Im Grossen und im Kleinen

Vor 100 Tagen trat Florian Kessler die Nachfolge von Helen Bisang als Leiter des Stadtplanungsamtes an. Der Ostschweizer will nicht nur die Entwicklung grosser Areale vorantreiben, sondern auch jene in den Quartieren.

David Gadze
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Florian Kessler auf dem Dach des Rathauses, kurz nach seinem Amtsantritt im Oktober 2014. (Bild: Urs Bucher)

Florian Kessler auf dem Dach des Rathauses, kurz nach seinem Amtsantritt im Oktober 2014. (Bild: Urs Bucher)

Die Stadtplanung steht vor grossen Herausforderungen. Entwicklungen wie im Areal Hauptbahnhof Nord oder im Hechtacker haben aufgezeigt, dass es verschiedene Baustellen gibt. Florian Kessler widmet sich diesen Aufgaben. Im Oktober hat er die Leitung des Stadtplanungsamtes übernommen.

Siedlung und Verkehr

Als zentral in seiner Arbeit nennt Kessler einerseits die verschiedenen Entwicklungsplanungen, die teilweise schon länger laufen. «Wichtig ist eine Abstimmung der Siedlung mit dem Verkehr. Dies auch im Hinblick auf die Frage bei der Weiterentwicklung des öffentlichen Verkehrs, etwa einer allfälligen Tramlinie.» Je nachdem, wie diese Frage dereinst beantwortet werde, wirke sich das stark auf die künftige Siedlungsentwicklung aus.

Andererseits seien die laufenden Arealentwicklungen von grosser Bedeutung, etwa die Gebiete Hauptbahnhof Nord, Bahnhof St. Fiden oder das Platztor-Areal, wo ein neuer Campus der Universität St. Gallen geplant ist, aber auch das Areal St. Gallen-West/Gossau-Ost. «Wichtig ist aber auch die Quartierentwicklung, gerade was die Nutzungsstrukturen betrifft», betont Kessler. Innenentwicklung bedeute eben nicht bloss, möglichst dicht zu bauen, sondern auch «Qualitäten zu schaffen». In den Quartierzentren gelte es beispielsweise, einen gewissen Nutzungsmix zu erhalten.

Siedlungsqualität erhalten

Es sei eine «grosse Herausforderung», Siedlungsqualität zu erhalten und ein attraktives Wohnumfeld zu schaffen, sagt Kessler. Dazu zähle auch die Nutzung und Gestaltung der öffentlichen Plätze. «Ein wichtiges Kriterium ist, dass ein Ort möglichst vielen verschiedenen Ansprüchen dienen kann.»

Es brauche nicht nur eine aktive Planung, bei der Zielsetzung, Strategien und Rahmenbedingungen festgelegt werden, sondern auch partizipative Verfahren, in die verschiedene Interessengruppen eingebunden werden könnten. Aber auch die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft, anderen Ämtern und Direktionen, kantonalen Stellen und der Region müsse weiter gefördert werden.

Schon lange in St. Gallen

Mit der Stadt ist Florian Kessler bestens vertraut: Der 42-Jährige lebt seit dem Jahr 2000 mit seiner Frau und den beiden Kindern in St. Gallen. Aufgewachsen ist er in Wattwil. Er habe sich «schon immer für Ortschaften und Städte interessiert», sagt Kessler. Mit der Zeit kamen auch Themen der Stadtentwicklung hinzu. So absolvierte er an der Hochschule für Technik in Rapperswil ein Studium als Siedlungsplaner und arbeitete danach bei der Stadtplanung in Thun. «Als ich 1997 das Studium abschloss, gab es aber noch keine Stellen als Siedlungsplaner. Ich wollte aber unbedingt auf diesem Beruf arbeiten. Der Ort spielte dabei eine untergeordnete Rolle.»

Nach drei Jahren im Berner Oberland kehrte er 2000 in die Ostschweiz zurück und wechselte zum Amt für öffentlichen Verkehr des Kantons St. Gallen. Die Verkehrsinfrastruktur bezeichnet Kessler denn auch als einen wesentlichen Treiber von Siedlungsentwicklungen. Nach einem Nachdiplomstudium zum Raumplaner an der ETH wurde er 2006 Leiter Bau und Stadtentwicklung in Rorschach.

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