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St.Gallen bekommt ein Haus für junge Kreative: Renovieren für Illustratoren

Das Haus zur Ameise soll Street-Art-Künstlern, Illustratoren und Fotografinnen eine Heimat bieten. Drei junge St.Galler haben das Wohnhaus an der Augustinergasse übernommen und laden bald zur ersten Ausstellung ein.
Roger Berhalter
Mitten in der Stadt entsteht ein neuer (halb-)öffentlicher Ort: Das Haus zur Ameise. An der Augustinergasse 17 bauen derzeit (von links) Mario Milex Wyler, Claudia Schildknecht und Dominik Rüegg um. (Bild: Urs Bucher)

Mitten in der Stadt entsteht ein neuer (halb-)öffentlicher Ort: Das Haus zur Ameise. An der Augustinergasse 17 bauen derzeit (von links) Mario Milex Wyler, Claudia Schildknecht und Dominik Rüegg um. (Bild: Urs Bucher)

Dominik Rüegg schabt mit dem Spachtel Dreck vom Holzgeländer, dann bearbeitet er den Handlauf mit Schleifpapier. «Leider haben wir mit dem Schleifen des Geländers angefangen, jetzt müssen wir es auch durchziehen», sagt der 32-Jährige und lacht.

Es gibt kein Zurück mehr für ihn. Der Anfang ist gemacht, und die Deadline steht: Am 7. März wird das Haus zur Ameise an der Augustinergasse 17 erstmals seine Türen öffnen. Bis dann soll das Geländer glänzen wie neu.

Astronautin auf Feldforschung

Rüegg ist nicht allein. Er hat das Gebäude zusammen mit zwei Mitstreitern übernommen. Wie er kommen sie aus der Welt der Illustration, Animation und Fotografie. Und sie wuseln in diesen Tagen ebenfalls in Arbeitskleidern durchs alte Wohnhaus.

Claudia Schildknecht deckt gerade die frisch versiegelten Holzböden mit Karton ab. Im weissen Overall und mit umgehängter Kamera sieht die 28-Jährige aus wie eine Astronautin auf Feldforschung. Ist sie nicht gerade am Renovieren, arbeitet sie als frei schaffende Fotografin und Tätowiererin und pendelt zwischen St.Gallen und Luzern.

Mario Miles Wyler trägt eine Schutzmaske und reibt im Erdgeschoss mit Schleifpapier übers Holzgeländer. Der 30-Jährige ist professioneller Trickfilmer. Er macht Erklärvideos für eine Online-Lernplattform, unterrichtet aber auch Grafikerklassen an der Berufschule.

Vom Keller bis zum Estrich

Alle drei haben vor kurzem die Kunsthochschule in Luzern abgeschlossen, und seit zwei Monaten bringen sie in St.Gallen ihr Altstadt-Haus auf Vordermann. Sie haben Stromleitungen legen lassen, Teppiche herausgerissen, Holzböden geschliffen und Wände gemalt. Jetzt geht es, wortwörtlich, um den letzten Schliff.

16 Künstler in drei Räumen

Eng dürfte es werden, vor allem aber spannend und bunt, wenn das Haus zur Ameise am 7. März, ab 18.30 Uhr, zur Vernissage und Eröffnung der ersten Ausstellung einlädt. 16 Illustratorinnen und Illustratoren zeigen in drei Räumen im ersten Stock ihre Werke.

Darunter sind so bekannte Namen wie Manuel Stahlberger, Lika Nüssli und Sascha Tittmann. Aber auch die drei Betreiber des Hauses stellen aus: Dominik Rüegg, Mario Miles Wyler und Claudia Schildknecht.

Die Ausstellung im Haus zur Ameise an der Augustinergasse 17 ist zu folgenden Zeiten geöffnet: 9. März, 12–18 Uhr. 10. März, 12–16 Uhr. 14. März, 18.30–22 Uhr. 16. März, 12–18 Uhr. 17. März, 12–16 Uhr. (rbe)

Das Haus zur Ameise soll mehr als nur eine Ausstellungsplattform sein. Im besten Fall – so stellen es sich die drei Mieter vor – wird es zur kulturellen Begegnungszone, zu einer «Bühne für Urban Art, Visuelle Medien und freie Kunst», wie es im Eigenbeschrieb heisst. Die drei Räume im ersten Stock sollen als Fläche für Ausstellungen, Pop-up-Stores und Veranstaltungen dienen.

Im zweiten Stock richten die Mieter ihre eigenen Ateliers ein. Der geräumige Keller – mit eigenem Eingang vom Unteren Graben her – ist als Werkstätte für Keramik oder Siebdruck gedacht. Der Estrich ist im Moment vor allem Stauraum.

Ein Grund, um nach St.Gallen zu kommen

In diesen unterschiedlichen Räumen ist vieles möglich, unter anderem künstlerisches Schaffen vor Ort. «Die Künstler, die wir einladen, sollen nicht einfach ihre Bilder aufhängen, sondern auch einmal ein Werk hier entstehen lassen», sagt Dominik Rüegg. Der frei schaffende Illustrator spricht von einer Lücke im Kulturangebot der Stadt, die man füllen könne.

Das Haus zur Ameise im St.Galler Stadtplan. (Bild: PD)

Das Haus zur Ameise im St.Galler Stadtplan. (Bild: PD)

Für Illustratoren und Street-Art-Künstler gebe es keine Plattform – jedenfalls keine wie das Haus zur Ameise, das zum Treffpunkt für die Gestalterszene werden soll. Es gehe nicht darum, junge St.Galler Künstler zu fördern, im Gegenteil: Gestandene auswärtige Illustratoren sollen den Weg hierher finden. «Wir möchten ihnen einen Grund geben, nach St.Gallen zu kommen», sagt Rüegg selbstbewusst.

Erste Ausstellung mit bekannten Namen

Für die Eröffnungsausstellung konnten die Drei bekannte Namen aus der St.Galler Gestalterszene gewinnen: Lika Nüssli, Jonathan Nemeth, Rouven Stucki oder Sascha Tittmann. Manuel Stahlberger wird ebenfalls einige Werke zeigen. Aber auch Jungtalente sind präsent, so wie der Diepoldsauer Noah Demirci, der als Animator soeben den Sprung nach London geschafft hat.

Was danach im Haus zur Ameise passiert, lassen die Hausherrin und die zwei Hausherren bewusst offen. Zwar hätten sie einige Veranstaltungen in Aussicht, und an der nächsten Museumsnacht soll das Haus zur Ameise unbedingt auf dem Flyer stehen. Allzu viel fixieren möchten sie aber nicht, wie Claudia Schildknecht sagt: «Wir wollen offen für Spontanes bleiben. Wir werden bestimmt kein Jahresprogramm schreiben!»

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