Ein neuer Präsident, ein neuer Stil

Präsident des Stadtparlaments zu werden, muss man sich verdienen. Im Fall des am Dienstag gewählten Heini Seger sogar erkämpfen.

Elisabeth Reisp
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Hoch hinaus: 2016 ist Heini Seger der höchste St. Galler. (Bilder: Benjamin Manser)

Hoch hinaus: 2016 ist Heini Seger der höchste St. Galler. (Bilder: Benjamin Manser)

Präsident des Stadtparlaments zu werden, muss man sich verdienen. Im Fall des am Dienstag gewählten Heini Seger sogar erkämpfen. An der Feier im Athletik Zentrum sollte der Fechter seine Fähigkeiten beweisen und gegen seinen Vorgänger Thomas Meyer (CVP), kein Fechter, aber durchaus ein Kämpfer, antreten. Meyer setzte – frei nach dem Motto «Angriff ist die beste Verteidigung» – sogleich zur Attacke an. Segers zweiter Gegner, der feingliedrige Martin Boesch (SP), bot auf der Fechtbahn deutlich weniger Angriffsfläche als im Parlament, kämpfte aber ebenso beherzt und hartnäckig. Heini Seger liess generös beide Gegner zu Punkten kommen, setzte sich aber jeweils entschieden durch. Ganz der kluge Politiker.

Im Athletik Zentrum wurde nicht nur Schaukampf der unterhaltsamen Art geboten. Die Männer der Milizfeuerwehr offerierten einen Apéro, bevor die Festgesellschaft zum Essen in die Moststube der Olma Hallen dislozierte.

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Ein bisschen war das Fest auch eines für die Junge-Grüne-Politikerin Franziska Ryser, die zur Vizepräsidentin gewählt wurde. Nächstes Jahr dürfte sie die jüngste Präsidentin werden, welcher sich das Stadtparlament je rühmen durfte. Besonders freut sich darauf Stadtpräsident Thomas Scheitlin, wie dieser in seiner Rede sagte. Denn dann könne er «endlich wieder einmal mit einer Frau in den Ausgang».

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Musikalisch setzte Seger nicht auf Traditionelles, aber durchaus auf Ostschweizerisches. Malcolm Green, mit dem Seger seit Jahren befreundet ist, sang zu Ehren des Parlamentspräsidenten. «I did it my way» von Frank Sinatra ist ein Lied, das garantiert jedesmal den einen oder anderen wehmütig und melancholisch werden lässt. Getroffen hat es diesmal Stadtrat Peter Jans. Der prompt ein Bild des Sängers auf Twitter veröffentlichte und darunter schrieb: «I did it my way – möchte ich auch mal sagen.»

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Auf Produktionen seitens der Fraktionen wurde verzichtet. Heini Seger höchstpersönlich wünschte das so. Das sei seine Bedingung gewesen, als er vor zwei Jahren für das Vizepräsidium angefragt wurde. Er wollte lieber etwas professionelles haben für die Feier zum höchsten St. Galler. Das Professionelle trat in Form der Comedian Lisa Catena aus dem bernischen Thun auf. Ausgerechnet, haben sich wohl etliche der geladenen Gäste gedacht, abzulesen an den hochgezogenen Augenbrauen im Saal. Das Berner Meitschi fühlte sich jedenfalls «geehrt, hier in St. Gallen zu sein», und wickelte das Publikum mühelos um den Finger. «Ein Zeichen der Weltoffenheit», begründete der SVP-Politiker Seger den mutigen Schritt, auf die üblichen lokalen Spassmacher zu verzichten und eine freche Bernerin einzuladen.

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Was ihm das Jahr als Parlamentspräsident alles bringen wird, wird sich zeigen. Gewiss wird Seger dieses Amt aber ebenso gestalten wie die dazugehörige Feier: auf seine eigene offene Weise.

Posieren in Kampfmontur.

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Legende (Bild:)

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