Städtische Kunst bleibt im St.Galler Rathauskeller

Eine Stadtparlamentarierin will die städtische Kunstsammlung der Öffentlichkeit zugänglich machen – durch eine Ausleihe. Der Stadtrat ist dagegen, die Umsetzung sei zu teuer.

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Die Städtische Kunstsammlung befindet sich in einem Raum im Untergeschoss des Rathauses. (Bild: Ralph Ribi, 21. September 2018)

Die Städtische Kunstsammlung befindet sich in einem Raum im Untergeschoss des Rathauses. (Bild: Ralph Ribi, 21. September 2018)

Mit regelmässigen Einkäufen bei lokalen Künstlern kommt die Stadt ihrem Förderauftrag nach. Gleichzeitig legt sie auf diese Weise einen beträchtlichen Kunst-Fundus an, aus dem sowohl das Rathaus als auch andere städtische Gebäude immer wieder neu dekoriert werden. Aufgehängt werden Gemälde, Grafiken und Fotografien nicht nur in Gängen und Foyers, sondern auch in den Büros kunstliebender Verwaltungsmitarbeiter: Sie dürfen für die weissen Wände wählen, was ihnen gefällt. Von den inzwischen etwas mehr als 1000 Werken ist gut die Hälfte aufgehängt – die andere schlummert im Rathauskeller.

Genau das bemängelte eine Stadtparlamentarierin. Beatrice Truniger (SP) will die «städtische Kunstsammlung aus dem Dornröschenschlaf erwecken». So lautet die schriftliche Interpellation, die sie dem Stadtrat im Sommer eingereicht hat. Inspiration zum Vorstoss hatte sich Truniger im Ausland geholt: In Wien entdeckte sie die Artothek, in der Einheimische für ein monatliches Entgelt von 2,50 Euro Kunst für den eigenen Wohnraum mieten können. Ein Konzept wie dieses schlägt die Interpellantin auch dem St.Galler Stadtrat vor.

Raum im Keller hat seine Kapazitätsgrenze erreicht

Der Stadtrat hat nun auf Trunigers Interpellation geantwortet –und ist dem Vorschlag nicht wirklich zugetan. Die Präsentation der Werke sei bereits gewährleistet, weil sich die Öffentlichkeit in gewissen Bereichen der Stadtverwaltung ausgewählte Kunstwerke ansehen könne. Falls wie in der Artothek in Wien aus konservatorischen Gründen einzig Grafiken ausgeliehen würden, so beträfe dies einen Bestand von 200 Grafiken aus der städtischen Bildersammlung, heisst es in der Interpellationsantwort.

Voraussetzung für die Ausleihe dieser Werke sei eine Bestandesaufnahme inklusive Rahmung nicht gerahmter Werke und Neurahmung defekter Werke. Zudem würde für eine Ausleihe an die breite Öffentlichkeit ein Raum benötigt, der sich nicht nur für die Lagerung eigne, sondern auch öffentlich zugänglich wäre. Es müsste ein Betriebskonzept mit einer Kostenberechnung der jährlichen Aufwendungen erstellt werden. Der Stadtrat erachtet es als «finanziell nicht vertretbar», ein solches Konzept zu prüfen respektive umzusetzen.

Auch zur Kritik an der Kunst-Lagerung äussert sich der Stadtrat. Zwar sei die Kapazitätsgrenze des Raumes im ersten Untergeschoss des St. Galler Rathauses überschritten. Bisher zeichne sich aber keine neue Lösung an einem anderen Standort ab. Weder Lagerung noch Unterhalt und Präsentation verlangten trotz enger Platzverhältnisse nach sofortigen Massnahmen. (seh)