Es geht auch ohne Dieter Bohlen

Mörschwil. Ein richtiges Casting mit Kameras und Jury. Wie aufregend! Das spüren auch die Teilnehmerinnen, die gestern im Dachatelier des Gallusschulhauses zum Vorsingen fürs Musical «Der Zauberer von Oz» antreten.

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Gabi Aeschbacher aus Mörschwil begeistert die Jury, in der auch «Zauberer von Oz»-Regisseur Reto Wiedenkeller sitzt. (Bild: Corinne Allenspach)

Gabi Aeschbacher aus Mörschwil begeistert die Jury, in der auch «Zauberer von Oz»-Regisseur Reto Wiedenkeller sitzt. (Bild: Corinne Allenspach)

Mörschwil. Ein richtiges Casting mit Kameras und Jury. Wie aufregend! Das spüren auch die Teilnehmerinnen, die gestern im Dachatelier des Gallusschulhauses zum Vorsingen fürs Musical «Der Zauberer von Oz» antreten. Eine junge Frau umklammert krampfhaft das Kuscheltuch ihrer Kinder, während sie sich nach einem Räuspern bei der fünfköpfigen Jury für ihre belegte Stimme entschuldigt. Noch am Samstag habe sie mit Fieber im Bett gelegen, sagt die Frau.

Die Region versammelt sich

Sie ist nicht die einzige, die mit Glücksbringer angereist ist. Und bei weitem auch nicht die einzige, die am Samstag oder Sonntag vor die Jury tritt. 110 Personen haben sich fürs Casting angemeldet. Die Hälfte kommt aus Mörschwil, der Rest von überall her. Aus St. Gallen, Engelburg, Gossau, Henau, Arnegg, Flawil, Wil, Altstätten und sogar Luzern.

Sie alle möchten im Musical zum 1200-Jahr-Jubiläum Mörschwils mitspielen, das im August 2011 mehrmals auf der Straussenfarm aufgeführt wird. Begleitet vom Orchester Camerata Salonistica unter der Leitung von Michael Schläpfer und einem Bühnenbild ganz aus Stroh. Aus 300 Tonnen Stroh, um genau zu sein.

Noch vor wenigen Tagen hatte Regisseur Reto Wiedenkeller, der vor bald 25 Jahren sein Hobby zum Beruf gemacht hat, Bammel, ob das ganze Vorhaben gelingen würde.

«Meines Wissens wurde der <Zauberer von Oz> in der Schweiz noch nie als Musical aufgeführt», sagt er. «Dementsprechend wenig Leute kennen das Stück.»

Gestern morgen wirkt Wiedenkeller ganz entspannt. «Das Niveau der Teilnehmer ist erfreulich hoch», sagt er. Sogar zwei Profis hätten sich angemeldet, obwohl es keine Gagen gebe: Manuela Gerosa aus Goldach und Sue Bachmann aus Luzern.

Niveau statt Quoten

Derweil ist die Anspannung im Dachatelier so gross, dass es fast weh tut. «Somewhere over the rainbow», singt die Frau auf der Bühne. Das Notenblatt zittert unübersehbar in ihren Händen. Eine Mitstreiterin schliesst die Augen und lässt den Song auf sich wirken. Dann spontaner Applaus – und aufatmen. Kein berüchtigtes «Leider nein» und keine vernichtenden Sprüche. Schliesslich geht's hier nicht um Quoten, sondern um die Sache. Und man hat Niveau. Der Spannung tut dies keinen Abbruch. Ein richtiges Casting. So aufregend! Corinne Allenspach