Bambusbodies statt Bilanzbögen

Eva Spaar kletterte die Karriereleiter in der Bank hoch, bis Söhnchen Carlo zur Welt gekommen ist. Auf der Suche nach hochwertiger Babykleidung merkte sie: Was sie will, gibt es noch gar nicht. Seither stellt sie Kleider aus Bambus her.

Kathrin Reimann
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Eva Spaar mit Söhnchen Carlo im Atelier von Mirela Panache (ganz links), die im Linsebühl die Bambuskleider näht. (Bild: Michel Canonica)

Eva Spaar mit Söhnchen Carlo im Atelier von Mirela Panache (ganz links), die im Linsebühl die Bambuskleider näht. (Bild: Michel Canonica)

Eva Spaar produziert ihre Kunden gleich selber. Die Mutter eines zweijährigen Sohnes erwartet Ende Jahr ihr zweites Kind. Und darauf ist die 35-Jährige bestens vorbereitet. Zumindest sicher kleidertechnisch.

Nach Abschluss ihres Publizistik-Studiums kommt die St. Gallerin bei einer Bank unter und arbeitet sich dort munter die Karriereleiter hoch. 2013 erwarten sie und ihr Mann, Dario de Salvatore, ihr erstes Kind. Spaar reduziert die Stellenprozente nach dem Mutterschaftsurlaub zwar um 20 Prozent, arbeitet aber trotzdem fast gleich viel wie vorher. «In meiner Position war es sehr schwierig zu reduzieren.»

Nur das Beste ist gut genug

Um ihr schlechtes Gewissen zu kompensieren, ist ihr für Söhnchen Carlo nur das Beste gut genug. Sie und ihr Mann suchen vergeblich nach hochwertigen und umweltfreundlichen Babykleidern, die ihren hohen Ansprüchen gerecht werden. «Wir wollten etwas, das für Babyhaut angenehm zu tragen ist, den Jahreszeiten trotzt, umweltschonend produziert wird, dabei aber auch individuell und edel aussieht.» Da sie nichts findet, was diesen hohen Anforderungen entspricht, hängt sie ihren Job bei der Bank an den Nagel und widmet sich ganz dem Baby und dessen Kleidung.

Bald stösst sie auf Stoffe aus Bambus. «Die Pflanze wächst schnell, ist natürlich, robust und benötigt weder Dünger noch Pestizide.» Ausserdem kühle der Stoff bei Hitze und wärme bei Kälte. Als Familienunternehmen – der Mann ist Geschäftspartner, der Sohn Model und Testperson – gründen sie das Label «Pandoolino» und bringen Ende letzten Jahres ihre erste Babybody-Geschenkkollektion raus. «Unsere Kunden bestimmen mit, welche Nahtfarben das Kleidungsstück hat und mit welcher Farbe der Name darauf gestickt werden soll. So entstehen individuelle Einzelstücke», sagt Spaar. Diese sind auch als Geschenke gedacht, denn die Stücke haben ihren Preis. Einen Standardbody gibt es ab 59 Franken. «Der Preis ergibt sich aus unseren Qualitätsansprüchen.» So stammt der Bambus nur aus FSC-zertifizierten Regionen, der Stoff ist mit dem Öko-Tex-Label zertifiziert und die Stücke werden von Hand in der Schweiz genäht. So sitzt die eine Schneiderin im Linsebühl-Quartier, die andere näht in Braunau. Diese stellen nebst den Bodies auch Nuschelis, Pyjamas und für Erwachsene auch Socken und T-Shirts her. Weitere Bambus-Produkte befinden sich in Planung.

Den alten Job nie vermisst

Obwohl Eva Spaar der Bischoff-Textil-Familie entspringt, ist für die Geschäftsfrau vieles neu und alles ein ständiger Lernprozess. «Wir müssen immer mal wieder etwas anpassen oder anders angehen», sagt Spaar. Dabei kann sie sich aber auf das Wissen ihrer Schneiderinnen, Tips aus dem familiären Umfeld oder auf die Rückmeldungen des Sohnes oder Kunden verlassen. «Es macht sehr viel Freude, den Job in der Bank habe ich bis heute nicht einen Tag vermisst», sagt Spaar. Das Umfeld hingegen schon: «Wenn man kein Team mehr hat, muss man aufpassen, das einem zu Hause die Decke nicht auf den Kopf fällt.» Deshalb ist Eva Spaar regelmässig beim Verein Startfeld zu Gast. Dieser fördert, berät und unterstützt Jungunternehmer und bietet ihnen eine Plattform, um sich auszutauschen und neue Unternehmer kennenzulernen.

Heute in Wil präsent

Und es bietet zudem die Möglichkeit, sich via Mund-zu-Mund-Werbung bekannter zu machen. «Ich verteile ansonsten vor allem Flyers und stelle Kleidungsstücke in Arztpraxen aus», sagt Spaar. Auch in sozialen Netzwerken ist sie mit «Pandoolino» präsent. Und in der Boutique «Grape Garcia» in der Wiler Altstadt können die Kleidungsstücke gekauft werden. Heute Samstag ist Eva Spaar von 10 bis 13 Uhr dort vor Ort und beantwortet bei Kaffee und Kuchen Fragen zu ihrem Label.

www.pandoolino.ch