Wenn Touristen mal müssen

Für Wirte in der südlichen Altstadt können Touristen ein Ärgernis sein. Zumindest jene, die ohne zu konsumieren ihre Toilette benutzen. Die Stadt versucht, das Problem mit Schildern zu beheben.

Tobias Hänni
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«Reicht vollumfänglich aus»: Für die Stadt hat es im Klosterviertel genügend öffentliche WCs, wie jene in einem Gebäude am Gallusplatz. (Bild: Hanspeter Schiess)

«Reicht vollumfänglich aus»: Für die Stadt hat es im Klosterviertel genügend öffentliche WCs, wie jene in einem Gebäude am Gallusplatz. (Bild: Hanspeter Schiess)

Im Kloster-Bistro gegenüber dem Eingang zur Stiftsbibliothek ist man froh, hat man keine Toilette. «Wir haben sehr viel Laufkundschaft, die nur aufs WC will», sagt Betriebsleiterin Brigitta Rüttimann. «Wir verweisen die Leute dann auf die Anlage im Durchgang zur Stiftsbibliothek.» Trotzdem sei es mühsam und lästig, gerade im Sommer, wenn in der Stadt viele Touristen unterwegs seien. Auch im «Camillo» am Grüningerplatz klagt man über «Touristen, die einfach die Toiletten benutzen, ohne zu fragen.» Die Kontrolle sei schwierig, da der Gang aufs stille Örtchen nicht durchs Café führe, sondern über einen separaten Eingang.

Parterre und einfach zu finden

Jedes Jahr wird das Klosterviertel von Tausenden Touristen besucht, von denen viele mal müssen. Doch statt die öffentlichen WC-Anlagen beim Gallusplatz oder in der Stiftsbibliothek aufzusuchen, klopfen sie bei den Restaurants und Hotels im Viertel an.

Der Klosterviertel-Gesellschaft ist im vergangenen Jahr deshalb der Geduldsfaden gerissen. Sie hat bei der Baudirektion zusätzliche öffentliche Toiletten gefordert. Gebracht hat das bislang nichts. Trotzdem hofft Präsidentin Margareth Hablützel, «dass es innert nützlicher Frist eine Lösung gibt». Wünschenswert seien weitere öffentliche Toiletten im Bereich des Besucherzentrums von St. Gallen-Bodensee Tourismus an der Gallusstrasse.

«Das Problem ist, dass es dafür keinen Platz hat», sagt Hablützel. Eine WC-Anlage müsse eine gewisse Grösse habe, im Parterre eines Gebäudes liegen und ausserdem leicht zu finden sein. «In der südlichen Altstadt sind solche Standorte selten», sagt Hablützel. Die Stadt habe jedoch versprochen, das Anliegen weiterzuverfolgen. «Wir fühlen uns ernst genommen.»

Touristen zu bequem?

Stadtbaumeister Erol Doguoglu bestätigt, dass Gespräche mit der Klosterviertel-Gesellschaft stattgefunden hätten und dass bei der Gewerbeschule im Klosterhof eine zusätzliche WC-Anlage geprüft worden sei. «Der Platz dafür ist jedoch nicht vorhanden.» Er könne den Ärger der Hoteliers und Beizer nachvollziehen, «doch das Problem, dass Touristen deren Toilette benützen, wird mit einer weiteren Anlage nicht aus der Welt geschafft.» Und dass es Touristen, die, ohne etwas zu konsumieren, eine Restaurant-Toilette benutzen würden, an Anstand fehle, könne die Stadt auch nicht ändern.

Eigentlich, sagt Doguoglu, habe es genügend WCs im Klosterviertel. «Die Versorgung reicht vollumfänglich aus.» Das Problem mit den stillen Örtchen liege wohl eher an der Bequemlichkeit gewisser Passanten, für die der Weg zu den öffentlichen WCs zu weit sei. «Oder daran, dass sie nicht richtig schauen, wo diese sind.» Die Beschilderung zu den Toiletten sei deshalb verbessert worden.

Nur für Angestellte

Die Klosterviertel-Gesellschaft ist mit ihrer Forderung auch bei St. Gallen-Bodensee Tourismus vorstellig geworden. Doch das Besucherzentrum der Organisation an der Gallusstrasse eignet sich nicht als Standort für ein öffentliches WC. «Dafür sind die Räumlichkeiten zu klein», sagt Christine Egli, stellvertretende Marketingleiterin der Tourismusorganisation. Toiletten habe es zwar, die seien aber nur für die Angestellten. «Besucher verweisen wir zum WC beim Gallusplatz.»

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