St.Gallen als Wohnort attraktiv machen: Stadt arbeitet an einer Strategie für den Wohnraum der Zukunft

Im Herbst 2020 will der St.Galler Stadtrat eine Wohnraumstrategie präsentieren. Sie soll aufzeigen, welcher Wohnraum in Zukunft gefragt ist.

Daniel Wirth
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Die Wohnüberbauung an der Zwyssigstrasse im Sömmerli. (Bild: Benjamin Manser - 1. Juni 2016)

Die Wohnüberbauung an der Zwyssigstrasse im Sömmerli. (Bild: Benjamin Manser - 1. Juni 2016)

Die Zahl der Einwohnerinnen und Einwohner der Stadt St.Gallen stagniert bei knapp unter 80'000. Nicht zuletzt deshalb hat der Stadtrat 292'500 Franken gesprochen für die Erarbeitung einer Wohnraumstrategie. Sie hat das Ziel, die Stadt als Wohnort wieder attraktiver zu machen.

Exakt hier hapert es: Denn im Gegensatz zur Bevölkerungszahl sind die Zahlen der Wohnungen und der Arbeitsplätze in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Baudirektorin Maria Pappa und Stadtplaner Florian Kessler informierten gestern, wie die Wohnraumstrategie im Detail erarbeitet wird. Der partizipative Prozess ist am Laufen; im Mai dieses Jahres begann die Ist-Analyse.

Vergleichsweise viele leere Wohnungen

Maria Pappa sagte zum Ist-Zustand, die Stadt habe ein vielfältiges Angebot an Wohnraum, ein beachtlicher Teil harre der Erneuerung und es gebe Entwicklungsgebiete und Investoren. Im Gegensatz zu anderen Städten habe St.Gallen mit einem vergleichsweise hohen Leerwohnungsbestand von 2,3 Prozent keinen Druck, neuen Wohnraum zu bauen. Gleichwohl interessiere den Stadtrat sehr, weshalb jemand die Stadt als Wohnort meide oder bevorzuge, sagte Pappa.

Um das herauszufinden, führt die Stadt eine Befragung von Zu- und Wegzügern durch. Arbeitspendler, die auswärts wohnen und in der Stadt arbeiten, werden ebenfalls befragt. Diese Umfragen führt die Stadt, bei der die Dienststelle Stadtplanung den Lead hat, nicht selbst durch. Sie arbeitet mit Fachleuten der Forschungsstelle Sotomo in Zürich zusammen. Auch die Fachhochschule St.Gallen wird einbezogen.

Spezialisten erstellen Quartierporträts

Pappa sagte, jedes Quartier in St.Gallen habe einen eigenen Charakter. Um diese Charakteren herauszuschälen, werden von der Keeas Raumkonzepte AG Quartierporträts erstellt. Um Trends bei Wohnformen zu erkennen und ihren Handlungsspielraum bei der Entwicklung von Arealen zu definieren, arbeitet die Stadt bei der Wohnraumstrategie auch mit der FHS zusammen.

Was für Wohnraum ist in Zukunft speziell gefragt? Die Wohnraumstrategie soll dazu Antworten für die Stadt St.Gallen liefern. Im Bild die smarte Siedlung Sturzenegg in Winkeln. (Bild: Ralph Ribi, 31. August 2018)

Was für Wohnraum ist in Zukunft speziell gefragt? Die Wohnraumstrategie soll dazu Antworten für die Stadt St.Gallen liefern. Im Bild die smarte Siedlung Sturzenegg in Winkeln. (Bild: Ralph Ribi, 31. August 2018)

Ein erster Workshop mit Immobilienentwicklern, Bankern, Investoren, Verbänden und Genossenschaftern hat bereits stattgefunden. Dieser Austausch sei spannend und befruchtend, sagt Stadtplaner Florian Kessler. Im Herbst dieses Jahres werde ein zweiter Workshop durchgeführt. Danach wird bis November ein erster Entwurf der Wohnraumstrategie verfasst und dem Stadtrat unterbreitet.

Konzept soll in gut einem Jahr vorliegen

Bis im Mai nächsten Jahres wird eine Priorisierung vorgenommen, ehe ein dritter Workshop mit Akteurinnen und Akteuren des Wohnungsbaus stattfinden soll. Zum Schluss soll in rund einem Jahr eine Reflexion folgen und das Papier danach vom Stadtrat verabschiedet werden.

Das Ganze klingt im Moment recht theoretisch und trocken. Die Absicht ist aber klar: In der Stadt sollen bedarfsgerechte Wohnangebote für verschiedene Bevölkerungsgruppen geschaffen, die Wohnqualität gefördert und ein Wachstum der Bevölkerungszahl ermöglicht werden. 

Zu den Details der Wohnraumstrategie.

St. Gallen hat die billigsten Mietwohnungen

In Genf zahlt eine Familie für die gleich grosse Wohnung fast doppelt so viel Miete wie in St. Gallen. Dies zeigt eine Studie von Comparis. Als Grund nennen die Studienverfasser die geringere Standortattraktivität.
Christoph Renn