St.Gallen
Das GHG-Wohnheim Sonnenhalde Tandem ist wegen Corona seit Mitte Januar im Shutdown – jetzt geht es wieder bergauf

Die soziale Institution Sonnenhalde Tandem der Gemeinnützigen- und Hilfsgesellschaft der Stadt St.Gallen (GHG) hat intensive Tage hinter sich. Um den Jahreswechsel häuften sich die Covid-19-Infektionen in zwei Wohngruppen und einer Werkstattgruppe. Aus Eigeninitiative beschloss die Leitung, die Industriewerkstatt zu schliessen und Besuche zu verbieten. Institutionsleiter Marco Dörig setzt Hoffnungen in eine baldige Impfung.

Luca Ghiselli
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Das Wohnheim Sonnenhalde-Tandem in Rotmonten ist seit Mitte Januar wegen mehrere Covid-19-Fälle geschlossen.

Das Wohnheim Sonnenhalde-Tandem in Rotmonten ist seit Mitte Januar wegen mehrere Covid-19-Fälle geschlossen.

Bild: PD

Vieles drehte sich in den vergangenen Wochen und Monaten um Altersheime und Spitäler. Reichen die Kapazitäten? Wann wird geimpft? Gibt es Corona-Hotspots? Etwas abseits der massenmedialen Aufmerksamkeit arbeiteten Pädagoginnen, Sozialarbeiter und Pfleger in vielen anderen sozialen Institutionen weiter. So auch bei der «Sonnnenhalde Tandem», einer sozialen Institution der Gemeinnützigen- und Hilfsgesellschaft der Stadt St.Gallen. Hier, auf dem östlichen Rosenberg, wohnen und arbeiten Menschen mit einer kognitiven Beeinträchtigung oder einer Wahrnehmungsstörung. Sie leben in betreuten Wohngruppen und arbeiten in verschiedenen Werkstätten. Insgesamt bietet die Sonnenhalde-Tandem 94 Arbeitsplätze für Erwachsene mit einer Behinderung an.

Die Pandemie hat in der Sonnenhalde vieles auf den Kopf gestellt. Aktuell ist es in Heim und Werkstatt ruhig. Weil zum Jahreswechsel gleich mehrere Bewohnerinnen und Bewohner von drei Gruppen positiv auf Covid-19 getestet worden waren, beschloss die Institutionsleitung aus Eigeninitiative den Shutdown.

Zwei Infektionsherde in Werkstatt und Wohngruppe

Marco Dörig, Institutionsleiter Sonnenhalde-Tandem.

Marco Dörig, Institutionsleiter Sonnenhalde-Tandem.

Bild: Ralph Ribi (25. Juni 2019)

Seit 18. Januar bleiben weite Teile der Institution geschlossen. Das trägt laut Dörig Früchte. «Wir sind für den Moment über dem Berg.» Es kämen zwar vereinzelt immer noch Corona-Positive zum Vorschein, das sei aber wegen der Verzögerung normal. «Wir sind guten Mutes, dass wir ab Anfang Februar den Betrieb gestaffelt wieder aufnehmen können – auch das immer in Rücksprache mit den Behörden.»

«Wir hatten seit Oktober beinahe wöchentlich ein bis zwei positive Mitarbeitende», sagt Institutionsleiter Marco Dörig auf Anfrage. Dank des rigiden Schutzkonzepts, das die Suva im November 2020 gerade noch auditierte, konnten die Infektionsketten aber stets unterbrochen werden. Ende Dezember und Anfang Januar passierte es dann aber doch: «Wir hatten plötzlich drei Positive. Also haben wir Schnelltests mit den betroffenen Gruppen durchgeführt, die weitere fünf Corona-Positive zum Vorschein brachten.»

Als Reaktion darauf hat Dörig mit seinem Team die Industriewerkstatt geschlossen und Isolations- sowie Quarantänewohngruppen eingerichtet. «Wir standen bei der Entscheidungsfindung in Kontakt mit dem Kantonsarztamt, haben aber präventiv strengere Massnahmen getroffen», sagt Dörig.

Die meisten Bewohner können sich an Massnahmen halten

Für Institutionen, die Menschen mit geistiger Beeinträchtigung betreuen, ist die Covid-19-Pandemie besonders fordernd. Zwar könne sich ein Grossteil der Klienten an die Schutzmassnahmen wie zum Beispiel die Maskenpflicht halten, sagt Dörig.

«Je schwerer die Behinderung, desto eher gibt es aber auch Menschen, die dazu nicht in der Lage sind.»

Dörig schätzt deren Anteil in der Sonnenhalde Tandem auf etwa 10 bis 20 Prozent. Bei diesen Personen könne es dann auch schwierig werden, sie zu isolieren. «Manche haben zum Beispiel einen ausgeprägten Bewegungsdrang.» Hier versuche das Team, sinnvolle und sichere Ausnahmen zu schaffen. Eine Möglichkeit seien beispielsweise kontrollierte Spaziergänge. Aber Dörig stellt auch klar:

«Wir sind kein Gefängnis und wollen auch keines sein.»

Erleichterung könnte eine baldige Impfung bringen. Während mobile Impfteams im Kanton St.Gallen bereits seit drei Wochen auf Besuch in Alters- und Pflegeheimen sind, musste sich die Sonnenhalde Tandem aber hintenanstellen, obwohl sie zahlreiche Risikopatientinnen und -patienten betreut.

«Wir haben gemeinsam mit dem Branchenverband bei den Behörden interveniert. Daraufhin wurde uns eine höhere Prioritätsstufe zugestanden», sagt Dörig. Einen Termin für die Impfaktion gibt es noch nicht, Dörig rechnet aber mit Februar oder März. «Die Impfung dürfte zu einer Entspannung der Situation und zur Entlastung des Personals führen», sagt der Institutionsleiter.

Dauerbelastung für Personal und Umsatzeinbussen

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien nämlich seit Monaten einer grossen Belastung ausgesetzt. «Gerade jene, die in den Isolationsgruppen arbeiten, nehmen auch persönlich ein zusätzliches Risiko in Kauf.» Dafür sei er dankbar, sagt Dörig. Und er würde seinem Team die Anerkennung gerne auch finanziell spüren lassen. Aber die Pandemie reisst auch in die Kasse der Sonnenhalde ein grosses Loch: Die Schutzmassnahmen kosten, die Erträge aus der Werkstatt sind zurückgegangen. Und Personalausfälle gab es auch zu beklagen. «Nach dem Applaus für das Pflegepersonal ist es eher still geworden», sagt Dörig.