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Steinach als Vorbild für erneuerbare Energien

Im Bereich erneuerbare Energien spielt Steinach eine Vorreiterrolle. Nun erhält die Gemeinde ein weiteres Energiestadt-Label. Zu verdanken hat sie das Gemeinderat Roland Etter. Dieser hat noch grosse Ziele.
Jolanda Riedener
Roland Etter tankt sein Auto an der Stromtankstelle Morgental: Das Fotovoltaik-Dach generiert genug Strom, um ein Auto jährlich bis zu 1 (Bild: Jolanda Riedener)

Roland Etter tankt sein Auto an der Stromtankstelle Morgental: Das Fotovoltaik-Dach generiert genug Strom, um ein Auto jährlich bis zu 1 (Bild: Jolanda Riedener)

Steinach gibt Gas im Bereich Umweltschutz. Seit 2011 setzt die Gemeinde am See mit rund 3550 Einwohnerinnen und Einwohnern auf erneuerbare Energien. Vergleicht man die Strommenge, welche die Gemeinde aus Fotovoltaikanlagen gewinnt mit der ganzen Schweiz, so wird in Steinach doppelt so viel Leistung pro Kopf aus Sonnenenergie gewonnen. Im europäischen Vergleich zeigt sich die Pro-Kopf-Leistung noch eindrücklicher: Steinach folgt an vierter Stelle nach Italien, Griechenland und Deutschland.

Warum sind die Steinacherinnen und Steinacher so umweltbewusst? Ist die Gemeinde eine Grünen- und Öko-Hochburg? Linke Ortsparteien gibt es nicht. Den Anstoss zur Energiepolitik der Gemeinde gab ein Parteiloser. Roland Etter hat sich an Bürgerversammlungen immer wieder für erneuerbare Energie stark gemacht. Einer Partei beizutreten, kam für ihn nie in Frage.

Hurrikans, Überschwemmungen, Trockenheit – Berichte von Umweltkatastrophen gehen ihm nahe. «Der Auslöser war Tschernobyl», sagt Etter. Vorher sei er Befürworter von Atomkraftwerken gewesen. Nach der Katastrophe änderte sich seine Meinung und er begann sich in den 1990er-Jahren für Umweltschutz einzusetzen.

«Für mich war klar, dass ich etwas tun muss»,

sagt Etter und denkt dabei auch an seine Kinder und die nächsten Generationen, die auf diesem Planeten leben werden.

Grosse Ziele bis ins Jahr 2100

Der gelernte Ingenieur ist seit der Gründung der Energiekommission 2011 deren Präsident, 2013 wurde Etter in den Steinacher Gemeinderat gewählt. Zu seinen Aufgabenbereichen gehört das Ressort erneuerbare Energie und Umwelt. Die Gemeinde peilt eine 2000-Watt-Gesellschaft an: Bis ins Jahr 2100 sollen Steinacher 2,5-mal weniger Energie verbrauchen und zehnmal weniger CO2 produzieren als 2016.

«Für mich war von Anfang an klar, wenn ich mich für den Bereich erneuerbare Energie einsetze, will ich auch vorwärts machen», sagt Etter. Der Gemeinderat teilt seine Meinung und hat umfangreiche Massnahmen erlassen sowie Förderbeiträge gesprochen (siehe Zweittext). 580 Beiträge für 420 000 Franken zahlte die Gemeinde bisher. 91 Dächer verfügen über eine Fotovoltaikanlage. Roland Etters Haus war das erste in Steinach, auf dessen Dach Solarzellen angebracht waren: Damals, 1990, zahlte er 55000 Franken, heute kostet eine ähnliche Anlage noch 8000 Franken.

Gewerbe profitiert von Aufträgen aus Fördergeldern

Auf allen öffentlichen Gebäuden der Gemeinde ist je eine Fotovoltaik-Anlage installiert. Meistens ist Etter mit dem Velo unterwegs, in seiner Garage steht ein Elektroauto: «Mir ist wichtig, nach meinen Überzeugungen zu leben.» Sein Wissen im Bereich Umweltschutz und erneuerbare Energien hat sich Etter grösstenteils selbst angeeignet. Er erhält immer wieder Anfragen für Vorträge oder Auskünfte. Bereits seit 2012 darf sich Steinach Energiestadt nennen. Im Dezember findet erneut eine Labelübergabe statt: Die Gemeinde wird zum zweiten Mal für ihre nachweisbaren und vorbildlichen Resultate in der Entwicklung ihrer kommunalen Energie- und Klimapolitik ausgezeichnet.

Die Gemeinde hat sich gegenüber dem letzten Audit um 15,3 Prozent gesteigert. «Das ist eine gute Leistung», sagt Etter. Die Labelkommission Energiestadt bewertet europaweit Gemeinden anhand verschiedener Kriterien wie Mobilität, Kommunikation, Ver- und Entsorgung, Raumordnung oder Gebäude und Anlagen. Etter hofft auf eine erneute Steigerung: Von 71,3 Prozent will er Steinach auf 75 Prozent bringen. Nicht nur die Energie in Steinach soll sauber sein, auch die Aufträge sollen lokal vergeben werden: Bereits 5,1 Millionen Franken wurden dank Förderbeiträgen von 22 Lieferanten aus Steinach sowie weiteren aus der Umgebung umgesetzt. «Das Credo ist, Wertschöpfung und Arbeitsplätze im Dorf zu schaffen.»

Gemeinde schafft Anreize zum Naturschutz

Ab Dezember bietet Steinach den Bürgern ein Elektroauto zur Miete an. Geladen wird es mit Steinacher Strom. Auch für den Kauf von Elektrofahrzeugen gibt es Beiträge. Das längerfristige Ziel ist, dass 20 Prozent des verbrauchten Stroms in Steinach von Fotovoltaikanlagen in der Gemeinde kommt. Würden alle geeigneten Dächer ausgestattet, könnte 54 Prozent des Stroms produziert werden. Auch für den Bau von Fotovoltaik und Sonnenkollektoren zur Strom- und Warmwasserproduktion gibt es Beiträge. Die Gemeinde kauft in Steinach produzierten Solarstrom zu einem guten Tarif ab.

Weiter fördert sie den öffentlichen Verkehr: Ab Dezember fahren Busse nach St. Gallen im Viertelstunden-Takt. Gefördert werden weiter Gebäudesanierungen, Energieberatungen oder Energiechecks fürs Gewerbe.

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