich eine Frühförderungsdebatte ab.

In der Antwort auf den CVP-Vorstoss schreibt der Stadtrat, das SpiKi-Angebot bilde einen Schwerpunkt des heutigen Angebots der Frühförderung. Mit SpiKi würde den Kindern im frühen Alter systematisch ergänzende und Sozial- und Sprachkompetenzen vermittelt, und sie würden in ihrer Spiel-, Lern- sowie Persönlichkeitsentwicklung gezielt gefördert.

Im Zentrum stünden die Anerkennung und die Unterstützung der selbstbildenden Aktivität von Kleinkindern in ihrem natürlichen Lebensumfeld. Bei SpiKi arbeitet die Direktion Soziales und Sicherheit heute flächendeckend mit zwölf Spielgruppen zusammen. Grundlage dieser Zusammenarbeit sind Leistungsvereinbarungen.

Die Spielgruppen sind für alle Kinder ab drei Jahren offen. Sie können ein Jahr vor dem Eintritt in den Kindergarten ein- oder zweimal pro Woche eine Spielgruppe in ihrem Wohnquartier besuchen. Die Kinder treffen sich zum Spielen, Werken, Singen, Geschichten hören und Experimentieren. Und: Fremdsprachige Kinder lernen die deutsche Sprache besser kennen.

Zwischen vier und zwölf Franken

Ein Spielgruppen-Halbtag à zwei Stunden kostet je nach massgebendem Einkommen der Eltern zwischen vier und zwölf Franken. Fremdsprachige Kinder machen gemäss Stadtrat oftmals in der SpiKi-Spielgruppe ihre ersten Erfahrungen mit der deutschen Sprache.

Für diese Kinder sei das zentral, denn es zeige sich, dass der Schulerfolg massgeblich von der Sprachkompetenz der Kinder abhänge. Kinder ohne hinreichende Kenntnisse in der Schulsprache Deutsch seien auch ihrem schulischen und später auch auf ihrem beruflichen Weg benachteiligt. «Die Beherrschung der Sprache ist eine Schlüsselfähigkeit in unserer Sozialisation und kognitiven Entwicklung», schreibt der Stadtrat.

Mit ihrem Angebot erreicht die Dienststelle Gesellschaftsfragen ausländische Familien. Das zeigt die Statistik. Im Schuljahr 2018/2019 besuchten 402 Kinder mindestens ein- oder zweimal eine SpiKi-Spielgruppe. 41 Prozent der Kinder verfügten bei ihrem Eintritt über mittlere bis gute Deutschkenntnisse, im Gegensatz dazu sprachen 59 Prozent der SpiKi-Kinder am Anfang wenig oder gar kein Deutsch.

Integration ist für Sonja Lüthi besser

Grob und Keller holen mit ihrem Vorstoss Biel als Vergleichsstadt heran. Dort gibt es ein sogenanntes Sprachenhaus, in dem auch Intensivsprachkurse für ausländische Eltern und ihre Kinder angeboten werden.

Die Stadtsanktgaller Sozialministerin Sonja Lüthi hält den integrativen Ansatz für die bessere Lösung: «Fremdsprachige Kinder lernen die deutsche Sprache im Spiel mit Schweizer Kindern unterbewusst.» Die Durchmischung in den SpiKi-Spielgruppen sei wertvoll, sagt Sonja Lüthi. Genau so wertvoll seien die Elternanlässe, die viermal im Jahr in den Spielgruppen durchgeführt würden.

Unabhängig von den beiden Frühförderungsvorstössen hat Sonja Lüthi die Direktion Soziales und Sicherheit beauftragt, das SpiKi-Konzept anzuschauen. Was sie bemängelt, ist, dass eine Mutter nicht arbeiten kann, wenn sie ihr Kind zweimal in der Woche lediglich ein- bis zweimal von 9 bis 11 Uhr oder von 14 bis 16 Uhr in einer Spielgruppe betreuen lassen kann.

Gleichwohl ist es Lüthis Ziel, noch mehr fremdsprachige Kinder in den Spielgruppen betreuen zu lassen und die Leiterinnen stärker zu unterstützen, wenn es um die Sprachförderung geht.

Auch wer kein Wort Deutsch
spricht, darf die Regelklasse besuchen

In ihrer Interpellation stellt die SVP kritische Fragen zum Integrationsvorrang, der seit 2015 vom Volksschulgesetz vorgegeben wird. Sie will vom Stadtrat wissen, wie er zur These stehe, wonach Schülerinnen und Schüler in Regelklassen auf der Primarstufe Deutsch beherrschen müssten. Die Antwort des Stadtrates lautet, allein das Nichtbeherrschen der deutschen Sprache sei kein zulässiges Kriterium, ein Kind aus der Regelklasse zu nehmen, sinnvoll und geboten seien indes flankierend zum Regelunterricht fördernde Massnahmen und Integrations­klassen.

Die SVP ist auch in Sorge, dass als Folge der integrativen Regelklassen immer mehr Eltern Kinder in Privatschulen schicken oder selbst unterrichten. Es gebe keine Indizien, die aus einen solchen Trend hinweisen würden, schreibt der Stadtrat in seiner Interpellationsantwort. Im Gegenteil: Trotz steigender Schülerzahlen und einer wachsende Zahl an Privatschulen könne ein leichter Rückgang festgestellt werden. Derzeit gingen 185 schulpflichtige Kinder mit Wohnsitz in der Stadt in eine Privatschule, vor einem Jahr waren es 207 Kinder. Die aktuell 185 Schülerinnen und Schüler entsprechen gemäss Stadtrat 2,7 Prozent. Dieser Wert ist gleich hoch wie im Rest des Kantons. Eine Bewilligung für privaten Einzelunterricht hat niemand. (dwi)

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