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Ölheizung raus, Fernwärme rein: Die Energiezukunft der Stadt St.Gallen sorgt für hitzige Diskussionen

Das neue Energiegesetz will Alternativen zu fossiler Energie. Das freut die Stadt. Der Hauseigentümerverband findet es problematisch.
Christoph Renn
Die Fernwärme ist ein wichtiger Teil der Energiezukunft der Stadt St.Gallen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Die Fernwärme ist ein wichtiger Teil der Energiezukunft der Stadt St.Gallen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Bei Neubauten müssen ab 2020 erprobte, energieeffiziente und klimaneutrale Technologien fürs Heizen eingesetzt werden. Bei bestehenden Liegenschaften sind fossile Heizungen weiterhin erlaubt, jedoch nur, wenn sie mit neuen Fenstern oder Solarkollektoren kombiniert werden. Diese und andere Vorschriften sieht der Entwurf für ein neues Energiegesetz vor.

Dem Leiter der Dienststelle Umwelt und Energie, Harry Künzle, gehen die Vorschriften zu wenig weit: «Mit dem Energiegesetz 2020 rechnet der Kanton mit einer Verbesserung beim CO2-Ausstoss um zehn Prozent.» Ein anderes Problem ortet Künzle bei den Verwaltungen:

«Einige bauen nun noch neue Ölheizungen ein, damit sie für die nächsten Jahrzehnte Ruhe haben.»

Doch es gebe auch positive Beispiele, sagt Künzle.

Von Solaranlagen bis Wärmepumpen

Die Energieeinsparungen, welche sich die Stadt mit dem neuen Gesetz erhofft, reicht laut Harry Künzle nicht, um die Ziele des Energiekonzepts 2050 zu erreichen. Doch gibt er sich positiv. «Die Zahl der Ölheizungen nimmt stetig ab.» So heizten in der Stadt St.Gallen im Jahr 1990 noch über 50 Prozent mit Erdöl und knapp 20 Prozent mit Gas. Der Anteil Fernwärme war damals noch sehr klein. 2018 lag der Prozentsatz der Ölheizungen noch bei etwas über 20 Prozent. Doch noch immer wird der Grossteil der Gebäude in der Stadt mit Gas oder Erdöl beheizt.

«Erfreulich ist aber, dass der Anteil der Fernwärme grösser wurde und heute knapp 20 Prozent beträgt.»

Ein Fernwärmeanschluss ist eine von elf Massnahmen, welche das Energiegesetz 2020 erlaubt. «Wer Fernwärme nutzt, bei dem entfällt die Sanierungspflicht der Liegenschaft», sagt Harry Künzle. Dies sei jedoch für die Stadt nicht unbedingt wünschenswert. Denn: «Je mehr angeschlossene Gebäude energetisch erneuert werden, desto mehr könnten an die Fernwärme neu angeschlossen werden.»

Das überarbeitete Energiegesetz sieht elf Standardlösungen vor. Sie reichen von thermischen Solaranlagen über Holzheizungen und Wärmepumpen – mit Erdsonden oder mit Erdgas angetrieben – bis hin zu Fotovoltaikanlagen mit Wärmepumpen-Boiler. Baulich können Fenster ersetzt werden, die Fassaden und das Dach gedämmt oder die Lüftung optimiert werden. «Durch das breite Angebot ist für jede Liegenschaft eine passende Lösung dabei», sagt Künzle. Die Regierung formuliert es in ihrer der Botschaft so:

«Die Standardlösungen lassen Raum für die Umsetzung von individuellen Präferenzen und nehmen Rücksicht auf unterschiedliche bauliche Situationen.»

Diese optimistische Einschätzung von Stadt und Kanton teilt Remo Daguati, Geschäftsführer des Hauseigentümerverbandes der Stadt St.Gallen, nicht. «Eines der Probleme des Energiegesetzes ist, dass es die schwierigen Einzelfälle nicht miteinbezieht», sagt er. Der Denkmalschutz stehe Lösungen oft im Weg. Gerade die Stadt St.Gallen stehe mit ihrem hohen Anteil alter Liegenschaften Altliegenschaften vor Herausforderungen, da die Kosten zur Erfüllung energetischer Auflagen erheblich seien und nicht alle Stadtteile mit Fernwärme versorgt würden.

