Starke Regenfälle
Wer in der Region Rorschach wohnt, könnte die nächsten Tage nasse Füsse bekommen: So bereiten sich Feuerwehren und der Flugplatz Altenrhein vor

Der Bodenseepegel ist relativ hoch. Wegen der starken Regenfälle rechnet das Bundesamt für Umwelt mit örtlichen Überschwemmungen. Während die einen Feuerwehren der Region bereits die Sandsäcke bereitgelegt haben, herrscht bei anderen noch Entspannung.

Dinah Hauser
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Hoher Pegelstand in Rorschach: Bei Wellengang schwappt teilweise etwas Wasser über das Ufer.

Hoher Pegelstand in Rorschach: Bei Wellengang schwappt teilweise etwas Wasser über das Ufer.

Bild: Ralph Ribi (13. Juni 2021)

Der Bodenseepegel steht am Dienstag bei 396,75 m ü. M. Ab einem Pegelstand von 397,10 muss damit gerechnet werden, dass bei ufernahen Anlagen und Gebäuden überlaufendes Wasser eindringen und Schäden verursachen kann. Gemäss Prognosen des Bundesamtes für Umwelt könnte diese Woche noch die Hochwassergrenze erreicht werden. Es drohen also nasse Füsse.

In Rorschach werden Uferkanten abgesperrt

In Rorschach und Rorschacherberg ist die Situation derzeit noch entspannt. «Am See hatten wir dieses Jahr noch keinen Einsatz im Zusammenhang mit Wasser», sagt Marius Hettich, Vizekommandant der Feuerwehr Rorschach-Rorschacherberg. «Die Häuser am See sind generell gut gerüstet für hohe Pegelstände.» Nur wenige Einsätze in den vergangenen Wochen seien auf die starken Regenfälle zurückzuführen.

Falls es zu einem Überschwappen des Bodensees käme, würden Angehörige der Feuerwehr Rorschach-Rorschacherberg die Uferkanten absperren, kurz bevor das Wasser über die Ufer tritt. «Das tun wir, weil man die Kanten bei Hochwasser nicht mehr so gut sieht, wie etwa bei der Badhütte.» So soll verhindert werden, dass Personen ins Wasser stürzen.

Die Schiffe sind schon fast auf Bodenhöhe.

Die Schiffe sind schon fast auf Bodenhöhe.

Bild: Ralph Ribi (13. Juli 2021)

Derzeit ist die Schifffahrt durch den hohen Seepegel nicht eingeschränkt, sagt Kurt Reich, Leiter des Schifffahrtsamtes des Kantons St.Gallen. Bis zum Hochwasser 1999 (Pegel 397,86 m ü. M.) fehlen noch gute 110 Zentimeter. Damals galten Einschränkungen der Schifffahrt wegen Hochwassers auf dem Obersee. Vom 27. Mai bis 30. Juni war der Lauf des Alten Rheins von der Mündung bis nach Rheineck für die motorisierte Schifffahrt gesperrt und auf dem offenen See wurde die Uferzone erweitert sowie die Geschwindigkeit beschränkt.

Der Flugplatz Altenrhein rechnet nicht mit Interventionen

Auf dem Flugplatz Altenrhein gibt es ein Abwassersystem, das Wasseransammlungen verhindern soll.

Auf dem Flugplatz Altenrhein gibt es ein Abwassersystem, das Wasseransammlungen verhindern soll.

Bild: Urs Bucher (3. November 2017)

Wegen des bestehenden Sicherheitskonzepts gibt es beim Flugplatz Altenrhein nicht viele Vorbereitungen zu treffen, wie Janine Meier sagt. Laut der Flugplatzleiterin drohe vom See her keine akute Gefahr: «Er ist ein Stück weit weg. Der Regen hat mehr Einfluss auf das Geschehen auf dem Flugplatz.» So überprüfen die Ramp – die Vorfeldmitarbeitenden – die Piste regelmässig und geben dem Tower über die Verhältnisse Bescheid. Bei Wasseransammlungen werde der Unterhaltsdienst aufgeboten und die Piste kurzzeitig gesperrt.

