St. Gallen von einer anderen Seite

Für seine Maturaarbeit hat Gallus Wirrer einen besonderen Stadtrundgang zusammengestellt. Statt das Weltkulturerbe beleuchtet er die dunklen und die unbekannten Seiten in der Geschichte der Gallusstadt.

Ruth Frischknecht
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Gallus Wirrer hinter dem Vadiandenkmal, dem Ausgangspunkt seines Stadtrundgangs. An dieser Stelle stand einst das Rathaus. (Bild: Benjamin Manser)

Gallus Wirrer hinter dem Vadiandenkmal, dem Ausgangspunkt seines Stadtrundgangs. An dieser Stelle stand einst das Rathaus. (Bild: Benjamin Manser)

Speziell ist nicht nur der Stadtrundgang mit elf Stationen, den Gallus Wirrer für seine Maturaarbeit entworfen hat. Auch der Autor selber fällt auf. Gallus Wirrer ist 51jährig und schliesst im Sommer die Matura ab. «Wieder in die Schule zu gehen, empfinde ich als grosse Bereicherung.»

Mehr Zeit für eigene Träume

Wirrer ist gelernter Schreiner und Bodenleger und führte jahrelang ein eigenes Geschäft. Doch dann verkaufte er es. «Ich wollte mehr Zeit für mich und meine Träume.» Er entschied sich, die Sekundarschule für Erwachsene zu absolvieren, und reiste um die Welt. Die Erfahrungen, die er im Ausland sammelte, inspirierten ihn zu seiner Maturaarbeit. «Überall gab es mit echten Schicksalen angereicherte Stadtführer. So etwas wollte ich auch für St. Gallen.» Also kombiniert Wirrer historische Hintergrundinformationen mit Anekdoten aus längst vergangenen Tagen, «damit die Plätze zu reden beginnen». Der Stadtrundgang richte sich ganz besonders an Einheimische, sagt Wirrer, der selbst St. Galler Ortsbürger ist und mit einem Geschichtsstudium in Konstanz liebäugelt. «Das Alltägliche aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten, ist spannend.» Er wolle aber auch zeigen, welche Schätze im Stadt- und im Stiftsarchiv verborgen liegen. «Zu jedem Haus, zu jeder Ecke in der Stadt gibt es Dokumente, die unglaubliche Geschichten erzählen. Schade, dass so wenige Leute nach ihnen suchen.»

Broschüre in Planung

Um seine Arbeit möglichst vielen Leuten zugänglich zu machen, lässt er sie als Broschüre drucken. «Wer weiss, vielleicht liegt mein Rundgang dereinst bei St. Gallen-Bodensee-Tourismus auf.» Dass er einem die Gallusstadt auf besondere Art näherbringen kann, hat sich herumgesprochen. Er wurde bereits für eine Führung angefragt.

Präsentation der Maturaarbeit: Mittwoch, 19 Uhr, Kantonsschule am Burggraben.