St.Fiden erwacht aus dem Dornröschenschlaf: Weshalb der Wegzug der Firma Kellenberger eine Chance für das Quartier ist

270 Jobs verliert die Stadt mit dem Weggang der Kellenberger AG. Doch für St.Fiden ist dies eine Chance, sagt ein Standortförderer.

Sandro Büchler
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In drei Jahren schliesst die L. Kellenberger & Co. AG die Tore in Heiligkreuz. Wer stattdessen in die Gebäude einzieht, soll ein Nutzungskonzept zeigen.

In drei Jahren schliesst die L. Kellenberger & Co. AG die Tore in Heiligkreuz. Wer stattdessen in die Gebäude einzieht, soll ein Nutzungskonzept zeigen.

Bild: Ralph Ribi

Ein traditionsreiches Unternehmen kehrt der Stadt den Rücken. Vergangene Woche gab die L. Kellenberger & Co. AG bekannt, ihre Produktion von Heiligkreuz nach Goldach zu verlagern. Dort baut die Herstellerin von Präzisionsschleifmaschinen eine neue, auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Fabrikhalle.

«Das ist sehr bedauernswert», sagt Samuel Zuberbühler, Leiter der Standortförderung der Stadt St.Gallen. In der Stadt fand die Firma keinen geeigneten Platz. Zuberbühler:

«Areale in dieser Grösse gibt es in St.Gallen fast nicht mehr.»
Samuel Zuberbühler, Leiter der Standortförderung Stadt St.Gallen.

Samuel Zuberbühler, Leiter der Standortförderung Stadt St.Gallen. 

Bild: pd

Der Wegzug des Maschinenbauunternehmens mit 270 Arbeitsplätzen findet in einem Quartier statt, dass aktuell ohnehin schon eine grosse Dynamik zeige. Denn in St.Fiden und Heiligkreuz tue sich aktuell enorm viel. Das Quartier erlebe einen Entwicklungsschub.

Quartierverein will Leerstände vermeiden

«Veränderungen bieten immer Chancen für Neues», sagt Mathias Inhelder, Vorstandsmitglied des Quartiervereins Nordost-Heiligkreuz. Zwar bedauert auch er die Schliessung des Produktionsstandorts neben dem Espenmoos sehr. «Aber wir sind ein aufstrebendes Quartier, welches aktuell einem starken Wandel unterworfen ist.» Neuerungen gehörten dazu.

Und Neues entsteht in St.Fiden zur Zeit viel. Inhelder zählt auf: Einerseits erwähnt er das Projekt Neuland, also die Überdachung der Stadtautobahn, auf dem bis ins Jahr 2024 eine neue Olma-Halle gebaut wird. Andererseits spiele die Entwicklungen rund um den Bahnhof St.Fiden eine Rolle, vorab mit der Zwischennutzung Areal Bach. Auch der neue Uni-Campus am Platztor und das von Urs Peter Koller geplante Hotel an der St.-Jakob-Strasse vis-à-vis des Hotels Radisson Blu trage zur Entwicklung bei. «Diese und weitere Grossprojekte zeigen, dass Nordost-Heiligkreuz definitiv aus dem Dornröschenschlaf erwacht.»

Im Quartier fänden vielfältige Nutzungen ihren Platz und stiessen auf reges Interesse. «Egal, ob Wohnen, Leben oder Arbeiten, innovative Projekte und Ansätze unterstützen wir auf ganzer Linie.» Wichtig ist dem Quartierverein, dass Leerstände vermieden werden.

Den sozialen Zusammenhalt fördern

Der Osten der Stadt sei einer stetigen Verdichtung ausgesetzt, sagt Inhelder. «Für Begegnung und den sozialen Austausch werden deshalb Aussenräume umso wichtiger.» Damit seien Grünflächen und Pärke gemeint, aber auch qualitativ hochwertig gestaltete Strassenräume und gemeinsam genutzte «halbprivate» Freiräume. Inhelder weiss, wovon er spricht, denn er ist selbst Architekt. Die angesprochenen Aussenräume entstünden aber nicht ohne weiteres.

«Sie müssen vorab entwickelt werden.»

Nur so könne sich das Leben in der Nachbarschaft positiv weiterentwickeln, sagt das Vorstandsmitglied des Quartiervereins. «Der Austausch und der Zusammenhalt unter den Bewohnern und den Menschen, die hier arbeiten, soll so aktiv gefördert werden.» Das stärke die Verbundenheit zum Quartier.

Für den Geist eines Quartiers könnten sich Entwicklungen in der Grössenordnung wie beim Areal der Firma Kellenberger positiv auswirken. «So würde dies unser Quartier innovativ, nachhaltig und stetig vorwärtsbringen.» Falls sich der Quartierverein an diesem Prozess in einer Form beteiligen könne, sei man selbstverständlich dazu bereit. Wie das Kellenberger-Areal künftig genutzt wird, sei aber Sache des Investors. «Wir sind froh und dankbar, wenn in unserem Quartier investiert wird und möchten wo möglich den Weg ebnen.» Der Quartierverein wolle in Gesprächen mitwirken, um so gemeinsam Ideen und Visionen für die Gebäude zu entwickeln.

Zahlreiche Interessenten haben sich bereits gemeldet

Das Angebot will Christian Wick aufnehmen. Er ist Projektleiter bei der Immobilienentwicklerin Mettler2Invest AG, die das Kellenberger-Gelände gekauft hat. «Noch haben wir offene Fragen.» Man wolle nun mit den Interessengruppen Kontakt aufnehmen. «Ziel ist ein nachhaltiges Nutzungskonzept für die Liegenschaft.» Unmittelbar nach dem Kauf skizzierte Wick die Idee eines Gewerbeparks mit Start-ups und Ateliers. «Wir sind offen für diverse Nutzungen.» Bereits habe er zahlreiche Anfragen erhalten. Das Telefon läuft heiss. Namen von Interessenten könne er aber keine nennen. «Darunter ist alles, von Privaten, über Firmen und bis hin zu Institutionen – aus der Stadt und der nahen Umgebung.»

Für Wick sind die vielen Interessenten und deren Bedürfnisse wichtig: «Sie sind eine Art Wegweiser, wie die künftige Nutzung des Gebäudes aussehen könnte.» Zusammen mit dem Quartierverein, der Stadt und den Interessenten wolle man so eine möglichst positive Nutzung für das Quartier finden. «Sodass aus der Vision ein Plan wird.»