STANDORTMARKETING
Die Stadt St.Gallen wirbt für ihren Westen: Ein 200 Fussballfelder grosses Gebiet soll endlich mit Unternehmen besiedelt werden

Nun soll es vorwärtsgehen: Die Stadt sucht Firmen, die sich in Winkeln ansiedeln wollen.

Diana Hagmann-Bula
Merken
Drucken
Teilen
Das Areal Piccardstrasse: Die Ringstrasse, die Campus-Stimmung bringen soll, ist bald erstellt. Fehlen noch die Firmen, die sich hier ansiedeln wollen.

Das Areal Piccardstrasse: Die Ringstrasse, die Campus-Stimmung bringen soll, ist bald erstellt. Fehlen noch die Firmen, die sich hier ansiedeln wollen.

Bild: Arthur Gamsa

Einmal Areal mit Puls, mit Charakter, mit Potenzial. Mit diesem Slogan vermarktet die Stadt drei Areale in St.Gallen-West neuerdings auf verschiedenen Plattformen. Ziel der Aktion: auch neue auswärtige, interessante Firmen anzulocken, die sich hier niederlassen wollen. In diesem wirtschaftlichen Schwerpunktgebiet, wie der kantonale Richtplan es taxiert. Die Areale sind Teil der gemeinsamen Entwicklungsplanung St.Gallen West–Gossau Ost (Asgo).

Der Kanton St.Gallen misst dem Perimeter, der 1,7 Millionen Quadratmeter umfasst und sich nördlich entlang der Bahnlinie zwischen dem Gossauer Bahnhof und Winkeln erstreckt, beste Voraussetzungen für die Wirtschaft und grosse Nutzungsreserven zu. Wenn das kein Argument ist.

Zwischendurch einkaufen oder spazieren gehen

Der St.Galler Slogan umschreibt die Dynamik, die auf diesem Perimeter bald herrschen soll. Samuel Zuberbühler, Leiter der städtischen Standortförderung, sagt:

«Die zuziehenden Firmen siedeln sich in einem Gebiet an, in dem bereits ein gut funktionierendes Netzwerk besteht. Davon können sie profitieren.»

In der Mittagspause oder nach Feierabend liessen sich rasch Besorgungen in der Shopping-Arena, im Westcenter oder im Säntispark erledigen oder man könne am Bildweiher, Gübsensee oder auf dem Breitfeld neue Energie tanken. Einkaufszentren und Naherholungsgebiete in nächster Nähe, zwei weitere Vorteile für Unternehmen mit vielen Mitarbeitern, meint Zuberbühler.

Die Gebiete seien mit der Autobahn zudem gut erschlossen. «Die verbesserte Erschliessung mit dem öffentlichen Verkehr ist Teil der Entwicklungsplanung Asgo.» Der Verein Areal St.Gallen West–Gossau Ost will das Gebiet als Stand- und Arbeitsort attraktiv machen sowie die dafür nötige zukunftstaugliche Infrastruktur aufbauen. Neben der Stadt St.Gallen gehören ihm unter anderem Gossau, Gaiserwald, der Kanton St.Gallen und lokale Wirtschaftsverbände an.

Campus-Charakter und Co-Produktion

Auch wenn die Stadt nun mit Dynamik für die Besiedelung des Gebietes wirbt: Über 30 Jahre lang blieb es hier erstaunlich ruhig. Man hatte zwar das Potenzial erkannt und sehnte sich nach Veränderung. Fleissig wurde analysiert und diskutiert, es gab Projektgruppen und Spurgruppen. Nur konkrete Ergebnisse, die gab es selten. Stattdessen war von «Dornröschenschlaf» und «Planungsleichen» die Rede.

Nun macht die Stadt mit der Vermarktung den ersten konkreten Schritt seit langem. Sie stellt drei Areale für Firmen bereit. Dazu gehört das Areal Piccardstrasse, direkt an der A1 liegend. Die rund 52'000 Quadratmeter Bauland sind in fünf Baufelder unterteilt und unterdessen durch eine Ringstrasse erschlossen. «Das verleiht dem Areal einen gewissen Campus-Charakter», sagt Zuberbühler. Eines der Baufelder gehört der Max Pfister Baubüro AG. «Eine Firma kann mehrere Baufelder beanspruchen und muss je nachdem mit uns und der Max Pfister Baubüro AG verhandeln. Wir haben die Vermarktung jedoch gemeinsam definiert, wir haben dasselbe Ziel», sagt Zuberbühler.

