St.Gallen
Bedingte Gefängnisstrafe, Busse und Landesverweis: Gericht verurteilt Dieb

Das Kreisgericht St.Gallen hat einen untergetauchten Algerier verurteilt. Er hat unverschlossene Autos durchsucht und ist in ein Haus eingeschlichen.

Claudia Schmid
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Der 29-Jährige soll mit Komplizen unverschlossene Autos durchsucht haben.

Der 29-Jährige soll mit Komplizen unverschlossene Autos durchsucht haben.

Bild: Peter Dazeley/Getty

Der 29-jährige Beschuldigte war angeklagt, zusammen mit einem Komplizen unverschlossene Autos nach Wertgegenständen und Bargeld durchsucht zu haben. Sie versuchten auch, sich in Häuser einzuschleichen, was ihnen aber nur in einem Fall gelang.

Die Staatsanwaltschaft beantragte, den Mann wegen Diebstahls, Hausfriedensbruchs, Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes und anderer Delikte schuldig zu sprechen. Als Strafmass sah sie eine bedingte Freiheitsstrafe von zehn Monaten und eine Busse von 400 Franken als gerechtfertigt. Zudem sei der Beschuldigte für sieben Jahres des Landes zu verweisen und die Ausschreibung im Schengener Informationssystem (SIS) anzuordnen.

Auf Asylgesuch nicht eingetreten

Der Algerier war in die Schweiz gekommen, um ein Asylgesuch zu stellen. Laut Anklageschrift trat das Staatssekretariat für Migration mit Entscheid vom 15. November 2019 nicht darauf ein, weil der Beschuldigte zuvor bereits in mehreren Europäischen Ländern Asylgesuche gestellt hatte, zuletzt in Österreich. Dorthin wurde er am 10. Februar 2020 ausgeschafft. Einen Tag später traf er in der für ihn zuständigen Bundesbetreuungseinrichtung ein. Später tauchte er aber offenbar unter. Zuvor hatte er ein Gesuch gestellt um Dispensation von der Gerichtsverhandlung.

Die Verhandlung am Kreisgericht St.Gallen fand somit ohne den Beschuldigten statt. Der Verteidiger prangerte zunächst an, dass offenbar viele Leute ihre Autos unverschlossen abstellen. Man habe es den Tätern sehr leicht gemacht, an Beute zu kommen. Er betonte:

«Gelegenheit macht Diebe. Etwas weniger Leichtsinn würde den Diebstahl erschweren.»

Die ganze Strafuntersuchung habe sich sehr aufwendig gestaltet, da sein Mandant und der Komplize nur zwei von mehreren Tätern seien. Sie alle hätten in Kreuzlingen in einem Asylzentrum für definitiv abgelehnte Flüchtlinge gewohnt. Ihnen sei bewusst gewesen, dass sie keine Chance auf ein Verbleiben in der Schweiz hätten.

Verteidiger verlangt mildes Urteil

Der Verteidiger verlangte für seinen Mandanten mehrere Freisprüche, eine Reduktion der Strafe und der Dauer der Landesverweisung sowie der Verzicht auf die Ausschreibung im SIS. Gerade weil mehrere Täter in Frage kämen, sei es nicht eindeutig, welche Straftaten dem Beschuldigten zuzuordnen seien. Die einen habe er zugegeben, andere klar verneint. Auch habe er ausgesagt, dass er aufgrund von Alkohol- und Drogenkonsums vieles nicht mehr wisse.

Das Kreisgericht St.Gallen folgte grossmehrheitlich den Anträgen der Anklage. Die Landesverweisung senkte es von sieben auf sechs Jahre. Diese wird im Schengener Informationssystem ausgeschrieben. Die Verfahrenskosten belaufen sich auf rund 12‘600 Franken, die eigentlich der untergetauchte Beschuldigte bezahlen müsste.