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St.Gallen 2050: Älter, grüner, mobiler – und baulich verdichtet

St.Gallen soll wachsen und muss sich dafür baulich entwickeln. Ideen, in welche Richtung es dabei gehen soll, sind vorhanden. Wie St.Gallen in 50 Jahren aussehen wird, ist nicht abschätzbar. Stadtplaner Florian Kessler wagt trotzdem einen Blick in die Zukunft.
Reto Voneschen
Das Industriegebiet von Winkeln ist eines der wichtigsten wirtschaftlichen Stadtentwicklungsgebiete der Region. Hier beteiligen sich St.Gallen, Gossau, Gaiserwald und Privatunternehmen gemeinsam an der Suche nach neuen Visionen. (Bild: Urs Bucher - 16. Januar 2019)

Das Industriegebiet von Winkeln ist eines der wichtigsten wirtschaftlichen Stadtentwicklungsgebiete der Region. Hier beteiligen sich St.Gallen, Gossau, Gaiserwald und Privatunternehmen gemeinsam an der Suche nach neuen Visionen. (Bild: Urs Bucher - 16. Januar 2019)

Wie viele Einwohner wird St.Gallen in 50 Jahren haben? Die Frage, die am Donnerstagabend im gut gefüllten Festsaal der Ortsbürger gestellt wird, tönt harmlos. Ältere Semester, und die meisten am Vortrag der Reihe «Stadtgeschichte im Stadthaus» zählen dazu, wissen allerdings nur zu gut, dass es sich um eine Falle für jeden vorschnell antwortenden Prognostiker handelt.

Man erinnere sich nur an HSG-Professor Francesco Kneschaurek, der angesichts der damals herrschenden Hochkonjunktur in den frühen 1970er-Jahren geweissagt hatte, dass die Gallusstadt um die Jahrtausendwende 100'000 Bewohner haben werde. Der Referent vom Donnerstagabend ging nicht in diese Falle: Die Bevölkerungszahl könne man auf 50 Jahre hinaus nicht mehr einigermassen zuverlässig voraussagen. Sie hänge von ganz vielen Faktoren ab, entschärfte Stadtplaner Florian Kessler den potenziellen «Imagekiller».

Die Stadt soll überproportional wachsen

Die Diskussionsrunde nach dem Vortrag des Stadtplaners drehte sich stark ums Bevölkerungswachstum. So wollte einer wissen, wieso St.Gallen überhaupt weiter wachsen müsse. Die Behörden von Kanton wie Stadt postulieren in Visionen, dass die Bevölkerung weiter zunehmen werde. Der Kanton rechnet bis 2040 mit einem Plus der Wohnbevölkerung um insgesamt rund 85'000 Personen. Und die Kantonshauptstadt soll deutlich mehr dieser Zuwanderer aufnehmen als die Region.

Der Waldacker neben dem Areal der Burgweier: Hier planen die Ortsrbürger zusammen mit einem Investor über 100 neue Wohnungen. (Bild: Michel Canonica - 24. Februar 2017)

Der Waldacker neben dem Areal der Burgweier: Hier planen die Ortsrbürger zusammen mit einem Investor über 100 neue Wohnungen. (Bild: Michel Canonica - 24. Februar 2017)

Diese Entwicklung der Stadt mache ökologisch und ökonomisch Sinn, begründete Stadtplaner Kessler dieses Ziel. Ob es überhaupt erreichbar sei, wenn alle Gemeinden zwischen See und Alpstein quantitatives Wachstum anstrebten, wollte ein anderer wissen. Als Argument dafür führte Florian Kessler unter anderem die Sogwirkung bestehender grosser Siedlungsräume an.

Nicht zur Sprache kam am Donnerstagabend – wie zu anderen Themen auch – die Rolle der Politik: Wenn das Wachstumsziel für die Stadt erreicht werden soll, wird es nicht ohne Lenkungsmassnahmen gehen. Solche sind aber eben nicht Sache der Planer, sondern von Politikerinnen und Politiker.

Müssen St.Gallen und Wittenbach fusionieren?

An der Bruggwaldstrasse sind St.Gallen und Wittenbach schon heute zusammengewachsen. Der Grenzverlauf ist nur für Eingeweihte ersichtlich. (Bild: Ralph Ribi - 23. November 2017)

An der Bruggwaldstrasse sind St.Gallen und Wittenbach schon heute zusammengewachsen. Der Grenzverlauf ist nur für Eingeweihte ersichtlich. (Bild: Ralph Ribi - 23. November 2017)

Genau wie andere Weichenstellungen für das St.Gallen der Zukunft politische Entscheide nötig machen. Eine ganz wichtige darunter wurde in der Diskussionsrunde vom Donnerstagabend angesprochen: das Verhältnis von St.Gallen und Wittenbach.

Die Gebiete der beiden Gemeinden werden funktional weiter zusammenwachsen, ist der Fachmann sicher. Ob das zu einer Fusion führt, ist für Florian Kessler offen. Das sei letztlich eine Frage, die die Politik zu entscheiden hätte. In letzter Konsequenz würde so ein Beschluss vom Stimmvolk in St.Gallen und Wittenbach gefällt.

