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Zu Gast in der Stadt St.Gallen: Starkoch ohne Ritterschlag

Kocht Anton Mosimann nicht gerade für die britischen Royals, hält er seine private Küche so simpel und gesund wie möglich. In St.Gallen gönnt sich der Spitzenkoch aber gerne eine Bratwurst – oder zwei.
Seraina Hess
Der Koch, der mit der bunten Fliege zur Marke geworden ist, aber nicht mit «Sir» angesprochen werden will: Anton Mosimann. (Bild: Michel Canonica)

Der Koch, der mit der bunten Fliege zur Marke geworden ist, aber nicht mit «Sir» angesprochen werden will: Anton Mosimann. (Bild: Michel Canonica)

Ein Halt bei der Metzgerei Schmid muss sein, wenn Anton Mosimann in St. Gallen weilt, ganz gleich, wie knapp der Zeitplan bemessen ist. Der Berner Spitzenkoch, der mit Gattin Kathrin wahlweise in London und Montreux lebt, hat sich längst angeeignet, Privates und Berufliches zu verbinden. Vor ein paar Tagen überraschte er einen Freund im Zürcher Oberland mit Risotto zum Geburtstagsfest, gestern signierte der 71-Jährige nach der Mittagsrast beim Bratwurststand seine 2017 erschienene Biografie auf dem Olma-Messegelände, wo junge Gastronomen ihren Lehrabschluss feierten. Während die frisch Diplomierten am Anfang ihrer Karriere stehen, blickt der Sohn eines Wirtepaars auf ein bewegtes Berufsleben zurück, das noch lange kein Ende finden soll: «Das Wort Pensionierung habe ich im Dictionnaire noch nicht gefunden», sagt Mosimann.

Die Frau im Flugzeug kennen gelernt

Der heutige Spitzenkoch hatte mit einer Lehre im «Bären» in Twann begonnen, arbeitete noch vor dem 19. Lebensjahr in einem Fünfsternehotel in der Waadt und schliesslich in Restaurants in der Schweiz, in Frankreich, Belgien, Italien oder Japan – die Aufzählung ist bei weitem nicht vollständig. Beruflich wie privat prägend war das Jahr 1970, als er an der Weltausstellung in Osaka als Chef de Cuisine amtete und noch im Flugzeug seine Frau Kathrin kennenlernte, die fälschlicherweise auf seinem Sitz am Fenster Platz genommen hatte. Seither begleitet sie ihn auf seinen Reisen durch die Welt. «Und sie bekommt seit über 45 Jahren stets den Fensterplatz. Ich bin schliesslich ein Gentleman», sagt der Spitzenkoch.

Nicht nur Gastromen dürfte Anton Mosimann durch seine vielen Fachpublikationen und Erwähnungen an Berufsschulen ein Begriff sein. Einer breiteren Öffentlichkeit bekannt ist Mosimann in der Rolle als Chefkoch des Londoner Dorchester Hotels, oder aber als Begründer der ­Cuisine Naturelle, die auf Alkohol, Butter, Rahm und Öl verzichtet. Im eigenen Club-Restaurant in der Wahlheimat London ist stets viel Prominenz zu Gast. Mosimann kochte nicht nur für Politiker wie Bill Clinton, sondern seit Jahrzehnten auch für die britische Königsfamilie; 2011 gestaltete er sogar das Hochzeitsmenu von Prinz William und Kate Middleton.

Ein Missverständnis, das ewig währt

Sieben Jahre zuvor hatte ihm Königin Elisabeth II. den «Order of the British Empire» für seine Verdienste um die britische Gastronomie verliehen. Dieser Orden ist in fünf Stufen gegliedert, zu denen an der Spitze auch die Erhebung in den Adelsstand gehört. Deshalb wird Anton Mosimann oft mit «Sir» angesprochen. Selbst auf Einladungen wie jener zur Lehrabschlussfeier wird der Starkoch zum Ritter geschlagen, ab und zu auch in der Presse. Allerdings darf er mit seiner Auszeichnung in der vierten Stufe im Rang eines Officers einzig das Kürzel OBE seinem Namen nachstellen. «Uns ist die Verwechslung manchmal etwas peinlich, aber leider können wir das Missverständnis wegen der raschen Verbreitung durch das Internet kaum aus der Welt schaffen», sagt Ehefrau Kathrin Mosimann.

Bankett verkürzt den Schweiz-Aufenthalt

Die vielen Reisen und das Pendeln zwischen London und Montreux, um an möglichst vielen Gastro-Anlässen präsent zu sein, ist dem 71-Jährigen noch nicht zur Last geworden. Im Gegenteil: Veranstaltungen wie die Lehrabschlussfeier seien höchst willkommen. «Einerseits gibt es nicht Schöneres, als Gäste mit gutem Essen zu befriedigen», sagt Anton Mosimann, «Andererseits ist es mir ein Anliegen, junge Berufsleute zu ermutigen, bei den Besten zu lernen, wie ich es damals tat.» Etwas kritischer sieht es die Gattin: «Nein sagen ist etwas, das mein Mann nicht kann. Und so versucht er stets, allen Anfragen nachzukommen, selbst wenn die Ferien davon betroffen sind.»

Noch während das Ehepaar Mosimann gestern in St. Gallen weilte, wurde in London ein Bankett angekündigt, weshalb der geplante längere Aufenthalt in der Schweiz für drei Tage unterbrochen werden muss. Der Zeitplan Anton Mosimanns bleibt straff – «aber das gefällt mir.»

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