Stadtwildtiere führt dieses Jahr eine Volkszählung bei Familie Eichhorn durch

Die Aktion Stadtwildtiere erforscht dieses Jahr das Leben der Eichhörnchen in St.Gallen.

Reto Voneschen
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Dank speziell konstruierter Hinterpfoten: Das Eichhörnchen hat die im Tierreich relativ seltene Fähigkeit, kopfvoran am Baumstamm abwärts zu laufen.

Dank speziell konstruierter Hinterpfoten: Das Eichhörnchen hat die im Tierreich relativ seltene Fähigkeit, kopfvoran am Baumstamm abwärts zu laufen.

Bild: Getty Images

Nach Igel und Haselmaus spürt die Aktion Stadtwildtiere in diesem Sommer erneut einem einzelnen Wildtier nach, das ein geheimes Leben im Siedlungsgebiet der Stadt St.Gallen führt. Gesucht werden möglichst viele Beobachtungen von Eichhörnchen. Sie können ab sofort im Internetauftritt der Aktion eingetragen werden. Die ganze Stadtbevölkerung kann mitmachen. Mit diesem Teil der Kampagne soll die Verbreitung der Eichhörnchen erforscht werden.

Dort, wo sie gehäuft vorkommen, sollen dann freiwillige Helferinnen und Helfer Daten zu den Lebensbedingungen der putzigen Nager und Kletterkünstler erheben. Im Zentrum stehen dabei automatisch die grossen Stadtbäume, auf die die Eichhörnchen angewiesen sind. Ziel ist es, die Elemente zu eruieren, die einen guten Lebensraum ausmachen. Daraus sollen allenfalls auch Vorschläge für Lebensraumverbesserungen abgeleitet werden:


Gesucht: Beobachterinnen und Beobachter des wilden St. Gallen


Für die Erforschung der Lebensräume der Stadtsanktgaller Eichhörnchen ist die Aktion Stadtwildtiere auf Freiwillige angewiesen. Sie kommen dort zum Einsatz, wo es viele Beobachtungen der flinken Kletterer gibt.

Jedes Untersuchungsgebiet hat im Zentrum einen Eichhörnchen- Baum und umfasst darum herum einen Kreis mit einem Radius von 35 Metern. Darin werden – mit und ohne Eichhörnchen – alle Bäume und Haselsträucher kartiert und vermessen. Die so erhobenen Daten sollen Aufschluss darüber geben, was einen guten Eichhörnchen-Lebensraum ausmacht. Wer helfen will, kann sich per E-Mail bei stgallen@stadtwildtiere.ch melden. Im Mai finden Anlässe als Einführung in diese Feldarbeiten statt.

Eichhörnchen-Ausstellung ab Herbst im Naturmuseum

Der Startschuss zur fünften Saison des St.Galler Ablegers von Stadtwildtiere startete kürzlich im Naturmuseum. Der Durchführungsort war kein Zufall: Hier wird Anfang Oktober eine Eichhörnchen-Ausstellung eröffnet. Sie wurde vom Naturmuseum Winterthur produziert. Daher war es auch kein Zufall, dass dessen Direktorin Daniela Zingg beim Startschuss zur diesjährigen St.Galler Stadtwildtiere-Kampagne sprach. Natürlich über Eichhörnchen.

Zingg räumte dabei gleich mit verschiedenen falschen Vorstellungen über die flauschigen Kletterer mit den charakteristischen Pinselohren auf: So halten Eichhörnchen weder Winterschlaf noch begeben sie sich in Winterruhe. Sie sind vielmehr das ganze Jahr über aktiv, wobei man sie bei kaltem und nassem Wetter weniger häufig beobachtet, weil sie sich lieber in ihrem Unterschlupf – einer Baumhöhle oder einem Nest (genannt Kobel) – aufhalten.

Der Name des Eichhörnchens hat weder mit einem Horn, noch mit dem Fressen von Eicheln zu tun. Der Begriff ist vielmehr eine Zusammensetzung aus Aik (germanisch für flink) und der indogermanischen Endung Orn, die sich im Namen verschiedener Kleinsäuger findet.

Charakteristisch fürs Eichhörnchen ist das weisse Bauchfell, das allerdings andere Hörnchen auch haben. Einmalig sind hingen die Haarpinsel in den Ohren des Eichhörnchens. Wobei es diese nicht das ganze Jahr über trägt: Tendenziell sind die Tierchen im Sommer ohne Haarbüscheln in den Ohren unterwegs, im Winter mit:

Leserbild: Luciano Pau (28. März 2019)

Lebensraumverlust und Verkehr als Hauptprobleme

Natürlich hat das Eichhörnchen bei uns Fressfeinde: Dazu zählen Greifvögel, Marder und Hauskatzen. Die grössten Prob­leme bereitet ihm allerdings der Mensch: Eine grosse Bedrohung ist der rasante Lebensraumverlust. In den Städten ist das unter anderem der baulichen Verdichtung geschuldet, wenn dieser grosse Stadtbäume zum Opfer fallen und damit die Vernetzung der Lebensräume löchrig wird.

Eichhörnchen bewegen sich am liebsten in den Kronen grosser Bäume, die Samen, Nüsse und andere Früchte tragen; ungern überwinden sie Lücken in alten Baumbeständen am Boden. Dort ist – noch vor den Fressfeinden – der Strassenverkehr ihr grösster Feind.

Ein Eichhörnchen auf einer Wiese neben einem Trottoir: Die putzigen Nager sind nur ungern am Boden unterwegs.

Ein Eichhörnchen auf einer Wiese neben einem Trottoir: Die putzigen Nager sind nur ungern am Boden unterwegs.


Bild: Claudia Meier

Die in vielen Farbschattierungen von rotbraun bis schwarz vorkommenden Eichhörnchen sind Kletterkünstler. Sie sind perfekt ans Leben in den Baumwipfeln angepasst. Das sieht man an einem Detail, auf das Daniela Zingg im Vortrag hinwies. Ihre Hinterpfoten sind um 180 Grad drehbar, sodass die Krallen beim Klettern nach vorne oder nach hinten stehen können – je nachdem, ob’s auf- oder abwärts geht. Katzen, die auch gute Kletterer sind, können das nicht. Das ist der Grund, warum sie oft rückwärts vom Baum herunter müssen.

Wieder keine Fussspuren der Haselmaus in St.Gallen gefunden

Die Aktion Stadtwildtiere hat im vergangenen Sommer tierischen Haselnuss-Liebhabern nachgespürt. Mit gemischtem Erfolg: Ein Nachweis der Haselmaus gelang nicht, dafür wurde die Zahl der Nachweise etwa für Siebenschläfer und Eichhörnchen markant verbessert.
Reto Voneschen