Der Biber ist umgezogen – und immer noch allein

ABTWIL. Lange Zeit war's ruhig um den Biber am Wiesenbach. Viele Abtwiler waren sich sicher: Das pelzige Kerlchen ist weggezogen. Andere wollten ihn gar mit Familie gesehen haben. Beides falsch, wie der Wildhüter sagt.

Corinne Allenspach
Drucken
Teilen
Beim Znacht: Der bisher beste Schnappschuss des Abtwiler Bibers. (Archivbild: Amt für Natur, Jagd und Fischerei)

Beim Znacht: Der bisher beste Schnappschuss des Abtwiler Bibers. (Archivbild: Amt für Natur, Jagd und Fischerei)

Wäre da nicht das Rauschen der nahen Autobahn, die Idylle wäre perfekt. Der renaturierte Moosmüliweier mit seinem Schilfgürtel und dem flach abfallenden Ufer, halb zugefroren und von zwei Dutzend paddelnden Stockenten bevölkert. Rundherum frische Spuren im Schnee, von Füchsen – und vom Biber.

Ein Zuzug mit Folgen

2009 ist er am Wiesenbach zugezogen, direkt neben den Familiengärten beim Sportplatz Spiserwies und nur wenige hundert Meter vom Säntispark entfernt. Zum Entzücken vieler. «Alle freuen sich, einen solch netten Nachbarn zu haben», sagte damals Beat Wyden, Präsident des Familiengärtnervereins. Und Gemeindepräsident Andreas Haltinner hiess das Tier namentlich willkommen an der Neuzuzügerbegrüssung.

Die Freude währte aber nicht lange. Kurz nach seinem Zuzug brachte der Biber mit seinem Damm die Abtwiler Hochwasserentlastung aus dem Lot. Im Wiesenbach mussten Rohre verlegt, später die Fussgängerbrücke über den Bach erhöht werden (Tagblatt vom 21. November 2009 und 11. November 2010). Seither ist es ruhig geworden um den Nager am Wiesenbach. Ist er überhaupt noch da?, fragten sich viele.

Ein sehr ruhiger Mitbewohner

Wildhüter Mirko Calderara vom kantonalen Amt für Natur, Jagd und Fischerei beruhigt. «Ja, der Biber ist noch da. Aber er ist halt ein sehr ruhiger Mitbewohner.» Nach den anfänglichen Staudamm-Eskapaden höre man praktisch nichts mehr – auch keine Beschwerden der Leute. Calderara freut's, dass die Akzeptanz des Bibers gross ist im Dorf und die Abtwiler das Tier und seinen Lebensraum in Ruhe lassen. Sicher mit ein Grund, warum der schätzungsweise sechs Jahre alte Nager noch nicht weggezogen ist. Im Gegenteil: «Er hat inzwischen den ganzen Wiesenbach erobert», sagt Mirko Calderara. Einmal sei er bei den Tennisplätzen im Gründenmoos gesichtet worden und sogar im städtischen Bildweier. Und dies, obwohl der Wiesenbach laut Calderara eigentlich zu seicht ist für Biber, und die Weiden – des Bibers Leibspeise – in der Umgebung nicht allzu üppig wachsen. «Ich gehe davon aus, dass das kein dauerhaftes Revier ist für ihn», sagt Calderara.

Kanonenputzer und Badewanne

Nichtsdestotrotz ist der Biber noch da, fällt seit über drei Jahren fleissig Haseln, Erlen und Weiden. Und vor kurzem ist er umgezogen. Ganz nah an den Moosmüliweier. Den Eingang zu seinem Erdbau hat er, wie bei Bibern üblich, unter Wasser angelegt. Die «Kanonenputzer» am Ufer reisst er gleich zuhauf mit Wurzeln aus, bevor er sie genüsslich verspeist. Und den Moosmüliweier nutzt er als grosse Badewanne. Einige Abtwiler wollen sogar gesehen haben, dass mehrere Biber hier unterwegs sind. Calderara winkt ab: «Ich wette, dass kein zweiter da ist.» Sonst sähe man viel mehr Frassspuren in der Umgebung. Calderara fügt grinsend an: «Das ist sicher ein altlediger Sürmel.»

Seit über drei Jahren fällt der Biber fleissig Bäume am Wiesenbach. (Archivbild: Ralph Ribi)

Seit über drei Jahren fällt der Biber fleissig Bäume am Wiesenbach. (Archivbild: Ralph Ribi)

Gut versteckt ist der Eingang zum Biberbau im Wiesenbach, an der Grenze Gaiserwald–St. Gallen. Der Biber hat den Bau mit Schilf und Ästen bedeckt, bevor der Schnee kam. (Bild: Michel Canonica)

Gut versteckt ist der Eingang zum Biberbau im Wiesenbach, an der Grenze Gaiserwald–St. Gallen. Der Biber hat den Bau mit Schilf und Ästen bedeckt, bevor der Schnee kam. (Bild: Michel Canonica)