Viele Junge auf der Flucht

In der Antwort auf einen Vorstoss publiziert der Stadtrat Zahlen zur Flüchtlingssituation in der Stadt St. Gallen. Viele Geflüchtete sind Kinder und Jugendliche.

David Gadze
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Ein Flüchtling in der temporären Asylunterkunft im Riethüsli, die von Ende August 2015 bis Ende Februar in Betrieb war. (Bild: Urs Bucher)

Ein Flüchtling in der temporären Asylunterkunft im Riethüsli, die von Ende August 2015 bis Ende Februar in Betrieb war. (Bild: Urs Bucher)

Die diversen Flüchtlingsbewegungen nach Europa in den vergangenen Monaten haben die Zahl der Asylgesuche in der Stadt St. Gallen in die Höhe schnellen lassen – zumindest wenn man die Jahre 2013 bis 2015 miteinander vergleicht. Das zeigen Statistiken, die der Stadtrat in der Antwort auf eine Interpellation von Nadine Niederhauser (Grünliberale) und Clemens Müller (Grüne) publiziert hat. Darin beantwortete er einen Katalog von elf Fragen, die sich unter anderem um Unterbringung, Betreuung, Integration und Finanzierung der Angebote drehen.

Starker Anstieg im Jahr 2015

In den vergangenen drei Jahren ist die Zahl von Flüchtlingen, Asylsuchenden und Personen mit einem Nichteintretensentscheid konstant gestiegen. Zur Beantwortung der Frage nach deren Alter, Geschlecht und Familienstand liefert der Stadtrat eine Tabelle. War von 2013 (603 Personen) zu 2014 (643 Personen) bereits ein vergleichsweise moderater Anstieg zu verzeichnen, stieg die Zahl 2015 gleich um mehr als 200 Personen auf 845 an. Die meisten stammen aus Eritrea. 2013 und 2014 waren es noch knapp 300, 2015 stieg ihre Zahl auf 400 – also jeweils fast die Hälfe aller Betroffenen. Der Anteil an Kindern nahm ebenfalls leicht zu. Die grösste Altersgruppe (Aufteilung: bis 17 Jahre, 18 bis 25 Jahre und danach in Zehn-Jahre-Schritten) sind die bis 17-Jährigen. Machten diese 2013 noch genau einen Drittel aller Personen aus, ist ihr Anteil ebenfalls gestiegen. 2015 lag er bei 314 Personen oder bei rund 37 Prozent.

Die Stadt strebe die gleichmässige Verteilung von unterzubringenden Personen auf dem ganzen Stadtgebiet an, um eine Durchmischung zu erleichtern, schreibt der Stadtrat. Derzeit verfüge sie über 60 Wohnungen und Zimmer, die im Rahmen eines Untermieteverhältnisses an die betroffenen Personen abgegeben werden. Der Bedarf an weiteren Wohnmöglichkeiten hänge von der Entwicklung im Asyl- und Flüchtlingswesen ab. Je nach internationaler Lage müssten weitere Wohnungen oder andere Unterbringungsmöglichkeiten in der Stadt angemietet werden.

Für Unterbringung, Betreuung und Integration unbegleiteter minderjähriger Asylsuchender sind ab 1. Januar 2017 die Gemeinden zuständig. Dies erfolgt in zentralen Strukturen, die der Trägerverein Integrationsprojekte St. Gallen (TISG) im Auftrag der Politischen Gemeinden zur Verfügung stellt. Diese spezialisierten Einrichtungen, die sich in der Marienburg Thal und in zwei Aussenwohngruppen in Thal befinden, würden professionell sowie bedürfnis-, alters- und gendergerecht geführt, schreibt der Stadtrat. Dort erfolgen Schulunterricht, Individualbeschulung und Individualförderung bis zum Übertritt in die Gemeinde.

So rasch als möglich integrieren

Um die Integration zu erleichtern, stünden Asylsuchenden und Flüchtlingen die Angebote der Integrationsfachstelle offen, sofern diese nicht bereits durch die Sozialhilfe abgedeckt sind, heisst es in der Vorlage. Die Stadt sei bestrebt, vorläufig aufgenommene Flüchtlinge und Asylsuchende so rasch als möglich in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Dazu dienten Qualifizierungsprogramme und Arbeitspraktika für jene Personen, welche die sprachlichen und beruflichen Voraussetzungen erfüllen.