«Union plus»: Wie sag ich's meinem Volk?

Wenn Entscheide, wie der über die Parkgaragen am letzten Dienstag, kommuniziert werden, wollen alle Parteien mit Stellungnahmen und Kommentaren mit von der (Medien-)Partie sein. Und manchmal ist das, was dieser Drang nach sich zieht, ein bisschen Realsatire.

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Wenn Entscheide, wie der über die Parkgaragen am letzten Dienstag, kommuniziert werden, wollen alle Parteien mit Stellungnahmen und Kommentaren mit von der (Medien-)Partie sein. Und manchmal ist das, was dieser Drang nach sich zieht, ein bisschen Realsatire.

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Merkwürdig. Da wurde Genosse Etrit Hasler im Juni des Rathauses verwiesen, als er zusammen mit den Medien Einlass zur Bekanntgabe der Abstimmungsresultate begehrte. Flugs besann sich der Parlamentarier auf seine politischen Vorrechte und interpellierte. Sein Anliegen: Künftig sollen nicht nur Medien zu Pressekonferenzen zugelassen werden, sondern Hinz, Kunz und folglich auch Hasler. Der Stadtrat will an der bisherigen Praxis festhalten: Medienkonferenzen für Medienschaffende.

Was dem SP-Stadtparlamentarier und Kantonsrat verwehrt blieb, schaffte nun Fraktionskollegin Bettina Surber spielend. Quasi live durfte sie die Medienkonferenz zur Konzessionierung der Union-Parkgarage verfolgen und sogar eine Frage stellen. Wieso das? Was hat Surber, was Hasler nicht hat? Ganz einfach: einen TVO-Termin für ein Streitgespräch mit Stadtpräsident Thomas Scheitlin zur fraglichen Garage, das nach der Medieninformation auf dem Rathausdach aufgezeichnet wurde. Als SP-Präsidentin will frau schliesslich wissen, worüber sie sich mit dem Stapi gleich duellieren soll. Womöglich ist das Stoff für einen Vorstoss der Marke Hasler?

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Meinungsvielfalt ist Trumpf. Vor allem, wenn man mit dem Spruch über die «Monopolmedien» herziehen kann. Unpraktisch ist die Konzentration von Information in einer Hand aber offenbar nicht in jedem Fall. So traten CVP und TCS zur Parkgarage «Union plus» gemeinsam auf. Martin Würmli, gleichzeitig Präsident der Partei und des Verkehrsverbandes, verschickte die CVP- und die TCS-Stellungnahme im gleichen Mail. Und dies erst noch «von unterwegs». Angesichts von so viel High-Tech-Effizienz kann man als einer mit einem Handy des Jahrgangs 2002 nur noch voller Respekt den Hut ziehen.

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Endlich haben sie es geschnallt: Velofahrer geben in Mobilitätsfragen künftig den Ton an. Wie sonst ist es zu erklären, dass die FDP am Dienstagabend im Stadtzentrum parkierte Drahtesel mit einem blau-weissen Pro-Parkgaragen-Sattelschoner nachrüstete? Um der Wahrheit die Ehre zu geben: Auch Autofahrer wurden beglückt. Mit einer fingierten Parkierkarte unter dem Scheibenwischer. Verteilt unter anderem von FDP-Stadtparteipräsident Andreas Dudli. Der leistete so höchstpersönlich politische Knochenarbeit auf der Strasse. Natürlich in Parteiuniform: mit Anzug und Krawatte. (an./vre)

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