Auf dem Areal Mövenstrasse, das im Norden an den Bildweier grenzt, steht eine Fläche von 14'375 Quadratmeter bereit. Die Stadt verkauft die Gebiete nicht, sie tritt sie im Baurecht ab. Das Stadtparlament stimmt über die Baurechtnehmer ab. Im besten Fall schon im Sommer, wie Zuberbühler sagt. Priorität haben gemäss städtischer Strategie Unternehmen aus dem Gesundheits- und Informatikbereich. «Hier ist St.Gallen schon stark und diese Stärken wollen wir ausbauen», sagt Zuberbühler.

Aber auch produzierende Betriebe sind willkommen. Einige innovative Vertreter haben sich bereits in St.Gallen-West angesiedelt. Zuberbühler nennt die DGS Druckguss Systeme AG als Beispiel, ein Unternehmen, das auch für die Automobilindustrie produziert. «Ihre Zulieferer oder Abnehmer haben vielleicht Interesse, näher an sie und den entsprechenden Perimeter heranzurücken», sagt Zuberbühler. Und denkt ebenfalls an KMU, die sich entwickeln und wachsen wollen, dafür ein anregendes Umfeld suchen.

Investor für Versuch gesucht

Auf dem dritten Areal, an der Zürcher Strasse, probiert die Stadt etwas Neues aus. Erworben hatte sie das Gelände ursprünglich für eine Korrektur der Zürcher Strasse. Diese ist aber nie zustande gekommen. Auf der Parzelle befindet sich seit einiger Zeit ein provisorischer Abstellplatz für Autos.

Die Idee der Stadt für den Spickel zwischen der Stadtgrenze zu Gossau und der Autobahn: Sie liefert die Nutzungsidee, umsetzen soll sie jedoch ein Investor. «Wir waren dafür mit zehn Firmen im Gespräch, nun sind noch eine Handvoll übrig», sagt Zuberbühler. Namen darf er noch keine nennen, die Vision umschreiben schon.

Vorgesehen ist ein sogenannter «manufacturing hub». Ein Gebäude also, in dem sich verschiedene produzierende Betriebe niederlassen und die Produktionsräume gemeinsam nutzen, sich mittags in der Kantine austauschen, dabei Möglichkeiten zur Zusammenarbeit entdecken.

«Co-Working ist schon lange in aller Munde, aber auch in der Co-Produktion schlummern viele Synergien»,

sagt Zuberbühler. Auch hier habe das Stadtparlament das letzte Wort.

Warum soll es diesmal tatsächlich vorwärtsgehen in St.Gallen West? Weil diesmal sehr partizipativ vorgegangen worden sei und man transparent kommuniziere, sagt Zuberbühler. Die Vermarktung ist Sache der Stadt, geschieht losgelöst vom Verein Asgo. Andreas Schläpfer, Leiter der Geschäftsstelle des Vereins, freut sich über die städtischen Aktivitäten: «Ein Beweis dafür, wie attraktiv das Gebiet ist.»

Im Herbst 2020 hatte das St.Galler Stadtparlament über 600'000 Franken gesprochen, um das über 200 Fussballfelder grosse Gebiet bis 2023 weiterentwickeln zu können. Kurz später zog das Gossauer Stadtparlament nach. Die Vermarktung, die St.Gallen vornehme, sei professionell aufgegleist. Schläpfer:

«Die Stadt weiss, was sie will. Das zeigt, dass sich nun einiges tut auf diesem Gebiet. Nicht mehr nur planerisch.»

Er vergleicht das Areal St.Gallen West-Gossau Ost mit einem Motor, an dem verschiedene Räder drehen. Aufgabe des Vereins sei es, diese einzuklinken, damit der Motor leistungsfähiger werde. Soeben ist ein neues Rädchen dazugekommen.