Meier geht aber davon aus, dass auf dem Rollfeld keine Intervention nötig sein wird:

«Wir haben ein Abwassersystem, das bisher gut funktioniert hat. Dies ist für Flugplätze mit geteerter Rollbahn so vorgeschrieben.»

Zu einer Situation wie beim thurgauischen Flugplatz Lommis, wo kurzzeitig die Pisten überschwemmt waren, sollte es nicht kommen.

Auf der Graspiste könnten sich kleinere Pfützen bilden. «Sobald es regnet, wird die Graspiste aber sowieso gesperrt», sagt Meier. Bei stehendem Wasser bei den Hangars kämen Pumpen zum Einsatz.

Die grössere Herausforderung für Piloten seien starke Winde und eingeschränkte Sicht. «Die Mitarbeitenden des Towers geben alle 30 Minuten einen Wetterbericht raus, den die Piloten per Funk abfragen können.» Je nach Flugzeugtyp gelten dann andere Bestimmungen bezüglich Sicht und Länge der Piste. Der Pilot entscheidet dann, ob er mit seiner Maschine landen kann. Meier sagt: «Generell herrscht bei schlechtem Wetter weniger Flugbetrieb, da Sichtflüge nicht stattfinden und auch die Flugschulen am Boden bleiben.»

Falls die Bedingungen derart schlecht sind, dass ein Flugzeug nicht landen kann, gibt es laut Meier zwei Szenarien. Wenn die Wetterfront schnell vorbeizieht, dann gibt es das Holding – die Warteschleife. Man prüft dann, ob ein Anflug 15 Minuten später möglich ist. Währenddessen kreist das Flugzeug am Himmel über dem Flugplatz. Ist eine Landung gar nicht möglich, so steuert der Pilot den Ausweichflughafen an. Diesen müssen Piloten schon vor Abflug festlegen, wie Meier sagt.

In Steinach liegen die Sandsäcke bereit

Die Feuerwehr in Steinach bereitet sich für mögliche Überschwemmungen am See vor. «Acht Kubikmeter Sandsäcke liegen bei uns bereit», sagt Kommandant Carmine Romano. «Viel mehr können wir im Vorfeld nicht machen.» Die Sandsäcke würden in der Regel genügen, da in Steinach nur eine Strasse am See betroffen sei.

«Falls die Sandsäcke nicht reichen, haben wir gute Kontakte zu den Baufirmen und können so rasch mehr Sand anliefern lassen.»

Der Kommandant rechnet damit, dass die Feuerwehr gegen Ende der Woche ausrücken muss.

Doch was ist mit der Steinach? Am 1. August 2018 entlud sich über Steinach ein heftiges Gewitter, Starkregen liess den Bach innert Minuten anschwellen. Es war die Rede von Schäden in der Höhe von 13 Millionen Franken.

1. August 2018: Ein reissender Strom wälzt sich flussabwärts.

1. August 2018: Ein reissender Strom wälzt sich flussabwärts.

Bild: Erwin Müller

Dem Kommandanten macht die Steinach derzeit keine Sorgen: «Beim Bach haben wir keine Angst, dass der hochkommen könnte. Dafür müsste es in St.Gallen oben 120 Millimeter Regen geben und das ist nicht der Fall.» Anders als der Bach steige der Seepegel langsam, was den Angehörigen der Feuerwehr mehr Zeit zum Beobachten und Einschätzen verschaffe.
«Wir sind also noch relativ entspannt und beobachten kontinuierlich.»

In Goldach wird die Brücke beim SAK-Werk regelmässig kontrolliert

«Es ist nicht so, dass wir schon am Sandsäckestapeln sind», sagt Roman Tschanz, Kommandant der Feuerwehr Goldach. Die Lage sei derzeit noch entspannt und die Feuerwehr beobachte, wie sich die Situation entwickelt.
Laut Tschanz wären Überschwemmungen am See nicht kritisch – zumindest nicht in der Anfangsphase. «Wir sind gut gewappnet.»

