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Der Mühleggbahntunnel spuckt Staub aus - ein Augenschein bei den Sanierungsarbeiten

Seit anderthalb Monaten ist das Mühleggbähnli ausser Betrieb. Spezialisten sanieren derzeit den Tunnel. Dabei ist Unvorhergesehenes passiert. Einmal spuckte der Tunnel Staub, ein anderes Mal brachen die Arbeiter in einen Garten durch.
Christina Weder
Damit es im Tunnel der Mühleggbahn künftig nicht mehr tropft, montieren Spezialisten ein System für die Entwässerung. (Bilder: Michel Canonica)

Damit es im Tunnel der Mühleggbahn künftig nicht mehr tropft, montieren Spezialisten ein System für die Entwässerung. (Bilder: Michel Canonica)

Steil geht es bergab, der Boden ist rutschig, von der Decke tropft es. Der dunkle Schlund, in den das Mühleggbähnli bis vor kurzem hineinratterte, ist mit Strahlern hell ausgeleuchtet.

Seit anderthalb Monaten machen sich Tunnelspezialisten an den nackten Tunnelwänden zu schaffen. Sie überprüfen das Gewölbe, sprengen mit Wasserhöchstdruck locker sitzendes Gestein weg. Sie flicken die Stellen mit Spritzbeton aus, verstärken sie bei Bedarf mit Ankern. Und sie bauen ein Entwässerungssystem ein, damit es künftig nicht mehr von der Decke tropft. Es ist eine Arbeit im Kunstlicht, Lärm und Staub, wie sich bei einer Besichtigung mit Projektleiter und Architekt Rolf Prim zeigt. Unter der Erde herrscht dicke Luft.

Eine Woche Vorsprung auf den Zeitplan

In der Stadt gibt es neben dem Ruckhaldetunnel derzeit also eine zweite Tunnelbaustelle. Der Mühleggbahntunnel wird auf seiner ganzen Länge von 300 Metern saniert – erstmals in seiner 125-jährigen Geschichte. Das ist nötig geworden, weil Wasser durch die Wände sickerte und das Mauerwerk in Mitleidenschaft zog. Baustart war Anfang April. Seither sind täglich 10 bis 15 Arbeiter im Stollen beschäftigt. Sie kommen laut Rolf Prim gut voran. Man sei dem Zeitplan sogar um eine gute Woche voraus – und dies, obwohl bisher nicht alles nach Plan verlief.

Der Mühleggbahntunnel ist zwar kurz, aber steil. «Das bedeutet für die Tunnelarbeiter eine Herausforderung», sagt Prim. Sie seien es gewohnt, auf ebener Fläche zu arbeiten. Nun müssten sie mit den Baumaschinen ein Gefälle von über 20 Prozent überwinden. Und ihre Arbeitsgeräte und die Abbruchsteine so lagern, dass sie nicht hinunterrollen und weiter unten stehende Kollegen gefährden. Es ist nicht die einzige Schwierigkeit im Tunnel.

Kaum hatten die Spezialisten am unteren Portal mit der Sanierung begonnen, wartete die erste Überraschung auf. Als sie loses Gestein mit Wasserhöchst­druck abtragen wollten, stellten sie fest, dass sich ganze Schichten lösten. Ein etwa 20 Meter langer Abschnitt des Tunnels war in viel schlechterem Zustand als erwartet. Die Decke war so dünn, dass die Arbeiter in den Garten von Anwohnern durchstiessen. Davon ist nichts mehr zu sehen. In diesen Tagen bauen sie eine Reihe von Armierungsbögen ein, um das Gewölbe in diesem Bereich zu verstärken.

Der Staub zieht zum Café Mühlegg hinüber

«Es ist Unvorhersehbares passiert», sagt Prim. Dazu zählt er auch die extreme Staubwolke, die sich nach den ersten Abbrucharbeiten gebildet hatte. Der Tunnel entwickelte dabei eine Sogwirkung wie ein Kamin und stiess den Staub oben bei der Bergstation aus – in Richtung Sonnenterrasse des Café Mühlegg. Da habe man sofort reagiert, sagt Prim. Eine Staubabsaugmaschine wurde installiert, ihre Rohre sind bei der Bergstation nicht zu übersehen.

Das Sanierungsprojekt kostet insgesamt 5,5 Millionen Franken. Rund die Hälfte wird für die Instandstellung des Tunnels aufgewendet. Diese dauert noch bis Ende Juli. Danach müssen der Boden betoniert, die Schienen montiert sowie der Motor, die Seilwinde und die Steuerungsschränke eingebaut werden. Von den Dimensionen her wird sich der Tunnel kaum verändern. Nur bei der Bergstation wurde das Gewölbe ausgebrochen. Er wird aber anders aussehen. Etwa die Hälfte des heute sichtbaren Felsens oder Mauerwerks wird von einer Spritzbetonschicht überzogen. Am 2. November, wenn das neue Mühleggbähnli den Betrieb aufnimmt, wird man sich davon ein Bild machen können.

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