Schwimmer wollen lange Bahnen

Der Platzmangel im Hallenbad Blumenwies macht den Schwimmvereinen zu schaffen. Nun, da sich das städtische Sportamt vom Bau eines 50-Meter-Beckens distanziert, wollen sie sich gemeinsam für mehr Wasserfläche einsetzen.

Anina Rütsche
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Hin und her: St. Gallens Schwimmvereine fordern entgegen den aktuellen Plänen des Sportamts ein 50-Meter-Becken im Hallenbad Blumenwies. (Bild: Ralph Ribi)

Hin und her: St. Gallens Schwimmvereine fordern entgegen den aktuellen Plänen des Sportamts ein 50-Meter-Becken im Hallenbad Blumenwies. (Bild: Ralph Ribi)

Dass der geplante Bau eines wettkampftauglichen 50-Meter-Beckens im Hallenbad Blumenwies aus finanziellen Gründen ins Wasser fallen soll (Ausgabe vom 16. Januar), bringt die Vereine in Bedrängnis, welche das Hallenbad für ihre Trainings nutzen. «Wir haben die Nachricht mit Bestürzung aufgenommen», sagt Uwe Albers, Präsident des Schwimmclubs St. Gallen. «Für unsere Aktivitäten brauchen wir nämlich dringend mehr Platz.»

Die Leistungsschwimmer des Clubs beispielsweise, erzählt Albers, können lediglich dreimal pro Woche im Hallenbad Blumenwies trainieren: «Dies ist viel zu wenig, um auf nationaler Ebene bei den Meisterschaften mithalten zu können.» Die Folge davon sei, dass immer mehr Mitglieder zu anderen Vereinen wechseln oder gar mit dem Schwimmsport aufhören würden. «Das ist schlimm», sagt Albers. «So ist unser Club nicht konkurrenzfähig.»

Für Turniere nach Winterthur

Nicht nur den Leistungsschwimmern, sondern auch den Wasserballern des Schwimmclubs St. Gallen macht das bestehende 25-Meter-Becken im Blumenwies zu schaffen. «Für sie ist es nicht nur zu klein, sondern auch zu wenig tief», bedauert Albers. So müssen die Wasserballer für ihre Indoor-Turniere jeweils nach Winterthur fahren. Dort nämlich befindet sich das nächstgelegene Hallenbad mit 50-Meter-Becken. Während der warmen Jahreszeiten gebe es in der Region einige Ausweichmöglichkeiten in Freibädern, fügt Albers an. «Doch diese können bei kalter Witterung nicht genutzt werden.»

Diese Ansicht teilt Uwe Albers' Vorgänger, Markus Grüter, der von 2005 bis 2010 sowie 2012 als Präsident des Schwimmclubs amtete: «Wir haben keine Alternative zum Blumenwies. Daher ist es uns sehr wichtig, dass bei der Sanierung die Wasserfläche vergrössert wird. Es wäre ein Fehler, sich im Hallenbad mit einer <Zwitterlösung> zu begnügen, die sich nicht für Wettkämpfe eignet. Dies wäre ein Rückschritt – nicht nur für die Vereine, sondern auch für die Bevölkerung und die Stadt.»

Interessen gemeinsam vertreten

Beim Verein «Wassersport Arbon/WiSo», der ebenfalls Trainings und Kurse im Blumenwies durchführt, ist man gleicher Meinung. «Der Neubau eines 50-Meter-Beckens im Blumenwies ist absolut notwendig», sagt Präsident Roman Friedrich. «Nicht nur im Sinne des Leistungssports, sondern auch für die Bevölkerung.» «Wassersport Arbon/WiSo» nutzt neben dem Blumenwies auch die Hallenbäder in Herisau und Uzwil. «Auch dort wird es je länger je enger, da sowohl Leistungs- als auch Breitensportler schwimmen wollen. Nun besteht Handlungsbedarf.»

Laut Roman Friedrich, Uwe Albers und Markus Grüter werden sich Mitglieder mehrerer Wassersportvereine in naher Zukunft als Interessengemeinschaft formieren: «So können wir uns wirkungsvoller für den Bau eines 50-Meter-Beckens einsetzen als alleine.» Die Vereine hoffen dabei auf Unterstützung von weiteren engagierten Schwimmfreudigen.

Auch Schulen brauchen Platz

Neben den Vereinen nutzen auch Schulen das Hallenbad Blumenwies – beispielsweise die Universität St. Gallen (HSG). Leonz Eder, Leiter des Unisports der HSG, schliesst sich dem Wunsch nach mehr Wasserfläche an: «Bei unseren Mittagstrainings teilen sich rund zehn Studierende eine Schwimmbahn – es wird jeweils sehr eng.» Ein 50 Meter langes Hallenbad-Becken hätte zudem Vorteile für St. Gallen als Sportstadt, sagt Eder: «Es wäre einzigartig in der Ostschweiz. Zusammen mit dem Athletik Zentrum könnte es die sportliche Attraktivität des Standorts fördern.»

Bei den Volksschulen wäre eine grössere Indoor-Wasserfläche ebenfalls willkommen. «Im Bereich des obligatorischen Turnunterrichts sollen die Gemeinden mindestens einen Sechstel als Schwimmunterricht durchführen», heisst es dazu im kantonalen Sportkonzept. Aktuell erfülle jedoch keine Gemeinde diese Vorgabe – Grund dafür sei der Platzmangel in den Bädern. Patrik Baumer, Leiter des Sportamts des Kantons St. Gallen, sagt dazu: «Um die Vorgaben des Lehrplans zu erfüllen, ist aber nicht unbedingt ein wettkampftaugliches 50-Meter-Becken nötig.»