Das Breitfeld ist heute nicht nur Übungsplatz für die Armee, sondern auch ein wichtiges Naherholungsgebiet im Westen der Stadt - obwohl es durch die Autobahn zerschnitten wird.
Das Breitfeld war einst einer der grössten Spielplätze weit und breit für «Goofen» aus Bruggen, Winkeln, Abtwil und St. Josefen. Weiter war es (und ist es teilweise bis heute) Standplatz für Fahrende, Übungs- und Defileegelände für das Militär, Flugfeld, Austragungsort der Pferdesporttage, Fussballplatz sowie Sportstätte für Hornusser und Schützen.
Übungsplatz für Flugpioniere
Vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg erlebte St. Gallen dank der Stickerei-Industrie eine Blütezeit. Die damals allgemein verbreitete Fortschritts- und Technikgläubigkeit schien hier - nach Marcel Mayer - durch den wirtschaftlichen Erfolg besonders begründet zu sein, und der Flugsport fand früh Widerhall.Untrennbar mit dem Breitfeld verbunden war früher die Fliegerei, wurde hier doch schon 1911 ein «Schau-Fliegen» veranstaltet, über welches die St. Galler Chronik unter dem 13.August berichtete: «Die Stadt St. Gallen erhält den ersten Fliegerbesuch durch den mit einem Zweidecker im Breitfeld bei Winkeln aufgestiegenen, nach der Kreuzbleiche geflogenen und ohne Landung an den Ausgangsplatz zurückgekehrten Hauptmann A. Jucker.»Vom Breitfeld aus starteten die St. Galler Flugpioniere, zum Beispiel Henri Kunkler, der sich seit etwa 1910 eingehend mit der Fliegerei beschäftigte. Im Mai 1911 machte er erste Flugversuche mit einem «Blériot»-Eindecker in Dübendorf, und im Juli flog er vom Breitfeld über das Schloss Oberberg nach Gossau und zurück. 1912 baute er den «Rossier-Kunkler»-Hochdecker. Damit startete er zu seinem ersten Flug von St. Gallen nach Dübendorf. Er dauerte mit zwei Not-Zwischenlandungen zwölfeinhalb Stunden. Am 19. März 1913 überflog Kunkler mit einem selbst gebauten Flugzeug als Erster die Stadt St. Gallen in 1500 Meter Höhe.
Flugplatz Breitfeld
Das Breitfeld wurde dann zum st. gallischen Start- und Landeplatz und 1924, obwohl die Stadt mittlerweile in eine tiefe Wirtschaftskrise geraten war, zu einem eigentlichen Flugplatz ausgebaut. Mit einer regelmässigen Flugverbindung nach Basel sollte die Stadt an den internationalen Luftverkehr angeschlossen werden.Als am 7. August 1927 die Fluglinie St. Gallen-Zürich-Basel eröffnet wurde, wohnten dem Anlass über 6000 Personen bei. «Gemeinderat Jean Bosshard hielt vom Pilotenstand des Flugzeuges aus die Ansprache, in welcher er die verkehrspolitische Bedeutung des Ereignisses würdigte.»Am 8. August 1927 brachte der erste Postflug aus Basel bereits fünf volle Postsäcke nach St. Gallen. «Um 9 Uhr traf das Flugplatz-Auto vom Breitfeld in St. Gallen ein, und zehn Minuten später fuhr es mit der ersten grossen St. Galler Post und den Fluggästen für Dübendorf und Basel wieder zurück.»1931 wurde der Flugplatz nach Altenrhein verlegt. Das Breitfeld, wo während des Zweiten Weltkriegs weiter Flugzeuge landeten und starteten, wo nach dem Krieg auch wieder Flugtage stattfanden, verlor dadurch zunehmend an Bedeutung.
Soldaten auf dem Breitfeld
Generationen von Rekruten und Soldaten haben das Breitfeld «erleben» müssen, und nicht alle empfanden dieselbe patriotische Begeisterung dafür wie der Berichterstatter des «St. Galler Tagblatts», der am 9. September 1932 über das Defilee der 6.Division auf dem Breitfeld einen langen Artikel verfasste: «Um es gleich vorweg zu nehmen: Es war ein überwältigendes militärisches Schauspiel, das sich gestern auf der weiten Ebene des Breitfeldes den 80'000 bis 100'000 Zuschauern bot. Bereits am frühen Morgen setzte die Völkerwanderung ein, auch der kurze Gewitterregen nach 6 Uhr vermochte die Unentwegten nicht abzuschrecken. Überfüllte Extrazüge und Trams rollten in kürzester Zeitfolge nach Westen, endlose Autoschlangen bewegten sich in ununterbrochenem Zuge nach dem Breitfeld, wo in kurzer Zeit ein Autopark entstand, wie er in diesem Ausmasse in der Nähe St. Gallens noch nie zu sehen war.»
Flugzeuge, Pferde, Soldaten
Als um 9.45 Uhr Bundesrat Rudolf Minger und Oberstkorpskommandant Arnold Biberstein über das Feld galoppierten, wurden sie «von der riesigen Volksmenge mit freudigem Beifall begrüsst». «Nachdem noch das neue Schnellflugzeug der 'Swiss Air', der Lockheed Orion, über dem Felde gekreist hatte, begann das militärische Schauspiel.» Einige Minuten vor dem Defilee «erschienen am westlichen Horizont die 29 Flugzeuge der drei Fliegerkompagnien, gestaffelt in drei Keilformationen», worauf der Vorbeimarsch der Fusstruppen begann. Voraus marschierte das Trommlerkorps. Dann ritt Oberstdivisionär Renzo Lardelli vorbei und galoppierte an die rechte Seite von Bundesrat Minger, um dort das Defilee abzunehmen. «Es war ein wundervolles Bild, das die Dragoner-Abteilung 6 und die Regimenter 5 und 6 boten, besonders eindrücklich wirkte die Standartengruppe des Regiments 5 auf fünf prächtigen Schimmeln.»