Auch kann Eigentümern gemäss Daguati das Geld fehlen für die klar teureren Alternativlösungen, oder die Bank kann einen Kredit verweigern, weil sich das Investment je nach Lage nicht rechnet. Remo Daguati hält aber fest, dass er und der Hauseigentümerverband keinesfalls gegen neue Techniken seien.

Energieeffizienz ohne Abbruch

Für Harry Künzle hingegen ist die Gegenwehr des Haupteigentümerverbandes unverständlich. «Bezüglich Pariser Abkommen, das zum Ziel hat, in 30 Jahren auf netto null zu kommen, reichen diese Massnahmen nicht», sagt er. Das Energiegesetz sei nur ein kleiner Schritt. «Um die Ziele zu erreichen, bräuchten wir aber noch einige grosse Schritte.» Dabei reiche es nicht, das Potenzial bei der Mobilität auszuschöpfen.

«Wir müssen auch bei der Energieeffizienz der Gebäude weiterkommen.»

In der Stadt St.Gallen wird die Effizienzsteigerung jedoch eine Herausforderung. «Die Gebäudesubstanz ist in der Stadt viel älter als im Rest des Kantons», sagt Harry Künzle. Deshalb überrasche es nicht, dass sie bei der Energieeffizienz der Gebäude zu den Schlusslichtern gehöre, wie eine Abbildung in der Botschaft belegt.

Bei vielen Gebäuden in der Stadt sei es nicht möglich, sie auf den neuesten Stand umzurüsten. Jedoch könnten auch bei alten, denkmalgeschützten Gebäuden einige Massnahmen vorgenommen werden. «Neue Fenster sind dabei sehr wichtig», sagt er. Mit dem Anschluss an die Fernwärme könne dieses Problem jedoch behoben werden, weil dadurch die Sanierungspflicht entfalle. «Die Fernwärme ermöglicht also eine energieeffizientere Stadt, ohne dass alle alten Gebäude abgebrochen werden müssen», sagt Harry Künzle.

«Der Markt verlangt energieeffiziente Wohnungen»

(ren) Von den Neuerungen beim Energiegesetz 2020 sind alle Hauseigentümer und Immobilienverwaltungen betroffen. «Einige Verwaltungen bauen nun noch schnell Ölheizungen ein, damit sie für die kommenden 20 Jahre Ruhe haben», sagt Harry Künzle, Leiter der Dienststelle Umwelt und Energie. Aber es gebe auch positive Beispiele, wie die in der Stadt St.Gallen ansässige Max Pfister Baubüro AG. Sie übernehme Initiative und gehe mit gutem Beispiel voran. «Für uns ändert sich mit dem Energiegesetz 2020 nicht viel», sagt Geschäftsführer Andreas Pfister. Die Neuerungen seien in einem Rahmen, mit dem sie gut leben könnten. Doch er könne bei diesem Thema nur für sein Unternehmen sprechen. Für Andreas Pfister ändert sich wenig, weil er schon jetzt darauf achte, dass in seinen Immobilien neue Technologien eingebaut würden. Er sagt aber auch, dass dies mit Investitionen verbunden sei. Diese Investitionen seien für die Max Pfister Baubüro AG aber wichtig: «Die Immobilienverwaltung ist unser Kerngeschäft und wir sind mit Herzblut dabei», sagt er. Er habe ein Interesse daran, was heute technisch möglich sei. «Wir überlegen stets, was wir in unseren Häusern machen können. Sei es bei der Dämmung oder der Heizung».

Neue Technologien sind wirtschaftlich

Das Engagement Pfisters erfolgt nicht aus blosser Liebe zur Natur. Er handelt auch aus unternehmerischen Überlegungen. «Wir spüren, dass die Mieter Wert auf nachhaltiges Wohnen legen», sagt er. Der Markt verlange immer stärker nach energieeffizienten Wohnungen und Häusern. «Für uns sind leere Liegenschaften das Schlimmste», sagt er. «Mit energieeffizienten Gebäuden wollen wir uns behaupten.» Nicht zuletzt seien sie auch für die Mieter wirtschaftlich interessant, weil die Nebenkosten sinken würden.

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