Casting-Show am Marktplatz

Gleich auf mehreren Bühnen waren an diesem St. Galler Fest junge Talente zu hören. Die Vereinigung Pro City liess regionale Bands auftreten, und das Schweizer Fernsehen suchte «Die grössten Schweizer Talente». Ein Streifzug durch die Casting-Zone des St. Galler Fests.

Roger Berhalter
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The Green Socks aus St. Gallen spielten auf dem Gallusplatz irische Lumpenlieder. (Bild: Benjamin Manser (Benjamin Manser))

The Green Socks aus St. Gallen spielten auf dem Gallusplatz irische Lumpenlieder. (Bild: Benjamin Manser (Benjamin Manser))

Am frühen Samstagnachmittag zeigt sich das St. Galler Fest nicht von seiner ausgelassenen Seite. Die Bars und Zelte sind noch leer, erst wenige Besucher flanieren zwischen den Ständen im Regen. Vor der Vadian-Bühne aber hat sich trotz des kühl-nassen Wetters schon ein Publikumsgrüppchen versammelt. Auf der Bühne steht das Trio Ayla und gibt Jazz- und Soul-Covers zum Besten. «Ihr könnt uns gerne ein Bätzeli in den Hut geben», sagt die Sängerin nach dem letzten Song.

Von Hip-Hop bis Punkrock

Ayla ist eine von neun Formationen, die am St. Galler Fest auf den zwei Bühnen von Pro City spielen, der Vereinigung der Innenstadt-Geschäfte. Im Vorfeld konnten sich die Bands um einen Auftritt bewerben. Die Anmeldungen waren gemäss Fest-Geschäftsleiter Bruno Bischof so zahlreich, dass man erstmals gleich zwei Bühnen aufstellte: eine beim Vadian und eine auf dem Gallusplatz. Auf ihnen zeigen am Samstagnachmittag mehrheitlich junge und noch wenig bekannte Bands ihr Können. Durch Eigenständigkeit zeichnen sie sich (noch) nicht aus: Bis auf vereinzelte Ausnahmen sind nur Coverversionen zu hören. Dafür ist die stilistische Bandbreite gross und reicht von Hip-Hop von «Leigang fu 2na» über Irish Folk von The Green Socks bis zu Punkrock von Crying Children.

«Schweizer Talent» gesucht

Auch das Schweizer Fernsehen sucht am St. Galler Fest junge Talente. Zum zweiten Mal in Folge ist SRF mit einem Stand präsent, um für «Die grössten Schweizer Talente» zu werben. «Vor Ort ist es leichter, spannende Leute zu entdecken, als über ein Online-Video», sagt John Walker, Leiter des vierköpfigen SRF-Teams, das sich am Marktplatz postiert hat. Noch ist es früh, noch zögern die Leute, sich im SRF-Stand vor die Kamera zu stellen. Aber Walker dirigiert seine Mitarbeiter immer wieder gezielt einzelnen Passanten hinterher, um diese für ein Casting zu gewinnen.

Wie um zu beweisen, dass das auch klappt, zeigt er Videos vom Vorabend. Zwei junge Männer ziehen ihre Shirts aus und spannen die Muskeln an. Ein anderer tanzt Limbo, angefeuert vom angeheiterten Festpublikum. «Wir haben fast bis Mitternacht gefilmt und erst aufgehört, als es langsam kritisch wurde», sagt Walker augenzwinkernd.

Keiner muss sich blamieren

Doch Angst, sich zu blamieren, muss am SRF-Stand niemand haben. Auch dürfte es keiner nüchtern bereuen, sich nach ein paar Bier das Mikrophon geschnappt zu haben. Die Aufnahmen vom St. Galler Fest sind nämlich in der nächsten Staffel von «Die grössten Schweizer Talente» nicht öffentlich zu sehen, sondern dienen nur internen Zwecken. Es geht in erster Linie darum, für die Casting-Sendung Werbung zu machen und erste Kontakte zu knüpfen, auf welche die Sendungsmacher später zurückgreifen können. In diesem Sommer schickt das Schweizer Fernsehen mehr als 20 Talentspäher durch die ganze Schweiz.

Ein Auftritt am Fest gehört dazu

Auf der Pro-City-Bühne am Gallusplatz ertönen mittlerweile irische Klänge. Es sind die Lumpenlieder des St. Galler Quintetts The Green Socks. Fans der Abtwiler «Appowila Highland Games» stehen in Schottenröcken vor der Bühne, und spätestens bei «What shall we do with the drunken Sailor» wippen alle im Takt. «Als St. Galler Musiker gehört es dazu, dass man einmal am St. Galler Fest gespielt hat», sagt Schlagzeuger Rico Fischbacher nach dem Auftritt. Dreimal steht die Irish-Folk-Band am Samstagnachmittag auf der Gallusplatz-Bühne. «Das Fest ist für uns eine gute Gelegenheit, uns als Band zu zeigen.»

Am Stand des Schweizer Fernsehens bewarben sich Mutige für «Die grössten Schweizer Talente». (Bilder: Benjamin Manser)

Am Stand des Schweizer Fernsehens bewarben sich Mutige für «Die grössten Schweizer Talente». (Bilder: Benjamin Manser)