Wo's seit Jahrzehnten tickt

Das Haus zur Kanone beherbergt seit Jahrzehnten kleine tickende Wunderwerke, glänzenden Schmuck, klingende Spieldosen. Nun feiert Labhart-Chronometrie sein 125-Jahr-Jubiläum.

Claudia Schmid
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Romano Prader hat 2005 die Labhart-Chronometrie übernommen. (Bild: Ralph Ribi)

Romano Prader hat 2005 die Labhart-Chronometrie übernommen. (Bild: Ralph Ribi)

Es war im Jahr 1886, als Ruedi Labharts Grossvater Franz Bessler im November nach St. Gallen kam und an der Goliathgasse eine kleine Uhrmacherwerkstatt eröffnete. Bald hatte er sich einen schönen Kundenkreis gesichert.

Die erste Uhrmacherin

1895 bezog er ein neues Lokal im Haus zum Tiger, welches direkt neben dem Haus zur Kanone steht. Seine Tochter erlernte als erste Frau in der Schweiz den Beruf der Uhrmacherin. Nach der Heirat mit dem gelernten Goldschmied Heiri Labhart übernahm Anny Labhart 1924 das elterliche Geschäft. Fünf Jahre später zügelte das Ehepaar ins Haus zur Kanone an der Marktgasse 23. Den Namen verdankt das Gebäude einem Artillerie-Obersten in napoleonischen Diensten, der es 1810 erworben hatte.

Ab 1957 führten die beiden Söhne den Betrieb. Heinz Labhart war Uhrmacher, Ruedi Labhart Goldschmied. Die beiden Brüder bauten in der Goldschmiede- und Uhrmacherwerkstätte ein breites Angebot an Handwerks- und Dienstleistungen auf. 1975 schied Heinz Labhart aus der gemeinsamen Firma aus, 2005 setzte sich auch Ruedi Labhart zur Ruhe. Er übergab das Geschäft Romano Prader, welcher das Handwerk als Uhrmacher-Rhabilleur erlernt hatte. Das erklärte Reich seiner Ehefrau Pia Prader ist das Spieldosenkabinett, das seit 35 Jahren in einem der oberen Stockwerke untergebracht ist.

Erste Spieldose war Geschenk

Erzählt das Ehepaar Prader aus der reichen Geschichte von Labhart-Chronometrie und dem Haus zur Kanone, wird spürbar, mit wie viel Leidenschaft und Engagement es sich der Uhrmacher- und Goldschmiedekunst widmet. Labhart-Chronometrie sei das älteste noch existierende Uhren- und Schmuckfachgeschäft in der Stadt St. Gallen, vermutlich sogar kantonal das erste, betont Romano Prader. Pia Prader erzählt, weshalb im Haus zur Kanone eine Sammlung an Spieldosen entstanden ist. «Die erste kam vor vielen Jahrzehnten als Geschenk in das altehrwürdige Gebäude. An die Übergabe wurde die Bedingung geknüpft, dass sie auch bei Besitzerwechsel stets ihren Platz im Haus zur Kanone haben muss.»

Dieses Jahr blickt nun Labhart-Chronometrie auf 125 Jahre zurück. Ein Dutzend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind in der Firma beschäftigt. Goldschmiedeatelier und Uhrmacherei haben einen festen Werkplatz im alten Zentrum St. Gallens. Mit der Vielfalt von über 20 Marken sei die Chronometrie heute einzigartig im ganzen Kanton, sagt Romano Prader nicht ohne Stolz.

Zerlegen und zusammensetzen

Seine Faszination und Liebe zur alten Uhrmacherkunst gibt das Ehepaar Prader auch in Workshops weiter. Unter kundiger Anleitung und Begleitung zerlegen die Teilnehmer in drei Stunden ein mechanisches Werk und setzen es anschliessend wieder zusammen.

Mehr Infos zum Jubiläum im Internet: www.chronometrie.ch.