Frauenpower aus Wittenbach

Kimberly Zehnder und Mutter Christine engagieren sich seit Jahren für Baseball und Softball. Mit den Wittenbach Vikings steht höchstwahrscheinlich der Aufstieg in die NLB bevor. Kimberly begibt sich zudem auf internationales Parkett.

Roman Hertler
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Tochter und Mutter leben für Baseball: Kimberly und Christine Zehnder im «Materiallager» in Wittenbach. (Bild: Ralph Ribi)

Tochter und Mutter leben für Baseball: Kimberly und Christine Zehnder im «Materiallager» in Wittenbach. (Bild: Ralph Ribi)

WITTENBACH. Eigentlich hat sich Kimberly Zehnder nie für Baseball interessiert. Es war ihre Mutter Christine, Trainerin bei den Wittenbach Vikings, die sie zum Training mitnahm. Damals gefiel es der 8jährigen Kimberly gar nicht. «Mit den Jungs zu spielen und diese Klamotten zu tragen, das passte mir anfangs nicht», sagt die 18-Jährige. Heute ist Baseball kaum mehr aus ihrem Leben wegzudenken. Wie kam es zu diesem Gesinnungswandel?

Wurzeln in Amerika

Christine Zehnder ist in Chicago aufgewachsen. Die gelernte Dentalhygienikerin kam Mitte der 1980er-Jahre nach St. Gallen. Hier lernte sie ihren Mann kennen, zog nach Wittenbach und gründete eine Familie. Ende 1999 gründete ein Nachbar die Wittenbach Vikings, 2002 begann Christine als Trainerin.

«Mit dem Juniorenteam wurden wir nach ein paar Jahren fünf Mal Schweizer Meister», erzählt sie. «Diese Erfolge waren wohl der Ansporn, der in Kimberly die Begeisterung für Baseball weckte.»

Erfolge auch in NLB möglich

Mit den Jungs der Wittenbach Vikings blieb sie in dieser Saison bisher ungeschlagen, ein Aufstieg von der 1. Liga in die Nationalliga B ist möglich. «Ich wäre stolz, wenn mit uns ein Ostschweizer Team in der NLB vertreten wäre», sagt Mutter Christine, «auch wenn der Aufstieg mit einem erheblichen Mehraufwand verbunden wäre.» Kimberly gibt sich selbstbewusst: «Wir sind heute schon sehr erfolgreich. Ich bin sicher, dass wir auch in der NLB mithalten können.»

EM in den Niederlanden

Kimberly ist nicht nur im männerdominierten Baseball engagiert. Sie spielt ausserdem Softball – eine Variante des Baseballs, die ausschliesslich von Frauen gespielt wird. In der NLA spielt sie für die Wil Devils, und mit dem Basler NLA-Team der Therwil Flyers reiste sie vergangenes Jahr an den Europacup nach Bulgarien. Auch diese Woche verbringt Kimberly in Begleitung ihrer Mutter im Ausland: Mit dem Softball-Nationalteam bestreitet sie aktuell die Europameisterschaften in Rosmalen (Niederlande). In der gestrigen Partie gegen ein starkes Italien mussten die Schweizerinnen eine 0:11-Niederlage einstecken. Das Resultat des zweiten Sonntagsspiels war bis Redaktionsschluss noch nicht bekannt. «Unser Ziel ist, unseren 14. Rang von 2013 zu übertreffen», sagt Kimberly.

Angeschlagene Schulter

Nebst dem spielerischen Einsatz leitet Kimberly mittlerweile auch die Trainings bei den Vikings. «Heute jage ich die Jungs herum», sagt sie mit verschmitztem Lächeln. Nach und nach übernimmt die Tochter immer mehr Aufgaben ihrer Mutter. «Unsere Mitgliederzahlen haben sich alleine im letzten Jahr verdoppelt», sagt Christine. «Wir brauchen dringend mehr Trainer.»

«Ich wollte mich eigentlich noch in mehr Teams spielerisch engagieren», sagt Kimberly. Eine leicht angeschlagene Schulter bereitet ihr momentan aber Schwierigkeiten. «Mein Arzt will, dass ich mich operieren lasse», sagt sie. «Ich hoffe, die Verletzung mit Tapen und Physiotherapie wieder in den Griff zu bekommen.»