St.Gallen
«Es ist nur eine Frage der Zeit, bis jemand ausrutscht und auf den Steg knallt»: Eine Vorsichtsmassnahme beim Mannenweier sorgt für Kopfschütteln

Die Leiter des Sprungturms beim Mannenweier wird in den Abend- und Nachtstunden neuerdings mit einem Brett versperrt. Doch das hält Gross und Klein nicht davon ab, den Sprungturm trotzdem zu erklimmen – mit teils waghalsigen Kletteraktionen.

Sandro Büchler
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Das Brett des Anstosses: Trotz Brett, das den Sprungturm eigentlich sperren sollte, erklimmen am Abend viele weiterhin den Turm. Das sei gefährlich, sagen Badegäste.

Das Brett des Anstosses: Trotz Brett, das den Sprungturm eigentlich sperren sollte, erklimmen am Abend viele weiterhin den Turm. Das sei gefährlich, sagen Badegäste.

Bild: Sandro Büchler (26. Juni 2022)

Nach der gewittrigen Abkühlung vergangene Woche lockte das Wochenende wieder mit heissen Temperaturen und Badewetter. Viele Badefreudige tummeln sich deshalb in oder um die Drei Weieren in St.Gallen. Besonders der Sprungturm beim Mannenweier ist beliebt für mehr oder weniger geglückte Sprungeinlagen. Insbesondere in diesen Tagen, den längsten des Jahres, wird das Sprungbrett bis zum Eindunkeln rege benutzt.

Doch in dieser Badesaison wird der Sprungturm in den Abend- und Nachtstunden neuerdings gesperrt. Das dazu an der Leiter montierte Brett hält jedoch Gross und Klein nicht davon ab, zum Sprungbrett hochzusteigen, wie ein Augenschein vor Ort zeigt. Kinder und Jugendliche umgehen das Brett und kraxeln links und rechts am Sprungturm hoch.

Ein Bub klettert trotz des Bretts auf den Sprungturm.

Ein Bub klettert trotz des Bretts auf den Sprungturm.

Bild: Sandro Büchler (26. Juni 2022)

Ein Bub und zwei Mädchen etwa steigen am Sonntagabend um 19.30 Uhr Sprosse um Sprosse hoch, in dem sie ihre Füsse in die Zwischenräume zwischen Brett und Leiter drücken – alles sogar beobachtet von ihrem Vater.

Nach einer Überprüfung kam das Brett

Roland Hofer, Abteilungsleiter Anlagenbetrieb bei der Stadt und somit Bäderchef von St.Gallen, sagt, dass die städtischen Bäder periodisch einer sicherheitstechnischen Überprüfung unterzogen werden.

Roland Hofer, Abteilungsleiter Anlagenbetrieb Stadt St.Gallen.

Roland Hofer, Abteilungsleiter Anlagenbetrieb Stadt St.Gallen.

Bild: Ralph Ribi
«Dabei wurde festgestellt, dass der Sprungturm in Zeiten, wo kein Wasseraufsichtspersonal anwesend ist, für den Betrieb zu sperren ist.»

Dabei handle es sich um eine Vorsichtsmassnahme, fügt Hofer hinzu. Seit vergangenem Herbst werde deshalb der Sprungturm jeweils gesperrt, wenn die Badmeister nach Hause gehen. Hofer sagt, es habe bisher keine Unfälle oder andere Vorkommnisse gegeben, welche die Sperrung nötig gemacht hätten.

Ein Badegast schüttelt den Kopf: Wegen des Bretts würden nun viele teils waghalsige Kletteraktionen unternehmen, um den Sprungturm zu erklimmen.

«Es ist nur eine Frage der Zeit, bis jemand ausrutscht und auf den Steg hinunterknallt.»

Der Mann sagt, die Absperrung sei zwar gut gemeint, aber kein Hindernis für Sprungfreudige. So werde sie viel mehr zu einer Gefahrenquelle. «Statt des Bretts hätte die Stadt besser ein Schild gemacht, dass während der unbeaufsichtigten Zeiten jede Haftung abgelehnt werde.»