Steinacher Gemeinderatssitze sind heiss begehrt: Elf Kandidaten präsentieren sich am Wahlpodium - kritische Fragen werden aber nicht von allen goutiert

Nur drei Minuten Redezeit haben die elf Frauen und Männer am Montagabend erhalten. Sowohl bisherige als auch neue Kandidatinnen und Kandidaten wollen im Gemeinderat mitwirken - darunter Frischlinge und Ursteinacher.

Jolanda Riedener
Drucken
Teilen
Die Kandidatinnen und Kandidaten dürfen jeweils für drei Minuten ans Mikrofon treten.

Die Kandidatinnen und Kandidaten dürfen jeweils für drei Minuten ans Mikrofon treten.

Bild: Rudolf Hirtl

Die fünf Sitze im Steinacher Gemeinderat sind heiss begehrt. Das zeigt ein Blick auf die Bühne des Gemeindesaals am Montagabend: In alphabetischer Reihenfolge haben elf Kandidaten auf der Bühne Platz genommen. Jürg Lengweiler, Präsident des Gewerbevereins Steinach, fühlt den bisherigen Gemeinderäten und neuen Anwärtern auf den Zahn. Nur drei Minuten Zeit erhalten die Frauen und Männer, um sich und ihr Anliegen dem Publikum zu präsentieren.

Der Gemeindesaal ist fast bis auf den letzten Platz gefüllt, die Stühle sind mit Abstand zueinander im Saal verteilt, das Publikum ist in Sektoren eingeteilt und muss vorab Namen und Telefonnummer hinterlassen. Die Besucher betreten und verlassen den Raum gestaffelt. Veranstaltet haben das Podium die beiden parteilosen Kandidaten Roland Etter (bisher) und Andreas Lutz (neu).

Wer in den Gemeindesaal will, muss sich an das Sicherheitskonzept der Veranstalter halten. Dazu gehört auch die Angabe von Name und Telefonnummer am Eingang.

Wer in den Gemeindesaal will, muss sich an das Sicherheitskonzept der Veranstalter halten. Dazu gehört auch die Angabe von Name und Telefonnummer am Eingang.

Bild: Rudolf Hirtl

Unterschiede werden deutlich

Nicht alle Kandidaten sprechen gleich lang. Als erster darf Dominik Aliesch (SVP, neu) ans Mikrofon: Er möchte sich fürs Gewerbe stark machen und in Steinach neue Betriebe ansiedeln. «Ich will mich für einen konsensfähigen Gemeinderat einsetzen», sagt er. Auch die vielfältige Vereinskultur von Steinach gelte es beizubehalten. Dabei werde viel Freiwilligenarbeit geleistet, diese gelte es zu fördern.

Die parteilose Janine Eberle sehe viele bekannte Gesichter im Publikum, sagt sie. Sie kenne die Leute im Dorf insbesondere durch ihre Arbeit im elterlichen Betrieb, der Käserei in Obersteinach. Als angehende Juristin könne sie den Gemeinderat mit Fachwissen bereichern. Als 30-Jährige wolle sie eine junge Sichtweise einbringen und den jüngeren Bürgern eine Stimme geben, sie sei gleichzeitig aber für die Anliegen aller da.

Als nächstes darf sich der bisherige Gemeinderat Roland Etter (parteilos) vorstellen: 2011 habe er begonnen, in der Energiekommission mitzuwirken. 2013 wurde er in den Rat gewählt und engagiert sich seither im Bereich Energie und Umwelt. «Ich setze mich für eine Wertschöpfung und Arbeitsplätze im Dorf ein», sagt er. Energie solle nachhaltig und vor Ort produziert werden, so erhalte man Versorgungssicherheit und Einfluss auf den Betrieb. Er setze sich ausserdem für ein lebendiges Dorf ein - und das sei keine Worthülse.

Urgesteine betonen Verbundenheit zum Dorf

Der FDP-Gemeinderat Markus Lanter fühle sich wohl neben Roland Etter. Auch im Gremium arbeite man seit vier Jahren gut zusammen. Im Rat ist er fürs Ressort Alter und Gesundheit zuständig - «wohl wegen meiner Haarfarbe», scherzt er. So ist er auch für das betreute Wohnen Gartenhof zuständig. Lanter bezeichnet sich als Pragmatiker, der nicht immer linientreu, sondern auch über die Parteigrenze hinaus handelt.

