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St.Gallen: Ein Stollen liegt im Dornröschenschlaf

Berneggstollen? Ja, da klingelt es! Der liegt in der Mülenenschlucht. Und da drin war etwas mit Kultur: Vielen ist noch bewusst, dass es den geheimnisvollen Ort mit Eingang hinter dem Hotel Einstein gibt. Details kennen aber die Wenigsten.
Reto Voneschen
Ausgang in die Mülenenschlucht: Je weiter nach hinten im Berneggstollen man kommt, desto weniger betoniert ist er. Die Wände sind roh behauen, der Boden besteht aus gestampfter Erde. (Bild: Raphael Rohner)

Ausgang in die Mülenenschlucht: Je weiter nach hinten im Berneggstollen man kommt, desto weniger betoniert ist er. Die Wände sind roh behauen, der Boden besteht aus gestampfter Erde. (Bild: Raphael Rohner)

Scheppernd öffnet sich die Eisentüre, auf der ein ausgebleichtes Parkierverbot prangt. Sie gibt den Blick in einen betonierten Gang frei. Bereits eine mittelgrosse, mittelbreite Person füllt ihn fast vollständig aus. Der Boden ist nass, die Luft feucht-muffig. Das Licht funktioniert nicht.

Die Gefühle werden klaustrophobisch, je weiter man im Licht der Taschenlampe in den Berg vordringt. Man sieht dem Berneggstollen auf den ersten Metern an, dass er nicht mehr regelmässig begangen wird.
Das Beton-Nadelöhr führt zu einer Stelle, die früher als Sicherheitsschleuse gedient hat. Man betritt seitlich einen länglichen Raum, der kurz darauf wieder in den Hauptgang führt.

Die Betontüre, die einst den direkten Durchgang blockierte, steht weit offen. Der Staub, den sie angesetzt hat, zeigt, dass sie seit Jahren, vielleicht Jahrzehnten nicht mehr bewegt wurde. Weiter geht’s an einem Raum vorbei, der einst Bewacher der Anlage beherbergt haben könnte. Daran anschliessend befindet sich eine Toilettenanlage. Hinter Stahltüren stehen altmodische WC-Schüsseln.

Dann geht’s durch nächste Türe und der Gang öffnet sich, wird zur Kaverne. Ganz weit hinten in der Höhle wird sie wieder zum Gang und führt zu einem Ausgang in die Mülenenschlucht. Links und rechts in der Kaverne befinden sich Nischen, deren Boden nivelliert und betoniert ist. Man kann sich gut vorstellen, dass jede einst eine andere Dienststelle der städtischen Luftschutzorganisation beherbergt hat. Ihr diente der 115 Meter lange Stollen einst als Kommandoposten und Alarmzentrale. Von hier aus wurde im Zweiten Weltkrieg der Schutz der Bevölkerung vor Luftangriffen geleitet.

Die Arbeiten am Berneggstollen begannen gemäss Recherchen von Stadtarchivar Marcel Mayer Anfang 1939. Dabei wurde ein älterer Stollen erweitert, der wohl als Wasserreservoir gedient hatte. Die Bauarbeiten wurden im September 1939 wegen der Mobilmachung der Armee unterbrochen; der Stollen wurde im Juni 1940 fertiggestellt.

«Einer der ungewöhnlichsten
Kulturorte der Schweiz»

Nach dem Krieg wurde der Berneggstollen weiter für den Luftschutz benutzt, bis er zu einem unbekannten Zeitpunkt überflüssig wurde. Kurz aufgeweckt wurde er in den 1990er-Jahren: Kulturbewegte entdeckten ihn, gründeten 1994 einen Ve­rein und führten im Winter 1995/96 einen Versuchsbetrieb sowie 1997 ein Mini-Festival im «Kulturstollen Herrmann» durch.

So stellte «an einem der ungewöhnlichsten Kulturorte der Schweiz», wie «Ostschweiz»-Stadtredaktor Marcel Elsener schrieb, Roman Signer aus oder es spielte dort Stiller Has. 1998 scheiterte das Kulturprojekt an der Weigerung der Stadt, ihn zu finanzieren.

Kuriosum: Heute lässt sich nicht mehr nachvollziehen, wann die Blumentapete auf der Querwand in den Stollen kam und woher sie stammt. (Bild: Raphael Rohner)
(Bild: Raphael Rohner)
Ausgang in die Mülenenschlucht: Je weiter nach hinten im Berneggstollen man kommt, desto weniger betoniert ist er. Die Wände sind roh behauen, der Boden besteht aus gestampfter Erde. (Bild: Raphael Rohner)
(Bild: Raphael Rohner)
(Bild: Raphael Rohner)
Bombensicher: Hinter Stahltüren stehen in der Eingangspartie des alten Luftschutz-Kommandopostens immer noch die Toilettenschüsseln. (Bild: Raphael Rohner)
(Bild: Raphael Rohner)
Büromöbel: Ein einsamer Stuhl wartet in einer der Seitennischen des Berneggstollens auf neue Benutzerinnen oder Benutzer. (Bild: Raphael Rohner)
(Bild: Raphael Rohner)
(Bild: Raphael Rohner)
(Bild: Raphael Rohner)
(Bild: Raphael Rohner)
(Bild: Raphael Rohner)
(Bild: Raphael Rohner)
(Bild: Raphael Rohner)
15 Bilder

Der Berneggstollen in Bildern

Heute liegt der Berneggstollen im Dornröschenschlaf. Auch die Feuerwehr, die hier noch 2015 Atemschutzübungen durchführte, hat ihn inzwischen verlassen. Die Stadt, so bestätigt Stadtbaumeister Hansueli Rechsteiner, hat derzeit keine Pläne mit dem alten Stollen. Auch zumauern, wie das gerüchteweise kolportiert wird, will sie ihn nicht.

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