Der Reiz des Exotischen

Seit 2011 spielen die Cougars in St. Gallen Lacrosse, eine Sportart, die kaum jemand kennt. Dadurch ist es umso schwieriger, neue Mitspielerinnen zu finden und ein Team aufzubauen.

Raya Badraun
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Lacrosse ist eine sehr schnelle Sportart, die von den Spielerinnen alles abverlangt. (Bilder: Benjamin Manser)

Lacrosse ist eine sehr schnelle Sportart, die von den Spielerinnen alles abverlangt. (Bilder: Benjamin Manser)

LACROSSE. Die Sporthalle der Universität St. Gallen wirkt wie ein kleines Amphitheater. Auf dem Velo trampelnde und dem Laufband schwitzende Studenten starren auf das Spielfeld herunter. Dort geht es fast so spannend zu und her wie im alten Rom. Mit einem Stab, an dem ein Netz befestigt ist, passen sich Spielerinnen einen kleinen Ball zu und versuchen am Ende, mit diesem ein Tor zu erzielen. Schnell geht es zu und her, keine steht still. Neugierig verfolgen die Zuschauer das Treiben, doch nur einer traut sich zu fragen: «Was macht ihr da eigentlich? Ist das Unihockey oder Polo?» Die Spielerinnen der Cougars kennen diese Fragen.

Die nordamerikanische Sportart Lacrosse ist in der Schweiz noch immer fast unbekannt. Auch Captain Franziska Fitzi stiess nur per Zufall auf die Cougars. Die frühere Schwimmerin suchte vor vier Jahren eine neue Herausforderung. Sie wollte etwas Spezielles machen, das nicht jeder kennt. An der Universität St. Gallen entdeckte sie schliesslich Lacrosse, eine Sportart, die vieles vereint. Die Genauigkeit ist so wichtig wie beim Golf, der Ballwechsel so schnell wie beim Tennis und die Verteidigung gleicht derjenigen im Basketball.

Zusammen mit Basel und Chur

Das Exotische am Lacrosse ist jedoch nicht nur reizvoll. Es ist auch ein Problem, da kaum jemand die Sportart kennt. So ist es für die St. Gallerinnen extrem schwierig, neue Mitspielerinnen zu finden. Momentan trainieren nur acht bis zehn Frauen regelmässig zusammen. Für ein eigenes Lacrosse-Team ist das viel zu wenig. Da zwölf Akteurinnen auf dem Feld stehen, muss das Kader mindestens 18 umfassen. Zudem gibt es bei St. Gallen oft Wechsel, da die meisten Spielerinnen studieren. Manche pausieren wegen eines Praktikums oder Auslandsemesters, andere hören ganz auf, weil sie das Studium beenden. «Es ist wie bei einem Lehrling», sagt Franziska Fitzi. «Drei Jahre bauen wir ihn auf, und wenn er alles kann, verlässt er uns wieder.» So sei es sehr schwierig, ein Team aufzubauen, sagt die 25jährige Aargauerin Nadine Eichenberger. Deshalb bilden die Cougars in der Liga momentan zusammen mit Chur und Basel ein Team. Trotz der vielen Wechsel haben sie sich in den vergangenen Jahren stark verbessert. In den allerersten Spielen verlor die Equipe noch deutlich mit 0:30, heute kann sie auch die besten Teams ärgern.

Grosser Zusammenhalt

Dass Lacrosse in der Schweiz eine Randsportart ist, hat jedoch nicht nur Nachteile. «Der Zusammenhalt ist viel grösser – auch unter den Teams», sagt die 27jährige Franziska Fitzi. «Es ist wie eine grosse Familie.» Wenn etwa eine Equipe zu wenige Spielerinnen aufbieten kann, hilft auch einmal der Gegner aus. Und nach dem Spiel stossen die Frauen gemeinsam an. Nur auf dem Feld ist es so wie in jeder Sportart: Alle wollen gewinnen.

In St. Gallen trainieren acht bis zehn Spielerinnen regelmässig. (Bild: Benjamin Manser (Benjamin Manser))

In St. Gallen trainieren acht bis zehn Spielerinnen regelmässig. (Bild: Benjamin Manser (Benjamin Manser))

Nur in den Pausen tragen die Spielerinnen keinen Zahnschutz. (Bild: Benjamin Manser (Benjamin Manser))

Nur in den Pausen tragen die Spielerinnen keinen Zahnschutz. (Bild: Benjamin Manser (Benjamin Manser))