Andreas Lutz (parteilos) kam vor 42 Jahren nach Steinach. «Damals hätte ich nicht gedacht, dass ich so oft auf dieser Bühne stehe», sagt er. Er habe viel von der Gemeinde bekommen, insbesondere das Festspiel zum Jubiläum, in dem er unter anderem als Laienschauspieler wirkte, habe ihm das deutlich gemacht. Angefangene Projekte würde er im Gemeinderat sauber zum Abschluss bringen oder wenn nötig auch unterbrechen, bevor sie ins Endlose laufen. «Egal ob ich gewählt werde, ich möchte mich dafür einsetzen, dass Steinach weiterkommt.»

Auch der Grüne Beni Müggler ist Ursteinacher. Er stehe für ein nachhaltiges Steinach, in dem auch Menschen am Rande der Gesellschaft sowie junge Personen ernst genommen werden. Er ist gegen Baubrachen an bester Lage und gegen ein Hochhaus an der Grenze zu Arbon. Den Richtplan würde er als Gemeinderat gerne weiter umsetzen. Müggler findet, dass der aktuelle Rat seine Arbeit gut mache, weshalb auch die bisherigen Mitglieder wiedergewählt werden sollten.

Den Bürgern zuhören

Für die CVP sitzt Andreas Popp im Gemeinderat. Der Landwirt aus Obersteinach will im Bereich Raumplanung einiges zu Ende bringen. Er sei unter andrem für den Friedhof zuständig. Als Gemeinderat müsse man manchmal auch dem Kanton die Stirn bieten. Unter Weitblick versteht Popp, eine Strategie zu entwickeln und über einen Horizont von zwei Jahren hinauszudenken. In diesem Sinne wolle er das Dorf weiterbringen.

Eva-Maria Schwerzmann Glaus ist parteilos und kandidiert neu als Gemeinderätin. Die Arbeitsagogin arbeitet im Thaler Asylzentrum Marienburg, wo unbegleitete Minderjährige unterkommen. Ihr beruflicher Hintergrund habe sie unter anderem auch dazu bewegt, sich für den Gemeinderat aufstellen zu lassen. «Ich habe ein offenes Ohr für die Steinacherinnen und Steinacher.»

Ebenfalls für die FDP kandidiert Diego Studerus. Er war während zwölf Jahren in der GPK der Gemeinde tätig. Deshalb habe er ein Verständnis für die Gemeindefinanzen und weiss, welche Aufgaben zum Beispiel die Schule und das betreute Wohnen Gartenhof haben. Freiheit und Eigenverantwortung seien Werte, die er vertrete. Er wolle sich für den Hochwasserschutz und Arbeitsplätze in Steinach einsetzen.

Zwei Zugezogene, die sich ins Dorf verliebten

In Steinach verliebt hat sich vor zehn Jahren Leonarda Wagner (parteilos). Die Fondsmanagerin ist damals vom Zürichsee in die Ostschweiz gekommen. Während der Coronakrise habe sie sich entschieden, etwas für die Gemeinschaft zu tun. Denn das Dorf liege ihr am Herzen. Als Rechts- und Finanzexpertin könne sie ihre Fähigkeiten in den Rat einbringen. Für sie müsse der Mensch im Vordergrund stehen.

Ebenfalls aus dem Kanton Zürich ist der parteilose Roland Wyler der Liebe wegen nach Steinach gezogen. Seit zwei Jahren lebt hier. Digitalisierung ist sein Fachgebiet. «Ich bringe frischen Wind in den Gemeinderat», ist er überzeugt. Er habe sich aufstellen lassen, weil er auf die Bedürfnisse und Anliegen der Bevölkerung höre. «Ich bin authentisch und unabhängig», sagt er.

Kritische Fragen lässt der Moderator nicht zu

Nach der Kennenlernrunde gibt es Zeit für Nachfragen von Moderator und aus dem Publikum. Dabei interessiert unter anderem die Betreuung von Betagten. Es geht um die Tarife für Bewohner des Pflegeheims Sonnenhalde in Arbon und ob diese von der Gemeinde auch nach der Fertigstellung des Steinacher Gartenhofs mitgetragen werden. Janine Eberle würde dies prüfen, sollte sie in den Rat gewählt werden. Markus Lanter (FDP) ergänzt: Die Bürger hätten sich dafür entschieden, das betreute Wohnen Gartenhof zu erweitern, deshalb habe man den Anteilsschein an der Genossenschaft Sonnenhalde nicht beibehalten können.

Jemand aus dem Publikum will von Diego Studerus wissen, wie er sich die Zusammenarbeit im Gemeinderat vorstellt, nachdem die GPK, bei der er als Präsident wirkt, Einsprache gegen das Budget erhoben hatte. Zum Antworten kommt Studerus aber nicht, der Moderator lässt die Frage nicht zu: «Bitte keine persönlichen Angriffe.»

Mehr zum Thema