Die Stadt ist grundsätzlich gebaut

In seinem Referat «St.Gallen 2050: Ausblicke auf die bauliche Weiterentwicklung des Stadtgebiets» hatte Stadtplaner Florian Kessler zuvor einen Überblick über die geltenden raumplanerischen Grundsätze und ihre Umsetzung in der Stadt St.Gallen gegeben. Die Stadt soll sich nicht mehr ins grüne Umland fressen.

Im Areal des Kantonsspitals wird gebaut. Neben diesem Jahrhunderprojekt sind in diesem Stadtteil weitere Veränderungen an der Steinachstrasse (Stichwort Busdepot), auf dem Olma-Areal (Stichwort Autobahndeckel) und auf beiden Seiten des Bahnhofs St.Fiden im Gang. (Bild: Michel Canonica - 30. Januar 2019)

Im Areal des Kantonsspitals wird gebaut. Neben diesem Jahrhunderprojekt sind in diesem Stadtteil weitere Veränderungen an der Steinachstrasse (Stichwort Busdepot), auf dem Olma-Areal (Stichwort Autobahndeckel) und auf beiden Seiten des Bahnhofs St.Fiden im Gang. (Bild: Michel Canonica - 30. Januar 2019)

Sie soll durch die Entwicklung des vorhandenen Siedlungsgebiets, durch das Ausschöpfen dort vorhandener Potenziale wachsen. Bei konkreten Projekten fällt dabei meist das Stichwort von der baulichen Verdichtung.

Ein komplexer Prozess

Dieser Prozess der Innenentwicklung ist gemäss Stadtplaner Kessler komplexer als die frühere Siedlungsentwicklung ins Umland hinaus. Zum einen besteht die Innenentwicklung aus vielen Einzelplanungen – vom Ersatz eines Einfamilienhauses durch ein grösseres Wohnhaus bis hin zum Ersatz grosser Überbauungen. Zum anderen sind die Interessenkonflikte zwischen verschiedenen Nutzungen und Nutzern im überbauten Gebiet grösser als auf der grünen Wiese.

Auch aufgrund des Klimawandels werden Bäume im Stadtbild immer wichtiger. Im Bild der Kornhausplatz mit frisch gepflanzten, noch jungen Bäumen. (Bild: Urs Bucher - 31. August 2018)

Auch aufgrund des Klimawandels werden Bäume im Stadtbild immer wichtiger. Im Bild der Kornhausplatz mit frisch gepflanzten, noch jungen Bäumen. (Bild: Urs Bucher - 31. August 2018)

Da die Innenentwicklung mehr Betroffene hat und grössere Betroffenheit auslöst, sind partizipative Prozesse heute wichtiger als früher. Damit lasse sich die Umgebung eines Projektes informieren, man könne ihre Bedürfnisse klären und bei ihr auch Verständnis für ein Vorhaben wecken. Partizipative Verfahren, so betonte Florian Kessler am Donnerstagabend im Stadthaus der Ortsbürger, erleichterten das Bauen im Siedlungsgebiet, sie seien aber keine absolute Erfolgsgarantie für ein Projekt.

Die Innenentwicklung soll gemäss dem Stadtplaner nicht nur mehr Nutzfläche bringen, sie soll auch mit mehr Qualität etwa in der Freiraumgestaltung verbunden sein. Einen Hebel zur Durchsetzung dieses Anspruchs hat die Stadt, wenn etwa mit Sondernutzungsplänen gebaut wird, wie Stadtplaner Kessler später in der Fragerunde festhielt.

Trotz mehr Häusern und Leuten hohe Lebensqualität

In seinen Visionen 2030 schwebt dem Stadtrat eine baulich verdichtete Stadt unter anderem mit hoher Lebensqualität und vielfältiger Gesellschaft vor. Klar ist zudem, dass St.Gallen in 50 Jahren eine ältere Stadt als heute sein wird. Der Anteil der älteren Jahrgänge wird nochmals grösser sein als heute. Die Vorstellungen übers Leben und damit die Lebensstile werden zudem quer durch die Altersgruppen individueller sein.

Wie gross die Folgen des Klimawandels für die Stadt St.Gallen werden, ist für Florian Kessler offen. «Urban Heating», das Aufheizen stark überbauter Gebiete im Sommer, werde jetzt aber auch hierzulande ein Thema. Die Bedeutung von Grün im Siedlungsraum nehme in Zukunft sicher zu, glaubt der Stadtplaner.

Verkehrsthema bleibt uns erhalten

Ein Thema in St.Gallen 2050 wird nach Meinung von Florian Kessler der Verkehr bleiben. Die Mobilität werde gemäss Prognosen weiter zunehmen. Eine gute Erreichbarkeit der Stadt sei für die Entwicklung der Stadt bedeutend und die Verkehrsabwicklung auf ihrem Gebiet bleibe eine wichtige Fragen. Nicht absehbar sei hingegen, wie die Mobilitätsbedürfnisse der Zukunft befriedigt würden. Da sei viel im Fluss; welche Technologie sich durchsetzen werde, sei offen.

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