Jedoch kontrollieren Angehörige der Feuerwehr schon jetzt die kritischen Punkte regelmässig. Etwa die Brücke beim SAK-Werk, die über die Goldach führt.

«Die Brücke ist etwas niedrig und dort verfängt sich gerne Schwemmholz.»

2003 kam es deswegen zu einer grossen Überschwemmung, 2013 konnten mit Hilfe von Baggern Verstopfungen und damit Überschwemmungen verhindert werden.

Bei der Brücke beim SAK-Werk wurde viel Holz angeschwemmt.

Bei der Brücke beim SAK-Werk wurde viel Holz angeschwemmt.

Bild: Ralph Ribi (1. September 2002)

Andere kritische Punkte liegen bei Waldstücken. «Hier würden wir im Fall von Überschwemmungen die Wege absperren, damit sich Personen nicht in das Gefahrengebiet begeben.»

Blick zurück zum Hochwasser 1999 in Rorschach

Am Pfingstmontag 1999 tummeln sich Schaulustige auf den aufgebauten Stegen in Rorschach.

Am Pfingstmontag 1999 tummeln sich Schaulustige auf den aufgebauten Stegen in Rorschach.

Bild: Sandra D. Sutter

Kurt Reich erinnert sich noch gut an das aussergewöhnliche Ereignis: «Es war Pfingsten 1999, exakt an meinem Geburtstag ging es definitiv los.» Damals war er seit fünf Monaten Kommandant der Feuerwehr Rorschach, heute leitet er das Schifffahrtsamt des Kantons St.Gallen.

Die Feuerwehr habe damals über längere Zeit im Schichtbetrieb gearbeitet – zwölf Stunden Einsatz, zwölf Stunden Pause. Zusammen mit den Werkbetrieben der Stadt Rorschach, dem Zivilschutz und privaten Unternehmen bot man dem Hochwasser die Stirn.

«Es wurden Stege gebaut, Sandsäcke abgefüllt und verlegt und bei Hauseingängen kleine Schutzmauern erstellt, um das Eindringen des Wassers zu verhindern.»

Keller und Tiefgaragen in Seenähe mussten ausgepumpt und Heizöltanks gesichert werden. «Zahlreich und von überall her kamen die Anrufe der Betroffenen», sagt Reich.

Anfang fuhren die Züge noch durch das Wasser im Bahnhof ein. Bald wurde der Bahnverkehr allerdings unterbrochen.

Anfang fuhren die Züge noch durch das Wasser im Bahnhof ein. Bald wurde der Bahnverkehr allerdings unterbrochen.

Bild: Philipp Rohner

Im Hafen mussten die Pfähle zum Festmachen der Kursschiffe erhöht werden, damit diese überhaupt noch anlegen konnten. Und ein grosses Treibholzfeld drohte bei Wind und Wellen die Badhütte zu beschädigen. Die SBB-Züge fuhren erst noch durch das Wasser im Hafenbahnhof ein – später musste der Bahnverkehr eingestellt werden.

Reich erinnert sich auch an eine spezielle Veranstaltung auf den Stegen: «Als sich das Wetter besserte, fand auf Initiative einiger Gewerbetreibender eine Modeschau statt. Das war gut für das Gemüt der Leute.» In Erinnerung bleibt dem Ex-Kommandanten auch der Katastrophentourismus. Von weit her seien Schaulustigen angereist und hätten auch die Arbeiten erschwert.

Zur Badhütte kam man nicht mehr trockenen Fusses. Hier schipperte ein Badhüttentaxi.

Zur Badhütte kam man nicht mehr trockenen Fusses. Hier schipperte ein Badhüttentaxi.

Bild: Sandra D. Sutter

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