Rücktritt von Steinachs Gemeindepräsident: Für Ortsparteien keine Überraschung

Steinachs Gemeindepräsident tritt per Ende 2019 frühzeitig ab. Roland Brändli freut sich darauf, sich aus der Politik zurückzuziehen und nicht mehr in der Öffentlichkeit zu stehen. Die Ortsparteien nehmen es mit Fassung.

Jolanda Riedener
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Im September gab Roland Brändli bekannt, dass er sich 2020 nicht mehr zur Wahl stellen wird. (Bild: Jolanda Riedener)

Im September gab Roland Brändli bekannt, dass er sich 2020 nicht mehr zur Wahl stellen wird. (Bild: Jolanda Riedener)

«Es herrscht Aufbruchstimmung», sagt Steinachs Gemeindepräsident Roland Brändli (FDP). Seit er im September vergangenen Jahres bekannt gegeben hatte, dass er für die nächste Legislatur nicht zur Verfügung zu stehe, habe sich das bemerkbar gemacht. Er spüre, dass man nach einem angekündigten Rücktritt nicht mehr den gleichen notwendigen politischen Rückhalt habe, schreibt Brändli in einer Medienmitteilung. Deshalb werde er bereits auf Ende diesen Jahres das Amt abgeben.

«So ist es auch in der Privatwirtschaft: Wenn einer kündigt, gibt es eine Neuorientierung im Betrieb», sagt der Gemeindepräsident. Gerade wenn es darum gehe, neue Projekte anzugehen, spüre er eine gewisse Unsicherheit, wie es weiter gehe. Auch bei Personen, die ihm politisch nahe stehen. Deshalb wolle er im Interesse einer ungebremsten Weiterentwicklung von Steinach den Weg für eine möglichst schnelle Nachfolgeregelung frei machen.

Seine letzte Bürgerversammlung

Zwar habe Roland Brändli im vergangen Jahr noch nicht gewusst, dass er bereits auf Ende 2019 aufhören wolle. Aber so mache es für ihn nun Sinn. «Das Dorfjubiläum wird ein schönes Abschlussjahr», sagt er. Es sei eine ideale Gelegenheit, den Führungswechsel vorzunehmen. Ausserdem sollte seiner Meinung nach nicht zu viel Zeit vergehen zwischen der Bekanntgabe und des definitiven Rücktritts.

«Vor der Bürgerversammlung im März wurde mir plötzlich bewusst, dass es vielleicht meine letzte sein wird», sagt Brändli. Er freue sich nun auf die verbleibende Zeit und insbesondere auf die Aktivitäten im Jubiläumsjahr. Hat Roland Brändli nach der Bekanntgabe im September die Lust am Amt verloren? «Nein, das nicht. Ich hätte noch viele Ideen und würde gerne noch neue Projekte anreissen. Aber ich freue mich darauf, mich aus der Politik zurückzuziehen und vor allem, nicht mehr in der Öffentlichkeit zu stehen.»

Welche Richtung er beruflich einschlagen werde, wisse er noch nicht. Sicher sei momentan nur, dass er kein politisches Amt mehr ausführen will. Dennoch wolle er sich nun nochmals voll auf seine Aufgaben konzentrieren und für seinen Nachfolger ideale Voraussetzungen schaffen.

Vorzeitiger Abgang erstaunt nicht

Nicht mit dem vorzeitigen Rücktritt gerechnet haben die Präsidenten der Steinacher Ortsparteien. Überrascht sei man ebenfalls nicht. Man wolle den Austausch bei der Suche nach einer Nachfolge weiterhin pflegen, sind sie sich einig. Für die Gemeinde positiv werten den frühen Abgang insbesondere CVP-Präsidentin Gisela Dudler und SVP-Präsident Mäge Luterbacher. Er habe sich gefragt, warum Brändli nicht früher gehe, als er bekannt gab, sich nicht mehr zur Wahl zu stellen, sagt Luterbacher.

«Natürlich muss nun das Auswahlverfahren beschleunigt werden», sagt Dudler. Man gehe aber davon aus, dass der Gemeinderat den Wahltermin so ansetzt, dass genügend Zeit bleibt. Dass Brändli nun der politische Rückhalt fehle, lässt Dudler nicht gelten. Bei der letzten Wahl hätten ihn mehr als die Hälfte der Steinacher nicht gewählt, 51 Stimmzettel seien leer eingeworfen worden. «Ich bezeichne das nicht als guten politischen Rückhalt.»

Roland Brändli war in den 12 Jahren als Gemeindepräsident nicht nur beliebt. Vor knapp drei Jahren versuchte eine Interessengemeinschaft im Dorf Brändlis Wiederwahl zu verhindern. Die Angelegenheit entwickelte sich zu einem wüsten Streit mit verhärteten Fronten.

Steinacher SVP stellt sich quer zu Roland Brändli

STEINACH. Die Steinacher SVP nominiert Markus Mäder zur Wiederwahl in den Gemeinderat und brüskiert Gemeindepräsident Roland Brändli mit ihrer Unterstützung der Kandidaten der IG Steinach. Die Gemeindewahlen finden am 25. September statt.