Bis die Asphaltfräsen glühen

ST.GALLEN. Es scheint, als würde in St. Gallen in diesen Wochen und Tagen an so vielen Strassen und Plätzen gefräst, gegraben, gestampft, gewalzt, und asphaltiert wie nie zuvor. Der Schein trügt nicht: Im Moment gibt es 50 Baustellen in der Stadt.

Daniel Wirth
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Verbotsschild an der Hinteren Bahnhofstrasse beim «Seeger». Fussgänger atmen Staub ein, Autofahrer müssen sich einen anderen Weg suchen. Der Grund: Werkleitungsarbeiten. (Bild: Ralph Ribi)

Verbotsschild an der Hinteren Bahnhofstrasse beim «Seeger». Fussgänger atmen Staub ein, Autofahrer müssen sich einen anderen Weg suchen. Der Grund: Werkleitungsarbeiten. (Bild: Ralph Ribi)

Der Bahnhofplatz wird neu gestaltet, die Decke des SBB-Rosenbergtunnels wird ersetzt (siehe Text unten), an der Zürcher Strasse werden nach dem Einlegen von Werkleitungen gerade ein neuer Belag eingebracht und Randsteine gesetzt, an der St. Jakob-Strasse werden Fernwärmeleitungen verlegt: Das sind Baustellen an Hauptverkehrsachsen; sie sind für viele Einwohner und Pendler sichtbar, hörbar und lösen nicht selten Verkehrsbehinderungen aus. Baustellen an neuralgischen Punkten wie dem Blumenbergplatz oder an der Zürcher Strasse vor der Fürstenlandbrücke werden von den Planern gerne in die Sommerferien verlegt. «Wir haben in den Ferien gut 15 Prozent weniger Verkehr», begründet Christian Hasler, Bereichsleiter Verkehr beim Tiefbauamt der Stadt, das Timing.

Verkehrsregime funktioniert

Die Rosenbergstrasse ist an ihrem östlichen Ende seit knapp einer Woche gesperrt. Der Verkehr wird über den Oberen Graben und die St. Leonhard-Strasse umgeleitet. Das Verkehrsregime funktioniere im Moment gut, sagt Hasler. Auch dank der Umstellung der Lichtsignalanlagen (siehe Kasten). Hasler räumt aber ein, dass wegen der temporären Schliessung zweier Fussgängerstreifen der Langsamverkehr eingeschränkt sei. Solche Baustellen und Umleitungen brächten immer für die eine oder andere Gruppe von Verkehrsteilnehmern Nachteile. Es gelte gut zu planen und abzuwägen, welche Massnahmen vertretbar und nützlich seien.

Viele Akteure am Buddeln

Notker Schmid verantwortet beim Tiefbauamt der Stadt den Strassenbau. Er sagte gestern gegenüber dem Tagblatt, im Moment gebe es in der Stadt rund 50 Strassenbaustellen, viele davon in Quartieren und nicht für alle Einwohner sichtbar. Es sei nicht überall das Tiefbauamt am Werk, sagt Schmid. Es gebe viele Akteure, die im Moment Strassen auffrästen. «Wir haben seit zwei, drei Jahren eine regelrechte Spitze.» Das hat damit zu tun, dass die Stadtwerke (SGSW) das Glasfaser- und parallel dazu das Fernwärmenetz ausbauen und von Gesetzes wegen auch noch Gas- und Wasserleitungen erneuern müssen. Gleichzeitig sei Entsorgung St. Gallen, eine Abteilung der Technischen Betriebe, daran, alte Abwasserleitungen aus dem Boden zu nehmen und durch grössere Kaliber zu ersetzen. Hinzu kommen immer wieder unplanbare Baustellen wie nach Wasserrohrbrüchen wie beispielsweise am Montagmorgen im Gebiet Waldacker.

Kobas für eine gute Planung

Obschon Notker Schmid für die vielen Baustellen eine Erklärung parat hat und Christian Hasler bemüht ist, dass der Verkehr fliesst, fragt sich manch ein St. Galler und manch eine St. Gallerin: «Müssen denn überall gleichzeitig Strassen aufgerissen werden?» Die Strassenarbeiten würden sorgfältig geplant und aufeinander abgestimmt, sagt Schmid. Hierfür gebe es Kobas (Koordination Baustellen St. Gallen). 50 Strassenprojekte gleichzeitig, die kleinsten nicht gezählt: die Stadt, eine Baustelle.