Eine Tortur auch für die Helfer

Der St. Galler Urs Baumgartner und der Andwiler Oliver Schoch gehören zum Begleitteam des Extremsportlers Reto Schoch. Schochs abenteuerliche Fahrt auf dem Velo führt sie über 4800 Kilometer von West nach Ost quer durch die USA.

Urs Huwyler
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Das Team Schoch (von links nach rechts): Oliver Schoch, Reto Schoch, Erich Schoch, Urs Baumgartner und Sandro Fiorentin. (Bild: pd)

Das Team Schoch (von links nach rechts): Oliver Schoch, Reto Schoch, Erich Schoch, Urs Baumgartner und Sandro Fiorentin. (Bild: pd)

Das Duo Urs Baumgartner (Chef-Navigator)/Oliver Schoch (Athletenbetreuer) coachte Reto Schoch mit dessen Vater Erich (Teamchef) zusammen bereits bei andern Langdistanz-Wettkämpfen. In Amerika sind die beiden erfahrenen Betreuer seit sieben Tagen mit vier gleichgesinnten Bündnern, einem Berner und einem Zürcher zusammen auf den 3000 Meilen von Oceanside im Staat Kalifornien nach Annapolis, Maryland, auf engstem Raum in einem riesigen Camper und einem Begleitfahrzeug unterwegs.

Schlaf gibt es kaum oder nur scheibchenweise, weil Schoch ein horrendes Tempo vorlegt und seit dem ersten Tag in Führung liegt, die Pläne aus aktuellen Begebenheiten immer wieder umgestellt werden müssen und trotz Müdigkeit Flexibilität gefragt ist. Zuletzt schaffte die Hitze den Kühlschrank im «Follow-Car», so dass nebenbei auch Eis angeschafft werden musste. «Was Reto leistet, ist fast unglaublich. In sieben Tagen hat er 4000 Kilometer abgespult. Dies bei unterschiedlichsten Bedingungen», melden die beiden St. Galler aus Amerika.

Mehrere Tornados

In Erinnerung bleiben dürfte ihnen auch die Fahrt von den Rocky Mountains nach Kansas. Die Spannung, die sich durch den herannahenden Gewittersturm aufbaute, war kaum zu überbieten. «Später erfuhren wir, dass drei Tornados in der Nähe durchzogen. Es war zugleich ein faszinierendes und unheimliches Erlebnis», beschreiben die zusätzlich als Techniker und Chauffeure eingesetzten Teamstützen das Naturschauspiel.

Alles ist auf den Support von Reto Schoch ausgerichtet. «Die Müdigkeit», so Baumgartner, «ist auch im Team spürbar. Wir müssen auf der Reise durch die schönen Landschaften ebenfalls an die Grenzen gehen. Doch der Wille, nach rund neun Tagen ins Ziel zu kommen, treibt alle vorwärts. Das Rennen ist für alle ein unbeschreibliches Erlebnis und zugleich eine Tortur, die sich trotz optimaler Vorbereitung im Vorfeld nicht in allen Teilen simulieren liess.»

Kopf-an-Kopf-Rennen

Nach ersten Schätzungen wird Schochs Equipe den Zielort Annapolis heute erreicht haben. Im Kampf um den Sieg liegt Reto Schoch gleichauf mit dem österreichischen Titelverteidiger Christoph Strasser. Baumgartner und Oliver Schoch rechnen damit, dass ihr bergerprobter Fahrer in den Appalachen schneller unterwegs sein wird als der Kronfavorit.