St.Gallen: Den Superbowl gibt's diesmal nur zu Hause

Restaurants und Bars in der Stadt St.Gallen dürfen am Sonntag höchstens bis zwei Uhr morgens öffnen. Die Übertragung des Superbowl fällt damit ins Wasser. Das stösst einigen Gastronomen sauer auf.

Roger Berhalter
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Bereit für den Superbowl: Tom Brady, Quarterback der New England Patriots. (Bild: Larry W. Smith/EPA)

Bereit für den Superbowl: Tom Brady, Quarterback der New England Patriots. (Bild: Larry W. Smith/EPA)

American Football live auf drei Stockwerken und mehreren Grossleinwänden. Mit 150 Gästen und warmer Küche bis drei Uhr morgens: So hatte sich Enrico Himmelberger die kommende Sonntagnacht vorgestellt. Und so hatte es der Geschäftsführer des Restaurants Stars & Stripes auch online angekündigt. Wie jedes Jahr vor dem Superbowl, dem Endspiel der National Football League und einem der beliebtesten Sport-Ereignisse der Welt.

Allein in Amerika sitzen jeweils mehr als 100 Millionen Fernsehzuschauer vor den Geräten – und auch in St.Gallen sehen sich nicht wenige das Spiel an. Entweder zu Hause mit Freunden oder eben im «Stars & Stripes». Seit 15 Jahren wird der Superbowl dort live übertragen. «Bis jetzt ging’s immer gut. Niemand hat reklamiert. Der Anlass verursacht ja auch keinen Lärm», sagt Enrico Himmelberger.

150 Reservationen annulliert

Doch dieses Jahr kontaktierte ihn plötzlich die Stadtpolizei und wies ihn darauf hin, dass er sein Restaurant am Sonntag nicht die ganze Nacht öffnen dürfe. Auch nicht für den Superbowl. Himmelberger musste allen 150 Gästen, die schon reserviert hatten, wieder absagen und die Übertragung abblasen. Jetzt ist er enttäuscht und findet, man hätte ihn zumindest früher informieren können. Erst am Mittwoch, wenige Tage vor dem Anlass, habe die Polizei bei ihm angeklopft. Noch dazu mitten in den Sportferien. «Wären wir früher dran gewesen, hätten wir das vielleicht regeln können.» So aber sei keine Zeit mehr geblieben, eine Lösung zu finden.

Um zwei Uhr wird’s erst richtig spannend

Auch René Rechsteiner konnte nichts mehr ausrichten. Der Präsident von Gastro Stadt St.Gallen hat in den vergangenen Tagen versucht, für das «Stars & Stripes», aber auch für andere Gastronomen in der Stadt, eine Möglichkeit zu finden, damit sie den Superbowl im Fernsehen zeigen können. Ohne Erfolg. «Mit mehr Vorlaufzeit hätten wir bestimmt eine Lösung gefunden», sagt Rechsteiner. Das Sport-Grossereignis sei für viele Gastronomen ein willkommener Anlass, um etwas Spezielles zu organisieren. «Stichwort Belebung der Innenstadt», sagt Rechsteiner. «Fürs nächste Jahr müssen wir dieses Thema aufgreifen. Ich sehe nicht ein, weshalb so eine Liveübertragung nicht bewilligt werden sollte.»

Die aktuelle Rechtslage steht einer langen Superbowl-Nacht allerdings im Weg. Gemäss dem kantonalen Gastwirtschaftsgesetz müssen Restaurants und Bars am Sonntag um Mitternacht schliessen. Es sei denn, sie beantragen eine Verlängerung um zwei Stunden, was pro Lokal und Monat viermal möglich ist. Maximal bis um zwei Uhr könnte also das «Stars & Stripes» am Sonntag öffnen. Für die Übertragung eines Sportanlasses, der bis vier Uhr morgens oder länger dauert, kommt das aber kaum in Frage. «Um zwei Uhr wird’s erst richtig spannend», sagt Himmelberger.

Die Stadtpolizei hat dieses Jahr von mehreren geplanten Superbowl-Übertragungen erfahren. «Wir haben mit den Gastronomen Kontakt aufgenommen und sie auf die Rechtslage hingewiesen», sagt Mediensprecher Dionys Widmer. Zwar sehe das städtische Gastwirtschaftsreglement Ausnahmen vor. Beispielsweise an Silvester, am 1.August oder während der Fasnacht sind die Schliessungszeiten aufgehoben – oder wenn der Stadtrat eine Ausnahme beschliesst wie vor 19 Jahren, als der FC St.Gallen Meister wurde. Doch der Superbowl ist eben kein Spiel der Schweizer Super League und die New England Patriots sind nicht der FC St.Gallen. Der Anlass hat mit der Region nichts zu tun.

St.Galler Spieler schauen in Wil

Und wo schauen sich die Spieler des «American Football Club St.Gallen Bears» den Superbowl an? Nicht in der Stadt, sondern im Cinewil in Wil, wo gemäss Ankündigung «die grösste Superbowl-Party der Ostschweiz» stattfindet.